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13.01.2015

12:37 Uhr

Der Volvo C30 als Gebrauchter

Schöngeist mit solider Technik

Quelle:dpa

Er war immer ein Sonderling. In der Kompaktklasse dominiert schließlich Vernunftware. Der Volvo C30 kann kaum mit praktischen Qualitäten aufwarten. Seinen Charme verdankt er vor allem seinem anspruchsvollen Design.

Der Volvo C30 ist zwar unpraktisch, aber recht zuverlässig. dpa

Der Volvo C30 ist zwar unpraktisch, aber recht zuverlässig.

BerlinDer Kofferraum des C30 ist klein, die Rückbank bietet ebenfalls kaum Platz, und günstig war er auch nicht. Als Gebrauchtwagen aber kann er sich durchaus sehen lassen - nicht nur optisch. Wobei es laut dem «TÜV Report 2014» durchaus gewisse Schwachpunkte gibt. So fallen bei der zweiten Hauptuntersuchung (HU) die Federn und die Dämpfer öfter negativ auf als beim Durchschnitt.

Recht regelmäßig macht auch die Beleuchtung Ärger, allerdings schon bei der ersten HU. Und bei der Abgasuntersuchung fällt der kleine Schwede auch zu oft durch. Motorseitig moniert der «TÜV Report 2014» die Turbolader der kleinen Dieselmotoren und die Injektoren der Fünfzylinder-Motoren. Vor allem ersteres könne sehr teuer werden.

Der ADAC erlaubt sich beim Volvo C30 kein umfassendes Urteil über die Pannensicherheit - wegen der geringen Stückzahlen, in denen der C30 verkauft wurde. Entladene Batterien kommen vor, und bei den Dieseln der Baujahre 2006 bis 2007 scheinen auch die Lichtmaschinen anfällig zu sein. Bis 2008 machten verstopfte Dieselpartikelfilter gelegentlich Ärger.

Zwischen 2006 und 2012 baute Volvo den C30 und nahm damit Bezug auf den 480 und stylistisch auf den legendären P 1800 der 60er-Jahre, den sogenannten «Schneewittchensarg». Trotz des schicken Designs mit der gläsernen Heckklappe konnte der C30 aber nicht allzu viele Käufer für sich überzeugen.

Mit einem Kofferraumvolumen von 251 bis 894 Litern und nur zwei Einzelsitzen im Fond war er einfach nicht praktisch genug. In puncto Komfort und Design gefällt der C30 aber noch heute.

Der kleinste Benziner des Volvo-Coupés ist ein 1,6-Liter-Aggregat mit 74 kW/100 PS, der größte schöpft üppige 169 kW/230 PS aus 2,5 Litern Hubraum, die sich auf fünf Zylinder verteilen. Bei den Dieseln reicht das Angebot von 80 kW/109 PS bis 132 kW/180 PS. Wie die größeren Benziner verfügen auch die stärksten Diesel über fünf Zylinder. Außerdem gab es zwei Flexifuel-Versionen, zunächst eine mit 92 kW/125 PS und ab 2009 mit 107 kW/145 PS.

Den schwächsten Benziner aus dem ersten Baujahr gibt es laut Schwacke inzwischen für etwa 5650 Euro. Die durchschnittliche Laufleistung beträgt dann 104 000 Kilometer. Wer einen C30 2.0 Summum von 2009 sucht, wird für etwa 10 850 Euro fündig (68 000 Kilometer).

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Einen recht jungen C30 T5 Momentum des Baujahres 2012 mit 169 kW/230 PS listet Schwacke mit 15 800 Euro. Die Diesel-Preise starten um die 5350 Euro für Exemplare von 2006 mit durchschnittlich 144 800 Kilometern auf dem Zähler. Ein 110 kW/150 PS starker C30 D3 kostet als Basismodell von 2010 etwa 10 600 Euro (82 400 Kilometer).

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