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22.05.2014

10:01 Uhr

Dacia Duster im Autotest

Alles eine Frage des Anspruchs

VonSebastian Schaal

Als „Anti-Statussymbol-Auto“ kämpft der Dacia Duster gegen die ausnahmslos teurere SUV-Konkurrenz. Ist auch das überarbeitete Modell nur ein Pfennigfuchser oder inzwischen ein Auto, mit dem man sich sehen lassen kann?

Alleine im vergangenen Jahr fanden 13.000 Duster in Deutschland einen Abnehmer. Sebastian Schaal

Alleine im vergangenen Jahr fanden 13.000 Duster in Deutschland einen Abnehmer.

Düsseldorf„Geht ja gar nicht!“, rufen die einen und drehen sich weg. „Interessant. Was kostet der denn?“, fragen die anderen und schauen sich dieses Auto genauer an. Das war 2010, als Dacia mit dem Duster einen wahren Preisbrecher in das modische SUV-Becken warf. Der Wagen mit viel schwarzem Plastik außenrum polarisierte, die rumänische Renault-Tochter legte in der Werbung nochmals ordentlich nach.

Der Slogan „Das Anti-Statussysmbol-Auto“ war eine selbstbewusste Spitze gegen die Konkurrenz, traf aber ganz offensichtlich den Nerv der Autokäufer: 400.000 verkaufte Duster in vier Jahren können nicht irren.

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum Dacia Duster

Alltagstauglich?

Bequem Platz für vier Erwachsene, dazu 440 Liter Kofferraum. Wer auf die beiden Rückbank-Passagiere verzichtet, bekommt sogar bis zu 1.636 Liter in den Duster. Und das bei Innenstadt-freundlichen 4,31 Metern Außenlänge. Die Übersicht über den Verkehr ist dank erhöhter Sitzposition gut, doch beim Einparken lässt sich das Ende der Motorhaube leider nur schwer einschätzen – Parksensoren gibt es allerdings nur hinten, und auch die nur gegen Aufpreis.

Das schönste Detail?

Der Drehzahlmesser, auch wenn ihn manche für eine Schwäche halten: Egal für welchen Motor sich der Kunde entscheidet, Dacia verbaut immer denselben Drehzahlmesser. Soll heißen, selbst in unserem Diesel mit einer Höchstdrehzahl von 5.000 reicht die Skalierung bis 7.000. Eine einfache Idee, die Geld spart und in der Praxis keinerlei schwerwiegende Nachteile bringt.

Enttäuschend?

Gegen viel Hartplastik sagt in so einem preiswerten Auto niemand etwas. Wie klapprig allerdings manche Teile wie etwa die Mittelarmlehne vorne ausfallen, darf allerdings selbst in einem Dacia nicht sein. Auch die vielen kleinen Fehler, etwa Cupholder, in die keine 0,5-Liter-Flaschen passen, trüben das Bild.

Ist er's wert?

Wer einen günstigen SUV sucht, kommt am Duster kaum vorbei. Sowohl bei den sehr günstigen Einstiegs-Varianten als auch den höheren Ausstattungen wie bei unserem Testwagen stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Sound?

Der Vierzylinder brummt gut hörbar vor sich hin, läuft aber auch nach einem Kaltstart tadellos rund. Die Geräuschdämmung könnte besser sein, der sehr kurze erste Gang lässt den Motor beim Anfahren oft aufheulen.

Wie grün ist das Auto?

Den Normwert von 5,2 Litern können Sie vergessen. Zwei Liter mehr werden es mindestens, eher drei. Und Verbräuche von acht Litern schaffen heute auch Autos mit 300 PS. Da muss Dacia nachbessern.

Vorbildlich?

Die Aufpreispolitik. Sie besteht nicht nur aus vorgegebenen Paketen, der Kunde kann auch mit Einzeloptionen seinen Wagen individuell zusammenstellen – ohne, dass der Preis dabei gleich in astronomische Höhen schnellt. In der Top-Ausstattung Prestige (ab 14.390 Euro mit dem 105-PS-Benziner) ist nahezu alles drin, was das Herz begehrt. Sogar das Navi.

Was sagt der Nachbar?

„Und was ist daran jetzt neu? Sieht doch genauso aus wie alle anderen Duster, die hier rumfahren.“

Wer guckt?

Niemand. Selbst Fahrer älterer Duster erkennen den Neuen nicht. 

Wie fährt er sich?

Im Gegensatz zu vielen SUV-Wettbewerbern verzichtet der Duster fast vollkommen auf das „S“. Sport ist Fehlanzeige, was sowohl an den etwas schwachbrüstigen Motoren als auch am weichen und eher komfort-orientierten Fahrwerk liegt.

Wo gehört er hin?

In der 4x4-Version auf das Land, wenn es ab und zu auch mal über Wiesen oder schlechte Feldwege geht. In der Variante mit Frontantrieb gibt der Duster einen veritablen Allrounder ab, allerdings mit Schwächen auf der Langstrecke.

Doch auch im preisbewussten Segment gilt der alte Spruch von Stillstand und Rückschritt, deshalb hat Dacia seinem einzigen Allrad-Modell nach vier Jahren Bauzeit eine kleine Schönheitskur gegönnt – und sich dabei von dem einstigen Leitspruch etwas entfernt.

Es ist wirklich Chrom im neuen Waben-Kühlergrill, der uns da entgegenglänzt. Auch das modern und fesch gestaltete Innenleben der Scheinwerfer zeigt, dass sich hier jemand Gedanken um den optischen Auftritt des Dusters gemacht hat. Nach dem vollkommen pragmatischen Anti-Statussymbol-Auto, das nur fahren können musste, sieht das nicht mehr aus.

Nicht umsonst hat Dacia den Werbeslogan geändert, jetzt ist von „Deutschlands günstigstem SUV“ die Rede. Der Grundpreis von 10.490 Euro schlägt sogar noch den russischen Beitrag Lada Taiga (ab 11.250 Euro), wobei der Lada auch eher Geländewagen als SUV ist.

Zurück zum Duster. Nach der kleinen Überraschung an der Front wandern die Blicke an der Seite des Wagens entlang und entdecken einen weiteren Beleg dafür, dass der überarbeitete Duster doch etwas mehr auf sein Aussehen und seinen Status achtet: die neuen Seitenschweller. Die Anbau-Teile in Alu-Optik wirken geradezu sportlich, als wollten sie dem Duster ein paar Muskeln verleihen.

Schade nur, dass dieser optische Blender einen handfesten Nachteil bringt: An den ausladenden Schwellern streifen beim Ein- und Aussteigen gerne die Hosenbeine entlang – nicht gerade die sauberste Angelegenheit. Der Spruch „Wer schön sein will, muss leiden“ galt bislang eher wohl für Fahrer, die sich zum Flanieren in der Stadt in ihre brettharten und tiefen Sportwagen schlängeln mussten. Nun offenbar auch für die Piloten eines Dacia Dusters.

Der überarbeitete Duster achtet auf sein Äußeres. Ja, es gibt jetzt wirklich Chrom-Optik im Kühlergrill. Sebastian Schaal

Der überarbeitete Duster achtet auf sein Äußeres. Ja, es gibt jetzt wirklich Chrom-Optik im Kühlergrill.

So ein unnötiger Schweller mag eine vernachlässigbare Kleinigkeit sein, doch sie ist eine von vielen Kleinigkeiten, die im Duster – speziell im Innenraum – auffallen. Was jetzt folgt, mag nach einer langen Mängelliste klingen. Doch bei jedem Detail kommt es auf den eigenen Anspruch an, ob man damit leben will oder nicht.

Kommentare (4)

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22.05.2014, 17:41 Uhr

Vielen Dank für den insgesamt objektiven Artikel. Wenn man ins Detail geht, sieht es allerdings etwas anders aus. Beispiele: Die Seitenschweller sind - anders, als vom Verfasser des Artikels angenommen - keine Neuheit. Die hat der Duster bereits von Beginn an (seit 2010). Beim allradgetriebenen Duster fährt man (wie der Betriebsanleitung zu entnehmen ist) normalerweise im 2. Gang an, so dass es im Alltagsbetrieb deswegen nicht zum Aufheulen des Motors kommt. Der von Ihnen angegebene Verbrauch ist nur bei schneller Autobahnfahrt zu erreichen. Bewegt man den Duster in seinem natürlichen Umfeld (abseits der Autobahn) ist der Verbrauch deutlich niedriger. Dass der Einstellknopf dort ist, wo er ist, macht durchaus Sinn. Der Normalnutzer stellt schließlich den Außenspiegel nur sehr selten ein und damit das Fahrzeug nicht davonrollt, muss er die Handbremse anziehen, um den Spiegel verstellen zu können. Mir erscheint das sehr durchdacht.

Account gelöscht!

23.05.2014, 14:08 Uhr

Wer bedankt sich in Leserkommentaren für einen "ingesamt objektiven Artikel"? Wenn Sie schon von der Dacia-PR-Abteilung sind, dann sagen Sie es doch auch offen ;-)

PS: Tempo 130 (wie im Artikel geschrieben) würde ich jetzt nicht als schnelle Autobahnfahrt bezeichnen....

Account gelöscht!

23.05.2014, 18:30 Uhr

Entgegen Ihrer Annahme habe ich mit Dacia überhaupt nichts zu tun. Ich habe mich mit diesem Fahrzeug lediglich intensiv befasst, bevor ich mir selbst eines bestellt habe. Der Duster war ursprünglich für Länder mit ganz anderen Straßenverhältnissen gedacht, als bei uns. Der normale Dusterfahrer (insbesondere des 4x4) fährt nur selten und kurze Strecken auf der Autobahn. Er weiß die anderen Stärken des Duster zu schätzen. Da kratzt ihn der durch den hohen Luftwiderstand bedingte relativ hohe Verbrauch auf der Autobahn wenig. Übrigens: Derselbe Motor läuft auch in Fahrzeugen von Mercedes Benz. Dort gilt er dann als sparsam.

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