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15.01.2014

08:04 Uhr

E-Mobilität per Brennstoffzelle

Platin-Preis trübt Aussichten für Wasserstoff-Autos

Quelle:Spotpress

Schon länger versprechen uns die Hersteller den Durchbruch des Brennstoffzellen-Fahrzeugs. Doch nach einer neuen Analyse könnte sich das weiter hinziehen als bisher angenommen. Es liegt am Platin.

E-Mobilität per Brennstoffzelle - Schlechte Aussichten für das Wasserstoff-Auto Toyota

E-Mobilität per Brennstoffzelle: Toyotas Wasserstoff-Auto FCV soll 2015 in Kalifornien unterwegs sein.

Seit langem gilt die Brennstoffzelle als künftige Lösung für Null-Emissions-Autos. Verschiedene Autobauer haben für 2015 erste Modelle mit dem umweltfreundlichen Antrieb angekündigt. Prototypen – zum Beispiel von Toyota und Honda –, die durch die Brennstoffzelle Wasserstoff zum Vortrieb in Strom umwandeln, gibt es bereits einige.

Als Abfallprodukt entsteht Wasser. Seit mehr als einem Jahrzehnt steht die Technik angeblich kurz vor ihrem Durchbruch. Glaubt man aber einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger, werden die wasserstoffbetriebenen Autos weitere zehn Jahre ein Nischendasein fristen.

Grund sind immer noch die hohen Kosten. Zwar seien in zehn Jahren – optimistisch gerechnet - bis zu 80 Prozent geringere Kosten möglich. Damit wäre die Technik aber immer noch sehr teuer. Laut Studie werden für ein Brennstoffzellen-System heute etwa 45.000 Euro pro Fahrzeug fällig. Und ein Kostentreiber lässt sich nicht wegrechnen: das teure Edelmetall Platin, das in der so genannten „Membran-Elektroden-Einheit“ als Katalysator-Material benötigt wird.

Platin gibt es auf der Welt nur limitiert, rund 90 Prozent der Vorkommen konzentriert sich nach Angaben der Experten in Südafrika und Russland. Der Markt ist aus der Sicht der Unternehmensberater ungünstig, eine Preissenkung scheint nicht in Sicht.

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

In Anbetracht der Kosten setzt sich die Brennstoffzellen-Technik erst in der Masse durch, wenn ein geeigneter Ersatz für Platin gefunden ist, so die Meinung der Experten. Autohersteller müssten daher eine Balance dazwischen finden, jetzt Kleinserien von Brennstoffzellen-Autos aufzulegen und gleichzeitig an einer Lösung für den Massenmarkt zu forschen.

Tatsächlich entwickeln Wissenschaftler bereits nahezu platinfreie Brennstoffzellen. Doch über das nächste Jahrzehnt werde Platin als Katalysator bei wasserstoffbetriebenen Autos verwendet werden, glauben die Experten von Roland Berger.

Kommentare (2)

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Joerg_Duerre

15.01.2014, 10:03 Uhr

Kann der Author bitte nachliefern, um welche absoluten Mengen Platinbedarf es sich für ein Brennstoffzellenfahrzeug handelt, um einen Eindruck zu gewinnen wie relevant Platin tatsächlich als Kostenfaktor ist?
Diese Zahl bitte mit dem Bedarf eines konventionellen Fahrzeug mit Platin im Kat vergleichen.
Diese Information wäre hilfreich für eine Einschätzung des Platinmarkts, da Elektroautos sicher kein Platin benötigen -> keine Kats + keine Fuel Cells = wohin mit Platin

Zbig

15.01.2014, 10:46 Uhr

Typisch Japaner - die taugen nichts. Statt die schon gewahrte und erfolgreiche (siehe Tesla) Technologie (Batterie) zu entwickeln, mussen sie immer nur aufmischen. Na ja, sie konnen ja nie "mainstream" sein. In einigen Jahren bleibt dann bei Honda/Toyota Verluste abzuschreiben. Typisch Japanisch.

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