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17.01.2007

14:30 Uhr

Datenaustauch zwischen einzelnen Fahrzeugen

Zur Sicherheit: Direkter Draht zum Vordermann

Geht es nach Timo Kosch, sind Autofahrer künftig vor vielen Gefahren gefeit. Egal, ob Nebelbank, Glätte oder Autopanne: "Noch bevor der Fahrer das selbst sehen kann, wird ihn sein Auto schon gewarnt haben", sagt der BMW-Forscher.

Car-to-Car-Kommunikation dpa

Gefahren-Warnung dank Car-to-Car-Kommunikation. (Bild: Daimler-Chrysler/dpa/gms)

dpa/gms MÜNCHEN/RüSSELSHEIM. "Möglich werden solche Funktionen durch den Datenaustausch zwischen einzelnen Fahrzeugen", beschreibt der Mitarbeiter aus dem Bereich IT Drive bei BMW in München ein System, das Autohersteller derzeit unter dem Stichwort "Car to Car Kommunikation" aufzubauen versuchen.

Schon jetzt können einzelne Fahrzeuge viel aus ihrer Umgebung wahrnehmen und über ihre Assistenzsysteme an den Fahrer weitergeben. Doch weiter als der Radarsensor des Abstandsregeltempomaten oder die Infrarotkamera des Nachtsichtsystems sieht ein Auto noch nicht. Deshalb wollen sich die Entwickler die Sensoren vorausfahrender Autos zu Nutze machen und deren Informationen an nachfolgende weitergeben.

Die Einsatzmöglichkeiten sind nach Angaben von General Motors in Rüsselsheim weitreichend: Wenn der Vordermann eine Vollbremsung macht oder der Hintermann zu dicht auffährt, wenn hinter der Kurve ein Pannenfahrzeug steht, wenn man beim Überholen ein Auto im toten Winkel übersehen hat oder falls sich an der Kreuzung ein Auto auf Kollisionskurs nähert: das alles könne ein elektronisches Netzwerk an den Fahrer weitergeben, sagt GM-Forscher Hans-Georg Frischkorn.

Technisch setzen die Forscher laut Frischkorn auf bewährte Komponenten aus dem Fahrzeug und der Welt der Computer: So liefert das GPS-System die Positionsdaten, Licht- und Regensensor und der Bordcomputer ermitteln das Wetter, und anhand der ESP-Signale lassen sich Rückschlüsse auf die Fahrbahnbeschaffenheit ziehen. Zur Übertragung arbeiten die Experten an W-LAN-Netzwerken, wie sie Laptop-Besitzer auch im Wohnzimmer beim Surfen im Internet einsetzen.

"Die Technik ist im Prinzip die gleiche", sagt BMW-Experte Kosch. "Allerdings müssen unsere Netze sich in wenigen Sekundenbruchteilen von selbst aufbauen und absolut sicher gegen Hacker sein." Die Reichweite eines solchen Funknetzes gibt Mercedes in Stuttgart mit etwa 500 Metern an. "Müssen größere Distanzen überbrückt werden, müssen entsprechende Autos als Vermittler dienen und die Nachricht wie einen Staffelstab weitergeben", erläutert ein Mercedes-Sprecher.

Die neue Technik ermöglicht aber nicht nur die Kommunikation mit anderen Autos, sondern auch mit der Infrastruktur. Verkehrsleitstellen könnten aktuelle Daten zum Straßenzustand und zur Verkehrsdichte erhalten, sagt Bernd Rech aus der Forschung von Volkswagen in Wolfsburg. Ampelkreuzungen funken kurz vor Ende der Rotphase ein Startsignal an die stehenden Autos. Und wer nachts an eine rote Ampel heranfährt, könnte ohne Wartezeit und Kontaktschleife auf Grün hoffen, wenn von links und rechts sonst niemand kommt.

Bevor aber ein direkter Draht zum Vordermann hergestellt werden kann, müssen die in verschiedenen Konsortien zusammengeschlossenen Hersteller nicht nur technische Hürden nehmen, Standards festlegen und entsprechende Funkfrequenzen zugeteilt bekommen. Sie müssen laut Timo Kosch vor allem eine gewissen Anzahl an Systemen auf die Straße bringen. "Denn natürlich macht diese Technik nur Sinn, wenn genügend Fahrzeuge Informationen sammeln, weitergeben und verarbeiten können."

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