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14.01.2005

10:00 Uhr

Drivers Seat

Zivilisierter Sex

VonDavid Selbach

Der Mann verkauft Vibratoren, macht in Gummi- Reizwäsche und gepolsterte Handschellen. Wahrscheinlich geht er auch andauernd mit Pornostars essen und prüft den Testwagen als Erstes auf Liegesitze.

Für größere Ansicht bitte Lupe anklicken. Foto: Hersteller

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HANDELSBLATT. Doch als einen gerade die Furcht beschleicht, die laserrote Schweden-Limousine könnte den Chef der Beate Uhse AG vielleicht langweilen, genau da kommt Otto Christian Lindemann energischen Schrittes angestakst. Und der Gebieter über 300 Sex-Shops und 1  000 Internet-Adressen erweist sich überraschenderweise als das schiere Gegenteil des Corvette-fahrenden Rotlicht-Unternehmers.

2,03 Meter groß, 46 Jahre alt, ein Schlaks im dunkelblauen Nadelstreifenanzug. Eine Art Harald Schmidt, gekreuzt mit der Gediegenheit des hanseatischen Kontor-Kaufmanns. „Guten Tag“, sagt der nette Herr Lindemann mit feinem Küstentonfall in der Stimme. Er kommt von einer Sitzung im klassischen Hotel Atlantic an der Außenalster.

Als er seine langen Beine auf den Fahrersitz schraubt, lobt Lindemann den 9-3 Aero – das Spitzenmodell bei Saab – zum ersten Mal. „Erstaunlich geräumig ist der“, sagt Lindemann überrascht. „Und er hat deutlich mehr Kopffreiheit als mein Audi. Aber das Auto kommt ja aus Skandinavien. Die sind wohl große Menschen gewöhnt.“

Konzentriert steuert der Beate- Uhse-Chef den Testwagen durch Hamburg und erkundet die mitlenkenden Hinterräder, die den Saab präzise in der Spur halten. Auch wenn er das knallige Rot des Aeros scheußlich findet, sagt Lindemann höflich: „Die Farbe passt prima zum Look von Beate Uhse.“

Trotzdem setzt er bei seinem eigenen Dienstwagen auf die Farbe Schwarz. Auffällige Dienstwagen würden nur das alte Halbweltimage wieder beleben. „Als mittelständisches Unternehmen“, sagt Lindemann, „sind wir sehr bodenständig.“ Der Manager, der angetreten ist, die Marke Beate Uhse zu modernisieren – zum Beispiel mit den „Mae.B“ Sex-Shops für Frauen –, fragt ganz vorsichtig, ob er denn nun auch einmal auf die Autobahn fahren solle.

Keine schlechte Idee, um ein Auto mit 210 Pferdestärken besser kennen zu lernen. Doch auf der Strecke Richtung Hannover gibt Lindemann nur widerwillig Gas, was der Saab jedes Mal mit kultivierter Beschleunigung beantwortet. „Zieht schon gut durch“, kommentiert Lindemann knapp. „Würde mir genügen.“

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