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29.10.2015

07:59 Uhr

Citroën DS5 im Handelsblatt-Autotest

Der elegante Bedienungsextremist

VonFrank G. Heide, Florian Hückelheim

Anders zu sein als andere, das hat Tradition bei Citroën. So ist seit drei Jahren ein andersartiger Crossover das Flaggschiff der Marke DS. Sein Facelift ist ästhetisch. Aber im Alltag nervt der merkwürdige Monsieur.

Eine Prise Van, ein bisschen Kombi, dazu leichte SUV-Anleihen und eine schräg ablaufende Coupé-Dachlinie mit Spoilerlippe: Fertig ist der DS5. Die breiten Reifen und dicken Auspuffrohre versprechen aber optisch mehr Sport als technisch abrufbar ist. Frank G. Heide

Ungewöhnliche Optik als Alleinstellungsmerkmal.

Eine Prise Van, ein bisschen Kombi, dazu leichte SUV-Anleihen und eine schräg ablaufende Coupé-Dachlinie mit Spoilerlippe: Fertig ist der DS5. Die breiten Reifen und dicken Auspuffrohre versprechen aber optisch mehr Sport als technisch abrufbar ist.

DüsseldorfIm Inneren unseres nachtblauen Testwagens mit der eleganten Front-Chrom-Spange ist es schon bei Dämmerung zappenduster. Klein wirkende Seiten- und Dachfenster lassen nur spärlich Licht in den überwiegend schwarz ausgestatteten und braun bestuhlten Fahrgastraum. Dunkel getönte Scheiben hinten tun ein Übriges: VIPs bleiben hintendrin unerkannt von Paparazzi.

Bescheidenheit ist eine Tugend, und die beginnt beim Citroëns DS5 bei der Beleuchtung im Dachhimmel: Vier kaltweiße LEDs sollen beim Türöffnen für genügend Licht im gesamten Innenraum sorgen – was sie bei weitem nicht schaffen. Der Fahrer- und Beifahrerfußraum wird zwar zusätzlich beleuchtet, aber das hilft nicht wirklich, um sich zurechtzufinden.

Dabei hat das Designerstück alle Möglichkeiten, sein modernes Interieur ins rechte Licht zu setzen: Die hellen Leselampen für Fahrer und Beifahrer bleiben beispielsweise immer dunkel. Nur eines von vielen Detail, das uns im Alltag mit dem Citroën nervt.

Der rote Faden der Bescheidenheit führt den Fahrer weiter übers Armaturenbrett zur Mittelkonsole. Wo ist der Start-Knopf für den Motor? Zumindest nicht neben der Schlüsselfassung. Wo ist der Menüpunkt „Sync“, der eine gleichzeitige Temperatureinstellung beider Klimazonen erlaubt? Quel malheur, wir finden ihn nicht.

Wo ist die Pause-Taste im Touchscreen-Menü für die Medienwiedergabe? Sie bleibt verschwunden. Mon dieu, auch den USB-Anschluss haben die Franzosen erfolgreich verborgen, ein schwarzes Loch vor schwarzem Hintergrund im hintersten Winkel der Mittelkonsole.

Und, was anfangs am schlimmsten ist, warum ist nicht einmal die Fahrstufenskala am Wahlhebel beleuchtet? Sacre bleu, wie soll man so in der dunklen Tiefgarage erkennen, ob man den Rückwärtsgang drin hat? Erst mal gar nicht. Auch die Rückfahrkamera braucht so ihre Zeit, bis sie ein Bild anzeigt.

Dabei ist sie noch schnell im Vergleich zur Feststellbremse, die nach der automatischer Aktivierung der Berganfahrhilfe widerwillig und nach reichlich Abwägung die Hinterräder freigibt. Ein Kollege betätigt sie gleich mehrfach, weil sich angesichts der Wartezeit der Eindruck einer Fehlbedienung aufdrängte. Was dann zu noch längerer Wartezeit führt. Uns kommen Szenen eines cholerisch gestikulierenden Louis de Funès in den Sinn: „Was? Oooh! Wie? Neiiiin!“

Die wichtigsten Fragen

Alltagstauglich?

Mit kleinerem Lenkrad und Schaltern an den Stellen, wo man sie erwartet, wäre er alltagstauglich. Für die meisten Autofahreralltagsgegenstände finden sich im DS aber keine Ablagen. So bleibt er in erster Linie exotisch.

Das schönste Detail?

Die langgezogenen Frontscheinwerfer mit der dynamisch-eleganten Chromspange darüber.

Enttäuschend?

Sacre bleu! Immer wieder dieser Griff ins Leere, wenn man die Seitenscheibe ein wenig öffnen möchte. Die Schalter liegen in der Mittelkonsole. Und mein Kaffeebecher findet partout keinen Halt am dafür vorgesehen Platz.

Ist er`s wert?

Zu Preisen zwischen 32.000 und 45.000 Euro wohl nur für echte Markenliebhaber. Oder Menschen, die in erster Linie etwas anderes fahren möchten als die Masse.

Sound?

Unaufdringliches Motorgeräusch. Durchschnittlicher Stereoklang.

Wie grün ist das Auto?

Dank schnell reagierender Start-Stop-Automatik durchschnittlich. Im Durchschnitt schafften wir es im Test, rund zwei Liter pro 100 km über dem offiziellen Normverbrauch zu bleiben.

Vorbildlich?

Unaufgeregte Fahrer entspannen sich im Massagesitz, genießen drei Glasdächer und freuen sich über ungewöhnliches Crossover-Design jenseits der SUV-Bulligkeit.

Was sagt der Nachbar?

„Die alte DS, das war ein Auto!“

Wer guckt?

Wenige. Sehr wenige.

Wie fährt er sich?

Vom Flaggschiff der Marke, die einst die Hydropneumatik erfand, hatten wir mehr erwartet als gehobenen Durchschnittskomfort.

Wo gehört er hin?

In die Garage von Menschen, die auf Design abfahren. Es muss nicht unbedingt praktisch sein, Hauptsache chic.

Immerhin, wer die DS-Bedienung meistert, hat Spaß auf Kosten unbedarfter Mitfahrer. Der Unterhaltungswert ist für Eingeweihte groß, wenn sie Passagiere darum bitten, doch mal kurz die Scheibe neben sich herunterzulassen. Nach dem ersten Griff ins Leere an der Tür kreisen die suchenden Blick in immer größeren Radien um die Tür, ehe sie an der Mittelkonsole hängenbleiben. Aha, sie sind also da, wo Mercedes sie in den 80er Jahren hatte.

Möchte der Beifahrer sich, wie der Fahrer, den Rücken massieren lassen, so greift er enttäuscht ins Leere. Diese Funktion hat nur einer der beiden Vordersitze, für 590 Euro extra. Honi soit qui mal y pense.

Das künstlerisch verfremdete DS-Logo vorne können viele Betrachter gar nicht erst erkennen bzw. entziffern. Die umfangreiche Verchromung der Designelemente wertet das Crossover-Modell auf. Die weit in die Karosse hineingezogenen Scheinwerfer und die auffällige Chromspange darüber strecken die Linienführung. Frank G. Heide

Angedeuteter Powerdome auf der Motorhaube

Das künstlerisch verfremdete DS-Logo vorne können viele Betrachter gar nicht erst erkennen bzw. entziffern. Die umfangreiche Verchromung der Designelemente wertet das Crossover-Modell auf. Die weit in die Karosse hineingezogenen Scheinwerfer und die auffällige Chromspange darüber strecken die Linienführung.

Citroën zeigt mit der Anordnung und dem Design vieler Schalter, dass wir Autofahrer echte Gewohnheitstiere sind. Das beweist uns der DS5 auch mit der Sitzheizung, deren Schalter sich am Sitz selbst befindet und so unbeleuchtet im Dunkel bleibt wie die Fahrstufenskala. Hat man sie endlich gefunden, braucht sie eine kleine Ewigkeit, um aus dem Sitz auch nur den Ansatz einer wohlig warmen Sitzunterlage zu machen.
Doch wo so viel Schatten ist, muss auch Licht sein. Ungewöhnlich gut finden wir zum Beispiel, dass der Testwagen ein (optionales) Head-up-Display hat, das uns während der Fahrt die wichtigsten Funktionen auf eine kleine Kunststoffscheibe projiziert, ohne dass wir den Blick vom Verkehr abwenden müssen. Chapeau!

Doch dann das Déjà-vu: Der Bedienknopf fürs HUD liegt unter der Decke. Klar, in der unnötig breit ausfallenden Mittelkonsole war ja kein Platz mehr wegen der Fensterheber.

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