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06.04.2013

12:57 Uhr

Der Honda Jazz als Gebrauchter

Im Trend, - und doch untypisch

Quelle:dpa

Der Honda Jazz steht beispielhaft für einen Trend im Autobau: Kleinwagen werden immer erwachsener. Allerdings haben gerade jüngere Modelle einige ärgerliche Schwächen bei der Elektrik.

Die europäischen Hondas kommen aus dem britischen Swindon, so erklärt sich auch das britische Kennzeichen auf den meisten Pressefotos des Herstellers. Wie bei diesem 2009er Jazz mit Rechtslenker. PR

Die europäischen Hondas kommen aus dem britischen Swindon, so erklärt sich auch das britische Kennzeichen auf den meisten Pressefotos des Herstellers. Wie bei diesem 2009er Jazz mit Rechtslenker.

BerlinHonda ist der größte Motorenhersteller der Welt. Das Programm der Japaner umfasst neben Automobilen und Motorrädern aller Arten und Hubraumklassen auch Industriegeräte wie Aggregate und Stationärmotoren, Garten- und Flurpflegegeräte, ATVs und Quads sowie Außenbordmotoren und Schlauchboote. In Deutschland ist das Unternehmen zwar schon 52 Jahre vertreten, aber sehr lange hat der Hersteller den Kleinwagenmarkt der Konkurrenz überlassen. Es dauerte bis 2002, bis Honda in Deutschland einen Kleinwagen anbot. Und der "Jazz" gilt heute noch als vielseitiger kleiner Stadtflitzer.

Aufgrund des steigenden Platzangebots und Fortschritten bei der Sicherheitstechnik genügen Kleinwagen so manchem Halter inzwischen als Erstfahrzeug. Diese Entwicklung hat auch der Jazz mitgemacht - der technische Reifeprozess verlief bei dem Japaner hingegen untypisch: Laut dem ADAC sind vor allem jüngere Fahrzeuge pannenanfällig. Nach Erkenntnissen des Automobilclubs versagten bei Exemplaren der Baujahre 2009 bis 2011 oft Zündanlagen und -kerzen. Sehr häufig gebe es auch Batterieprobleme durch Defekte an den Innenbeleuchtungsschaltern.

Mit Blick auf die Platzierungen des Honda Jazz in der ADAC-Pannenstatistik stellt der Club fest: "Anfangs ein sehr zuverlässiges Fahrzeug. Später wegen der Elektrikprobleme stark abgefallen." Bei der Kfz-Hauptuntersuchung fällt die aktuelle Modellgeneration dem «TÜV Report 2013» zufolge hauptsächlich mit verschlissenen Bremsscheiben auf.

Die Bremsleitungen neigen demnach ab einem Alter von fünf Jahren zu Rost. Beim Vorgängermodell sind aussetzende Benzinpumpen aufgrund durchgebrannter Sicherungen das Hauptmanko. Insgesamt aber weise der Jazz weit weniger Mängel als das Durchschnittsauto auf, berichtet der TÜV.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

1984 kam der erste Honda Jazz auf den Markt. Dies war ein typischer Kleinwagen für seine Zeit: kastenförmig gezeichnet, mit zwei Türen. Dieser Vorbote wurde in Deutschland allerdings nur zwei Jahre lang angeboten. 2002 schlugen die Japaner ein neues Kapitel auf: Sie präsentierten einen Viertürer mit steilem Heck als Voraussetzung für vergleichsweise viel Stauraum. Die seit 2008 angebotene dritte Generation ist serienmäßig mit einem Schleuderschutz ausgestattet. Außerdem baut Honda seitdem eine flexible hintere Sitzreihe ein, die umgeklappt eine für die Kleinwagenklasse recht lange und hohe Ladefläche freigibt.

Zuletzt gab es zum Frühjahr 2011 eine Modellpflege für den Jazz. Bei der Motorenpalette zeigt sich Honda weniger flexibel als beim Innenraumkonzept, hat dafür aber seit 2011 einen 65 kW/88 PS starken Hybriden im Programm. Die Vierzylinder-Benziner der zweiten Generation mit 1,2 und 1,4 Litern Hubraum leisten 57 kW/78 PS und 61 kW/83 PS. Die in Sachen Effizienz und Schadstoffausstoß verbesserten Ottomotoren der aktuellen Auflage kommen auf 66 kW/90 PS und 73 kW/100 PS. Diesel gibt es keine.

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Augen zu und durch

Ein Auto, das seit 1972 gebaut wird, sich weltweit millionenfach verkauft, und mit einer sparsamen Maschine des weltgrößten Motorenbauers ausgestattet ist. Was soll da noch schief gehen? Zum Beispiel das Design!

Wer auf dem Gebrauchtwagenmarkt nach einem der eher seltenen Hybride sucht, sollte für ein Exemplar vom Baujahr 2011 laut der Schwacke-Liste mindestens um die 13.850 Euro einplanen. Im Fall des Jazz 1.3 DSi i-VTEC IMA CVT Comfort gehen die Preis-Experten von 23.000 Kilometern Laufleistung aus.

Ein konventioneller Benziner von 2008 wie der Jazz 1.4 i-VTEC Exclusive mit 73 kW/100 PS kostet noch rund 9.750 Euro (59.000 Kilometer). Aber auch schon für etwa 2.850 Euro sollte der kleine Japaner zu haben sein: Diesen Richtpreis nennt Schwacke für einen Jazz 1.4 S mit 61 kW/83 PS aus zweiter Generation (131.000 Kilometer).

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