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22.11.2013

09:23 Uhr

Der Kia Picanto als Gebrauchter

In die Jahre gekommen

Quelle:dpa

Auch aus zweiter Hand nicht erste Wahl: Der Kia Picanto galt zunächst als praktisches Stadtauto - erwies sich aber als eher unzuverlässiger Begleiter. In der Pannenstatistik belegt der Koreaner meist hintere Plätze.

Macht öfter mal Ärger: Der Kia Picanto ist laut ADAC und TÜV aus zweiter Hand nicht die erste Wahl. dpa

Macht öfter mal Ärger: Der Kia Picanto ist laut ADAC und TÜV aus zweiter Hand nicht die erste Wahl.

BerlinViele schätzen den Kia Picanto wegen seiner kompakten Abmessungen als praktisches Stadtauto. Innen bietet der koreanische Kleinstwagen recht viel Platz - allerdings auf Kosten des Kofferraumvolumens. Als das Modell 2004 auf den Markt kam, erhielt er von Autotestern überwiegend anerkennende Noten. Nach einigen Jahren auf dem Markt fällt das Urteil von Experten nicht mehr so gut aus: Verschleiß und Pannen machen den Kia Picanto zu einem eher unzuverlässigen Begleiter.

"Lust und Frust liegen eng zusammen", heißt es im "TÜV-Report 2013". Bei der Kfz-Hauptuntersuchung fällt der Picanto häufig mit Mängeln an Bremsanlage und Endschalldämpfer auf. Defekte an der Beleuchtung kommen laut dem TÜV doppelt so häufig vor wie im Durchschnitt - sowohl innen als auch außen. Das Fahrwerk sei hingegen solide.

In der Pannenstatistik der ADAC liegt der Picanto meist auf den hinteren Plätzen. «Die Zuverlässigkeit des koreanischen Kleinwagens ist eher durchschnittlich», attestiert der Autoclub dem Modell. Defekte hatten vor allem die Zahnriemen und Wegfahrsperren (2004 und 2005) sowie die Generatoren (2007). Sehr häufig blieb der Wagen auch wegen kaputter Batterien liegen.

Die Kia Picanto kam 2004 als besonders günstiger Kleinstwagen auf den deutschen Markt, 2007 und 2009 erhielt er jeweils ein Facelift. 2011 folgte die zweite Modellgeneration als Drei- und Fünftürer.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Die Antriebspalette des Picanto ist sehr überschaubar: Die erste Generation wurde als Benziner mit 48 kW/65 PS, als gleich starkes Autogasmodell oder mit 55 kW/75 PS starkem Diesel ausgeliefert. Die aktuelle Auflage gibt es nicht mehr mit Selbstzünder, die Ottomotoren kommen auf 51 kW/69 PS oder 63 KW/85 PS, die Autogasversion leistet 60 kW/82 PS.

Auf dem Gebrauchtwagenmarkt müsste ein Kia Picanto 1.1 EX von 2007 mit 48 kW/65 PS starkem Benziner für etwa 4.550 Euro zu bekommen sein. Diesen Richtpreis nennt der Branchendienst Schwacke bei einer Laufleistung von durchschnittlich 64.500 Kilometern.

Der Picanto 1.1 LPG Vision - die Autogasvariante mit 48 kW/65 PS - vom Baujahr 2009 kostet demnach noch um die 5.550 Euro (46.500 Kilometer). Für einen relativ jungen Picanto 1.2 Spirit von 2012 mit 63 kW/85 PS werden noch rund 9.000 Euro fällig (17.800 Kilometer).

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