Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.10.2016

10:27 Uhr

Der Honda Accord als Gebrauchter

Solide, aber selten

Quelle:dpa

Den Namen Accord verwendet Honda seit 1976 für sein Mittelklassemodell. Doch seit Ende vergangenen Jahres verkaufen die Japaner das Auto nicht mehr in Europa. So ist der Schriftzug am rollenden Blech hierzulande immer seltener zu lesen.

Vor allem die jüngeren Modelle zählen Prüfexperten zufolge zu den solidesten und zuverlässigsten Autos in der Mittelklasse. PR

Honda Accord

Vor allem die jüngeren Modelle zählen Prüfexperten zufolge zu den solidesten und zuverlässigsten Autos in der Mittelklasse.

Die Präsenz des japanischen Mittelklassemodells auf deutschen Straßen bewegte sich schon auf niedrigem Niveau, bevor Audi 2015 den Wagen aus dem europäischen Verkaufsprogramm strich. Dabei sammelte der Accord auf technischer Seite überwiegend gute Noten.

„Zuverlässigkeit im Akkord”, überschreibt etwa der „TÜV Report 2016” das Kapitel zum Accord. Zu den wenigen Problemen, die vor allem Fahrer von betagten Modellen ab einem Alter von sieben Jahren zu schultern haben, gehören streikende Beleuchtung vorn, mangelhafte Bremsscheiben oder gelegentlich undichte Auspuffrohre.

Bei den elfjährigen kommen überdurchschnittlich oft durchgeschlagene Achsgelenke und Federbrüche hinzu. Im Kern, und das gilt vor allem für die jüngeren Modelle, ist der Accord laut Report „eines der solidesten und zuverlässigsten Autos in der Mittelklasse”.

So selten auf der Straße, kommt der Accord auch in der ADAC-Pannenstatistik nicht vor, die eine Mindestzahl an zugelassenen Exemplaren vorsieht. Seine Erfahrungen hat der Club dennoch dokumentiert. An den geringen Pannen-Zahlen sei erkennbar, „dass er sehr zuverlässig ist”, teilt der ADAC mit. Häufungen ergaben sich demnach lediglich bei defekten Anlassern der Baujahre 2003 und 2004, kaputten Generatoren (2002 bis 2003) oder fehlerhaften Ladedruckregelungen (Diesel 2009 bis 2010).

Zwei Rückrufe gab es. Der eine im Januar 2016 lief aufgrund eines möglichen Verletzungsrisikos beim Zünden der Airbags des Zulieferers Takata. Der andere behob einen Softwarefehler in der Motorsteuerung (Juli 2011). Betroffen waren 3400 respektive 3000 Autos.

In den USA oder Japan gibt es den Accord noch als Neuwagen. In Europa muss der Käufer sich mit Ausnahme von absolut seltenen Importmodellen mit Gebrauchten begnügen. Häufige Vertreter entstammen der siebten, von 2002 bis 2008 angebotenen Generation oder der Nachfolgerauflage.

Nummer sieben erhielt 2006 eine Modellpflege, die Limousine und dem Kombi Tourer eine modifizierte Optik und ein Sechsgang-Getriebe für den 2.2i-CTDi brachte. Die Ausläuferauflage fährt immer mit ESP, das Facelift von 2011 brachte vor allem sparsamere Motoren.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Für den europäischen Markt setzte Honda schon sehr früh auf vier Zylinder unter der Motorhaube, V6 waren Märkten wie den USA vorbehalten. Die Benziner decken ab der 2002 eingeführten siebten Generation 155 bis 201 PS ab. Die Diesel leisten von 140 bis 180 PS.

Auf dem Gebrauchtmarkt ist ein recht alter Tourer-Diesel von 2007, etwa der 2.2i-CDTi Sport mit 140 PS, laut Schwacke-Liste für durchschnittlich 5500 Euro zu ergattern. Für solche Autos werden 169.700 Kilometer an Laufleistung angegeben.

Noch um die 18.550 Euro müssen für einen Accord 2.0 Elegance als 156 PS starke Limousine von 2015 eingeplant werden (21.950 Kilometer). Preislich in der Mitte liegt das gleiche Auto, wenn es von 2011 stammt. Schwacke gibt dafür einen Richtwert von 11.950 Euro (72.200 Kilometer) an.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peter Insam

26.10.2016, 13:07 Uhr

Bevor "Audi" 2015 das Modell aus dem Produktionsprogramm strich?
Das zeigt mal wieder wie deutschorientiert man bei den Automobilen hierzulande ist. Genügt es nicht schon, dass in Autotests deutsche Produkte generell überbewertet und teilweise völlig ungerechtfertigt Vergleichstests gewinnen? Der Accord wird übrigens weiterhin gebaut und verkauft...nur nicht in Deutschland.

Account gelöscht!

31.10.2016, 17:36 Uhr

Bin nur 2x im Jahr in der Domstadt. Im Frühjahr zur FIBO, da der Kolibri als Sportwissenschaftlerin nach dem Uniabschluss als meine persönliche Fitnesstrainerin und Ernährungscoach arbeiten wird, und wir uns dort weitergehende Expertise holen. Und im Sommer zu den Kölner Lichter wegen des geilen Feuerwerks am Rhein. Außerdem hatte ich mal dort eine City-Immobilie im Townhaus-Stil, die ich aber dieses Jahr verkauft habe.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×