Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.10.2013

13:55 Uhr

Elektro-Bike Zero DS im Test

Lautloser Kavalierstart vor fassungslosen Passanten

VonRalf Schütze
Quelle:Spotpress

Ohne jeglichen Motorsound zischt das Elektro-Bike Zero DS aus dem kalifornischen Santa Cruz dahin. 54 PS, 153 km/h Spitze, in 5,7 Sekunden von 0 auf 100. Die fast lautlose Dynamik vermittelt neuartigen Fahrspaß.

Konzentrierte Massen merkt man der Zero DS auf den ersten Blick an Ralf Schütze/SP-X

Konzentrierte Massen merkt man der Zero DS auf den ersten Blick an

Es gehört schon eine Menge dazu, um Passanten in München den Kopf zu verdrehen. Fahrzeuge vom Schlage eines Rolls Royce, Ferrari oder einer getunten und lautstarken Harley-Davidson sind dazu vielleicht in der Lage. Mit Sicherheit aber: Die Zero DS. Und das, gerade weil sie aus dem Stand nahezu lautlos abzischt wie von einem unsichtbaren Expander gezogen.

Seinen atemberaubenden Antritt verdankt das Elektro-Motorrad von der Westküste einem Permanentmagnetmotor, der ab der kleinsten Drehung am rechten Handgriff seine vollen 92 Nm Drehmoment zum Hinterrad leitet.

Vergleichbar mit dieser spontanen Schubkraft sind agile Fahrmaschinen wie eine KTM 990 SM R, die jedoch fürs volle Drehmoment erst auf Touren kommen müssen. So ist die Zero DS ein absolutes Spaßgerät, das allerdings auch seinen Preis hat: 15.995 Euro sind für den dynamischen Strom-Boliden fällig. Immerhin ist dieser vom  Drehmoment und weiteren Leistungsdaten her mit Vertretern der 10.000 Euro-Klasse vergleichbar.

Wie gut, dass Wartungskosten etwa für Ölwechsel beinahe völlig entfallen. Und: Alle 10.000 km holt die Zero DS im Vergleich zu einer konventionellen Maschine mit 6 Litern Praxisverbrauch rund 850 Euro Spritkosten wieder herein. Ihre 11,4 kWh starken Akkus reichen im optimalen Fall laut Hersteller für 203 km im Stadtverkehr – bei höheren Geschwindigkeiten sinkt die Restreichweite rapide.

Dennoch wird sich dies in der Praxis bei rund 150 km einpendeln – ein guter Wert für diese Art von Motorrädern irgendwo zwischen Naked Bike und Supermoto. Sie sind nicht für die lange Tour, sondern für kurze, fahrspaßintensive Turns gedacht.

Sind die Akkus leer, so dauert das komplette Aufladen an einer Haushaltssteckdose acht Stunden. Mit CHAdeMO-Schnellladung vergehen dafür 1,5 Stunden, und nach einer Stunde sind 95 Prozent Ladung erreicht. Die Stromspeicher sollen laut Hersteller nach 457.000 km noch 80 Prozent ihrer Leistung aufweisen.

Die Lust am Aufdrehen kommt von der stillen Dynamik der Zero DS, die selbst dem erfahrenen Biker eine völlig neues, fast schwereloses Fahrvergnügen beschert Zero

Die Lust am Aufdrehen kommt von der stillen Dynamik der Zero DS, die selbst dem erfahrenen Biker eine völlig neues, fast schwereloses Fahrvergnügen beschert

Das klingt beruhigend für eine Fahrzeug-Kategorie, die pro Jahr in der Regel keine 10.000 km bewegt wird. In der Kennenlernphase melkt zwar der Elektro-Neuling den vermeintlichen Gasgriff derart und permanent, dass die Reichweite schon mal auf 120 km sinken kann. Aber auf Dauer werden die ständigen Beschleunigungsorgien immer seltener, und die Reichweite erhöht sich wieder.

Die Lust am Aufdrehen kommt von der stillen Dynamik der Zero DS, die selbst dem erfahrenen Biker eine völlig neues, fast schwereloses Fahrvergnügen beschert. Anscheinend konzentrieren sich wegen des stillen Leistungskicks alle Sinne umso mehr auf die brachiale Beschleunigung. Man vermisst nicht wirklich den Sound eines bollernden V2 oder das Kreischen eines hochdrehenden Vierzylinders. Trotz aller Begeisterung für die neuartige Fahrdynamik ist die die Zero DS aus Santa Cruz auch gewöhnungsbedürftig.

 Ein übersichtliches Cockpit liefert die wichtigsten Infos, Ladeanzeige erscheint mit Tanksymbol  Ralf Schütze/SP-X

Ein übersichtliches Cockpit liefert die wichtigsten Infos, Ladeanzeige erscheint mit Tanksymbol

So fehlen auf der linken Seite Kupplungs- und Schalthebel, denn wie an einem Gummiband gezogen rast das Elektro-Bike in einer Gangstufe von null bis 153 km/h. Und da beim Bremsen Energie in die Akkus fließt – sogenannte Rekuperation – schiebt die Maschine beim Verzögern spürbar nach.

Das hat der Neuling im Sattel einer Elektromaschine aber ebenso schnell intus wie den leicht eingeschränkten Federungskomfort. Und so genießt er letztlich wieder die sportliche, nach vorne gerichtete Sitzposition.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

eksom

29.10.2013, 14:49 Uhr

Geile Motorräder... Ob elmoto, brammo, oder ZERO! Einmal gefahren willst du immer mehr und länger fahren! Lautlos, schwebend und kräftig ziehend.

Account gelöscht!

29.10.2013, 15:51 Uhr

Wie blöd muss man eigentlich sein, um es noch toll zu finden, wie schnell man an der Ampel losfahren kann?

Account gelöscht!

29.10.2013, 17:23 Uhr

@Nicht-Dumm:
Ungefähr so blöd wie jemand, der es toll findet, anonym im Internet unmaßgebliche Kommentare abzusondern.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×