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13.03.2014

11:50 Uhr

Citroen CX-Historie

Freigeist für Kommissar Schimanski

VonWolfram Nickel
Quelle:Spotpress

Er sollte die göttliche DS beerben und für die kriselnde Marke im Zeichen des Doppelwinkels alles auf Anfang setzen. Eine Mammutaufgabe. Doch der Citroen CX bewältigte sie grandios. Auf seine eigene Weise.

Tradition: 40 Jahre Citroen CX - Weltmeister, Wunderauto und Werkstattwagen Citroen

Citroen CX

Ausgerechnet die Grande Nation muss sich heute mit profanen Mittelklassemodellen begnügen, wenn es um prestigieuse staatstragende Auftritte vor dem Elysée-Palast geht. Da werden sich viele Franzosen wehmütig an die glanzvollen Paraden luxuriöser Limousinen unter früheren Staatspräsidenten erinnern. Etwa an das Jahr 1974, als der futuristische Citroen CX vorgestellt wurde und mit gepfeilter Linie dem Überschalljet Concorde Konkurrenz zu machen schien.

Tatsächlich stand schon der Name der stromlinienförmigen Limousine für einen souveränen cW-Wert (französisch: CX). Und rekordverdächtig schnell war der CX ebenfalls – zumindest für Vierzylinder-Limousinen seiner Leistungsliga. Entsprechend rasant hielt die neue Avantgarde von Citroen Einzug in den präsidialen Fuhrpark - wo sie gleich auf zwei weitere Markengeschwister traf.

War 1974 für Citroen doch das legendäre „Drei-Königsjahr“, in dem die Marke im Zeichen des Doppelwinkels mit einem Flaggschiff-Triumvirat die ganze französische Oberklasse dominierte. An der Spitze der Citroen SM – von den Fans „Sa Majesté“ genannt –, der  als von Karossier Chapron gebauter Landaulet die Paraden von Präsident Valéry Giscard d’Estaing anführte.

Dahinter die göttlich-genialen DS-Limousinen mit bereits fast 20jähriger Dienstzeit. Für Frische sorgte der neue Citroen CX als designierter Nachfolger der DS. Eine Aufgabe, die das von Robert Opron entworfene skulpturale automobile Kunstwerk bravourös löste. Davon kündet die Zahl von rund 1,2 Millionen CX Limousinen und Kombis, die Citroen bis 1991 verkaufte – drei Mal so viel wie vom Nachfolger XM.

Der Citroen CX war ein zeitlos moderner Freigeist, mit dem sich die wohlhabende Bourgeoisie ebenso gern schmückte wie die Staatsführung der DDR oder eher ungepflegt wirkende Raubeine wie TV-Tatort-Kommissar Horst Schimanski.

Bis es soweit war, musste Citroen aber erst einmal eine Existenzkrise überwinden, zu der die immensen Entwicklungskosten des CX nicht unerheblich beigetragen hatten. An den Rand des Ruins hatte der geniale Automobilkonstrukteur André Citroen („Wenn eine Idee gut ist, ist kein Preis zu hoch") sein Unternehmen zwar bereits in den Anfangsjahren geführt. Die Situation vor 40 Jahren war aber doch außergewöhnlich dramatisch. Mitten in der Wirtschaftskrise der ersten Ölverknappung stand Citroen vor dem Aus.

Hohe Entwicklungskosten für den Kreiskolbenmotor, der auch für den CX angedacht war, sich jedoch als Irrweg erwies, die neuen Modelle SM, GS und CX und schließlich der Bau des hochmodernen, teilautomatisierten Werks Aulnay-sous-Bois für die Fertigung des CX hatten die Kasse so sehr geplündert, dass ein staatlicher Überbrückungskredit benötigt wurde. Bewilligt wurde dieser aber erst, als Erzrivale Peugeot das Ruder bei Citroen übernahm.

Zwei Jahre später ging Citroen endgültig im neu gegründeten Konzern PSA Peugeot Citroen auf – und der Überbrückungskredit konnte vorzeitig zurückgezahlt werden. So gut liefen die Geschäfte mit dem CX bereits. Tatsächlich war „Fahren wie Gott in Frankreich“ so populär wie einst mit der DS, die 1975 ihrem Nachfolger endgültig das Feld überließ.

Nicht nur in Deutschland, auch auf vielen anderen Exportmärkten konnte Citroen mit dem CX sogar Peugeot überholen und um den Rang des größten französischen Importeurs kämpfen.

Was machte den Citroen CX zum neuen Star auf Direktionsparkplätzen, vor Supermärkten, an Taxiständen und als Chauffeurlimousine auf der Avenue des Champs-Élysées? Es war die Fortschreibung der Faszination, mit der sich zuvor die DS-Modelle in die Geschichte von Technik, Kunst und Kultur eingeschrieben hatten.

Ein Talent, das europäischen CX-Konkurrenten wie Mercedes „Strich-Acht“ und BMW 5er, aber auch S-Klasse und BMW 7er fehlte. Nicht einmal Avantgardisten wie NSU Ro 80 und die großen Rover V8 der Serie „SD“ konnten hier mithalten.

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