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11.08.2015

15:25 Uhr

Ein Jahr im BMW i3

Inflation auf dünnen Rädern

VonMichael Specht
Quelle:Spotpress

Ein Jahr BMW i3 im Selbstversuch. Wo liegen die Stärken und vor allem die Schwächen eines Elektroautos? Unser Autor Michael Specht wagte ein teures Experiment.

Ein Jahr im BMW i3 - Gegen den Strom Michael Specht/SP-X

Mit oder gegen den Strom?

Autor Michael Specht: Ein Jahr im BMW i3 als Selbstversuch.

Laut ist out. Nie wieder ein Auto mit Verbrennungsmotor. Das war meine Devise vor über einem Jahr. Der Grund: Es gibt bessere Antriebe, einen elektrischen zum Beispiel. Vor allem, wenn man fast ausschließlich in einer Großstadt wie Hamburg unterwegs ist.

Bei den Marketing-Strategen laufe ich unter dem Namen „Early Adopter“ oder „First Mover“. Das sind Kunden, die sich ein Produkt zulegen, bevor es die Masse tut. Der BMW i3 ist so ein Produkt. Ein Elektroauto mit Karbon-Karosserie, ein Öko-Statement, extravagant gestylt, rostfrei, ultramodern in der Konzeption. BMW meint sogar, es sei ein größerer Sprung als von der Kutsche zum Automobil.

Kein Benzin, kein Diesel, kein Altöl, kein Keilriemen, kein Auspuff, nichts schmutzt, nichts stinkt, nichts lärmt. Die zukünftige Mobilität, leise, sauber, nachhaltig und cool. Alles schön und gut, doch leider noch unverschämt teuer. Schon der Basispreis des i3 liegt bei 35.900 Euro.

Doch dabei bleibt es bei so einem Auto nicht. Niemand kauft hier ein mager ausgestattetes Grundmodell. Mit einigen Extras sind, wie in meinem Fall, schnell 45.000 Euro zusammen. Es wundert also nicht, warum in Deutschland so wenig i3 unterwegs sind.

Laut ist out. Nie wieder ein Auto mit Verbrennungsmotor. Das war meine Devise vor über einem Jahr.  Michael Specht/SP-X

Wie alles anfing

Laut ist out. Nie wieder ein Auto mit Verbrennungsmotor. Das war meine Devise vor über einem Jahr.

Auf der anderen Seite: Man genießt die Exklusivität. Anders fahren als die anderen. Mit Strom gegen den Strom. Seit März 2014 leistet der BMW i3 mir gute Dienste, einen Sommer lang, einen Winter lang und wieder einen Sommer lang. Jüngst übersprang der Kilometerzähler die Marke von 18.000. Wenige i3-Besitzer dürften ähnlich ausgeprägte Erfahrungen mit dem Hightech-Stromer haben. Die guten vorweg: Kein Kompaktwagen hat mir jemals mehr Fahrspaß bereitet. Die fast lautlose und gleichmäßige Beschleunigung sind der pure Genuss.

Ebenso die Ruhe, die der i3 trotz seiner sportlichen Fahrleistungen ausstrahlt. Hinzu kommen ein guter Sitzkomfort, eine klasse Übersicht, der bequeme Ein- und Ausstieg (zumindest vorne), ein reduziertes, ultramodernes Cockpit und das großzügige Raumgefühl, weil keine Mittelkonsole Fahrer und Beifahrer trennt. Bereits nach einigen Wochen konnte ich mir nicht mehr vorstellen, jemals wieder ein konventionelles Auto bewegen zu wollen. Selbst wenn es 500 PS haben sollte.

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Aber: Der i3 ist längst nicht perfekt. Seine Achillesferse – wie bei jedem Elektroauto – bleibt der Akku. Im Carbon-BMW stecken hunderte von Lithium-Ionen-Zellen mit einer Gesamtkapazität von 22 kWh. Genutzt werden davon 18,8 kWh. Das soll verhindern, dass man die Batterie ganz leer fährt.

Sonst würden die Zellen leiden. BMW verspricht unter Alltagsbedingungen eine Reichweite von 130 bis 160 Kilometer, im Fahrmodus „EcoPro“ weitere 20 und mit „EcoPro+“ (reduzierte Leistung, maximales Tempo 90 km/h) nochmals 20 Kilometer.

Als Bestwert werden somit 190 Kilometer angegeben. In der Realität ist dieser Wert illusorisch. Wer ihn schaffen will, muss über Landstraßen mit Tempo 50 schleichen, viel ausrollen und so behutsam beschleunigen, dass selbst Sonntagsausflügler genervt sind. Die Wirklichkeit sieht so aus: Im Alltag schafft man 130 Kilometer – bei warmen Wetter.

Gespannt war ich auf den Winter. Akkus mögen keine Kälte. Im meinem Freundeskreis wurden bereits Witze gemacht. Was haben ein Käfer-Fahrer und ein BMW-i3-Besitzer gemeinsam? Sie frieren. Nun, ganz so ist es nicht. Der Käfer-Fahrer friert, weil seine Heizung einfach grottenschlecht ist.

Der i3-Fahrer dagegen friert nur, wenn oder weil er Strom sparen muss, um beispielsweise den Weg nach Hause zu schaffen. Warme Luft für den Innenraum muss im i3 eine Zusatzheizung erzeugen – mit Strom aus der Batterie. Sobald die Heizung läuft, zeigt das Display nur noch eine Reichweite von 90 Kilometern an, fast 25 Prozent weniger.

Kein Benzin, kein Diesel, kein Altöl, kein Keilriemen, kein Auspuff, nichts schmutzt, nichts stinkt, nichts lärmt. Die zukünftige Mobilität, leise, sauber, nachhaltig und cool.  BMW

Die zukünftige Mobilität: Leise, sauber, nachhaltig und cool.

Kein Benzin, kein Diesel, kein Altöl, kein Keilriemen, kein Auspuff, nichts schmutzt, nichts stinkt, nichts lärmt.

Wer also Strom sparen will, muss frösteln – oder eine dicke Jacke anziehen, eine Decke über die Beine legen und Handschuhe tragen. Letzteres weil BMW die Lenkradheizung vergessen hat. Der Ring ist im Winter eiskalt. Vermutlich wird dieses Extra zur ersten Modellpflege nachgereicht. Auch die Freude über die „Vorkonditionierung“ hält sich in Grenzen. Gut gemeint: Hängt der i3 am Ladekabel kann er bequem über die App „i Remote“ per Handy klimatisiert werden. Das funktioniert auch zuverlässig.

Kommentare (5)

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Herr Kay Feske

11.08.2015, 16:13 Uhr

Early Adopter wäre der Autor mit dem Nissan Leaf gewesen. Mit dem i3 ist er leider nur ein weichgespülter Hipster der jetzt auf öko macht. Allein die Tatsache, dass ihm die Lenkradheizung fehlt zeigt, wes geistes Kind man(n) ist...

Herr Bernhard Liesenkötter

12.08.2015, 09:53 Uhr

Ich als Early Adopter (erster privater Elektro-Smart in Bayern) habe dazu noch den Kommentar, dass bei mir die Lenkrad-Kühlung fehlt: Ich habe mir vorgestern fast die Finger verbrannt, als ich nach dem Laden (in der Sonne) auf einer Kreuzung um die Kurve musste und das Lenkrad an einer anderen Stelle anfasste als vorher....
Aber - Ernst beiseite: ich verstehe nicht, wie man als Großstädter (Hamburg) eine solch geringe Reichweite erreicht! Der Stadtverkehr ist die ideale Spielwiese für E-Autos! Nur bei hoher Geschwindigkeit schlägt der schlechte Cw-Wert der klobigen Karosserien zu! Ich fahre mit meinem Kurzstrecken-Smart zur Zeit 140 km, im Winter 90 km. In meiner Stadt gibt es keine Autobahnen ohne Geschw.-Begrenzung! Wenn ein E-Autofahrer nach einer höheren Reichweite ruft, fällt mir immer ein, dass Ferraries nicht einmal eine Anhängerkupplung haben (grins)!

Herr Klaus D. Beccu

12.08.2015, 16:26 Uhr

Auch ich habe den i3 probegefahren, bevor ich dann entschied, den BMW M235i zu erwerben, zwar ein bisschen teurer, aber mit 400 km Reichweite und dem derzeit preiswertem Benzin auch interessant und vor allem stylistisch erheblich schöner als der klobige i3.
Einen Vorwurf muss man allen Elektromobil-Herstellern machen: die ungelöste und anscheinend unlösbare Problematik der Li-Ion Batterie Lebensdauer wird sorgsam unter den Teppich gekehrt. Bereits in 3 Jahren verliert die Li-Ion Batterie bis zu 25% der Kapazität und damit an Reichweite - bei permanenter Schnell-Ladung (< 1 Std) noch mehr! Eine neue Batterie (21 kWh) kostet ca. 5000 €. Die muss man den Betriebskosten zurechnen. Für mich als Batterie-Experte ein Grund, mir kein batterieelektrisches Auto zu kaufen. Alle Phantasie- Ankündigungen (z.B. Bosch, Universität Ulm) über doppelte Energiedichten von Li-ion bis 2020 legen kein Konzept für die Lebensdauer Frage vor. - Ich warte auf den Mirai /Toyota, der durch ein Brennstoffzellen Aggregat die Batterie-Probleme vermeidet.

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