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12.07.2013

12:54 Uhr

Der Daihatsu Cuore als Gebrauchter

Ein treues Herz, - ausrangiert aber zuverlässig

Quelle:dpa

Der Cuore ist in Europa nur noch als Gebrauchtwagen zu haben. Gerade jüngere Exemplare des Wagens sind zu empfehlen. Besonders der niedrige Verbrauch überzeugt.

Für den Daihatsu Cuore hat der ADAC viel Lob übrig - vor allem jüngere Exemplare blieben selten liegen. PR

Für den Daihatsu Cuore hat der ADAC viel Lob übrig - vor allem jüngere Exemplare blieben selten liegen.

BerlinSeit Januar ist Schluss: Die japanischen Marke Daihatsu verkauft in ganz Europa keine Neuwagen mehr. Viele Fahrzeuge hat der zur Toyota-Gruppe gehörende Hersteller auf diesem Kontinent ohnehin nie abgesetzt. Auch in den Gebrauchtwagenbörsen gehen die Modelle mit Namen wie Copen, Materia oder Sirion in der Masse des Angebots eher unter. Eines der Kernmodelle war vom mangelnden Bekanntheitsgrad der Marke hierzulande ebenfalls betroffen: der Cuore (Italienisch: Herz). Dabei handelt es sich bei dem Kleinwagen laut dem ADAC durchaus um ein sehr zuverlässiges Auto.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Exemplaren ab 2003 attestiert der Münchner Automobilclub gute Qualität, gerade die Jüngeren hätten fast keine Pannen. Recht starker Verschleiß - zum Beispiel der Bremsbeläge - sei schon eher ein Problem, da das Dreieinhalb-Meter-Auto oft als Stadtwagen genutzt werde. Gebrauchtwagenkäufer sollten außerdem auf Rost achten.

Bei Exemplaren bis Baujahr 2002 verzeichnet der ADAC viele Kupplungsschäden. Andere typische Mängel des Cuore seien marode Kraftstoffleitungen und undichte Wärmetauscher in der Klimaanlage. Wegen möglicher Probleme mit der elektrischen Lenkunterstützung rief Daihatsu 2010 Fahrzeuge aus den Baujahren 2007 bis 2009 zurück.

Der Cuore hat eine lange Tradition: In Europa erschien der erste Daihatsu mit dieser Modellbezeichnung 1981. In den Folgejahren gab es mehrere Modellwechsel, darunter 1999 und 2003. Vor dem jüngsten Generationenwechsel 2007 gab es 2005 eine Modellpflege.

Mit Blick auf die Motorisierungen ist vor allem der niedrige Verbrauch zu erwähnen: Der Cuore belegte immer wieder sehr gute Plätze im Umweltranking des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Seit vielen Jahren fährt der Kleinwagen ausschließlich mit Dreizylinder-Benzinern, die aus knapp unter einem Liter Hubraum 41 kW/55 PS bis 51 kW/70 PS schöpfen.

2.150 Euro - diesen Richtpreis gibt die Schwacke-Liste für den günstigsten Daihatsu Cuore aus dem Baujahr 2003 an. Dabei handelt es sich um die Ausführung 1.0 Plus mit 43 kW/58 PS. Als durchschnittliche Laufleistung sollte ein Exemplar zu diesem Preis nicht viel mehr als 97.500 Kilometer hinter sich haben.

Für einen Cuore Top mit 51 kW/70 PS von 2007 werden laut Schwacke noch rund 4.500 Euro fällig (Laufleistung: 61.500 Kilometer). Für einen gleich starken Cuore Pur von 2011 sollten Interessenten demnach noch um die 6.300 Euro einplanen (25.000 Kilometer).

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