Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.09.2012

08:41 Uhr

Der Hyundai Getz als Gebrauchter

Ein Auto für Nüchterne

Quelle:dpa

Den Hyundai Getz gibt es nicht mehr als Neuwagen zu kaufen – seine Produktion wurde vor drei Jahren eingestellt. Als Gebrauchter macht der Wagen jedoch eine gute Figur.

Gebrauchtwagen-Tipp für kühl Kalkulierende: der als Neuwagen 2009 eingestellte Hyundai Getz. Pressefoto

Gebrauchtwagen-Tipp für kühl Kalkulierende: der als Neuwagen 2009 eingestellte Hyundai Getz.

BerlinGebrauchtwagenkäufer mit einem Hang zum Nüchternen ist manches egal. Zum Beispiel, dass das Auto optisch den Nerv der Zeit trifft, oder ob es das Modell überhaupt noch gibt. So gesehen stellt der 2009 eingestellte und auch beim Design etwas in die Jahre gekommene Hyundai Getz kein Hindernis dar. Und das Wichtigste: viele Mängel hat der Kleinwagen, den es für vergleichsweise wenig Geld gibt, nach einer Einschätzung des TÜV nicht: „Der Getz wirkt solide und überwiegend problemlos.“

Bemerkenswert ist, was der TÜV in seinem „TÜV Report 2012“ schreibt: „Jüngere Exemplare schneiden oft schlechter ab als die etwas betagteren.“ Das gilt allerdings nicht für Korrosion, die bei dem als Drei- und Fünftürer gebauten Wagen erst ab einem Alter von sieben Jahren ein Rolle spielt. Rost setzt dann typischerweise an Kabelsteckern an, was zu Problemen mit der Elektrik führt.

Zu den Schwächen des Getz zählen auch eine recht schwache Fußbremse sowie überdurchschnittlicher Ölverlust. Bis zum Baujahr 2006 registrierte der ADAC zudem defekte Kupplungen und entladene Batterien.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Als der Schrägheckwagen 2002 erstmals angeboten wurde, galt sein Design durchaus noch als frisch. Vor allem im Vergleich zu den bisherigen Fahrzeugen der Koreaner stand der Getz fast schon für einen Neuanfang in Europa. Das Facelift von 2005 brachte dem recht weich abgestimmten Wagen neben einer neu gestalteten Frontpartie vor allem erstmals ein ESP, wenn auch nur als Option. 2006 wurde der Getz Cross im Offroad-Look eingeführt. 2009 folgte dem Getz der i20.

Als Motorisierung empfiehlt der TÜV den laufruhigeren Diesel mit vier Zylindern und 65 kW/88 PS, der 2005 den 60 kW/82 PS starken Dreizylinder ablöste. Rußfilter bot Hyundai für die Selbstzünder allerdings nicht an, so der TÜV weiter. Die Benziner seien recht zäh, das gelte speziell für die Automatikversion, deren 1,6-Liter-Aggregat außerdem ziemlich viel Lärm mache. Je nach Baujahr leisten die Ottomotoren zwischen 40 kW/63 PS und 78 kW/106 PS.

Günstigste Ausführung des Getz auf dem Gebrauchtwagenmarkt dürfte der 1,1-Liter-Benziner von 2002 mit 46 kW/63 PS sein: In der Schwacke-Liste wird das Einstiegsmodell für 2300 Euro geführt - bei einer durchschnittlichen Laufleistung von 123 000 Kilometern. Ein jüngeres Exemplar wie der Getz 1.6 GLS mit 78 kW/106 PS von 2009 mit 39 000 Kilometern auf dem Tacho sollte demnach für 8250 Euro zu bekommen sein. Ein Diesel aus dem gleichen Jahr kostet laut Schwacke um die 5950 Euro. Diesen Preis nennen die Marktbeobachter für den Getz 1.5 CRDi VGT GLS mit 65 kW/88 PS und 60 300 Kilometern Laufleistung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×