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06.02.2014

09:18 Uhr

Elektro-Smart im Handelsblatt Test

Heißer Ritt auf Reserve

VonTobias Döring

Spritzig fährt sich ein Elektro-Smart nur in der City. Auf der Autobahn geht der Blick allzu oft auf die Batterieanzeige. Der Akku lässt sich zwar ausreizen. Mehr als 100 Kilometer sind aber im Brabus-Modell nicht drin.

Ein schwarz-grüner Hingucker: Der Elektro-Smart sieht „giftig“ aus, bei der Beschleunigung dagegenhalten kann er aber nur im Stadtverkehr. Sebastian Schaal

Ein schwarz-grüner Hingucker: Der Elektro-Smart sieht „giftig“ aus, bei der Beschleunigung dagegenhalten kann er aber nur im Stadtverkehr.

DüsseldorfNoch nie war ich so froh, einen Transporter vor mir zu haben. Endlich Windschatten! Rechts am Rand der Autobahn baut sich ein Erdwall auf. Der reduziert den Seitenwind – und schont die Batterie. Dann wird der Asphalt wieder breit und weit, niemand fährt mehr vor mir. Wer braucht denn drei Spuren? Der Elektro-Smart nicht, der Verbrauch schnellt jetzt wieder in die Höhe. Da hilft nur noch der Tempomat.

Ich bin unterwegs in einem Smart ForTwo Cabrio ED, letzteres steht für Electric Drive, ein batteriegetriebenes Elektroauto also. Noch ungewöhnlicher als der Antrieb: Dieser Testwagen wurde vom Bottroper Fahrzeugveredler Brabus getunt, er sieht mit giftgrün leuchtendem Spoilerwerk entsprechend „giftig“ aus.

Die Eckdaten: Der ED hat 60 kW Leistung, bringt maximal 130 km/h auf den Asphalt. Rund 41.000 Euro veranschlagt Brabus dafür. Die Reichweite liegt laut Hersteller bei 145 Kilometern. Die begrenzte Reichweite ist es dann auch, die mich zum sparsamen Fahren erzieht.

Ich reguliere am Tempomat runter und fahre nur noch 77 km/h, die Belastung des Akkus liegt dann bei lediglich gut 15 Prozent. Bei 80 km/h werden gleich 30 Prozent der Batterieleistung benötigt. Am Abend hatte ich den Smart mit 43 Kilometern Restfahrstrecke abgestellt, vor Fahrtbeginn waren es dann nur noch 27. Es war kalt draußen.

Doch mein Weg zur Arbeit nach Düsseldorf ist 35 Kilometer lang. Der Akku hatte nur noch 40 Prozent, ich wagte es trotzdem. „Wird schon schiefgehen!“ – und das habe ich jetzt davon: Die Lkw brausen an mir vorbei. Egal, Hauptsache der Akku hält durch.

Die entscheidenden Fragen und Antworten zum Elektro-Smart

Alltagstauglich?

Wenn sich der Alltag in einer Großstadt abspielt, ja. Lässt sich die Arbeitsstätte nur über die Autobahn erreichen oder wohnen die zu besuchenden Freunde mehr als 50 km weit weg, wird es schwierig. Und wenn die Familie groß und die Einkäufe entsprechend auch, dann sowieso.

Das schönste Detail?

Die Brabus-Frontflaps, lackiert in „giftigem“ grün. Sehen aus wie lustige Asphaltfräsen.

Enttäuschend?

Der Sound des Audiosystems. Hört sich an wie Opas Volksempfänger. Der Radioempfang wird noch dazu vom Handy gestört.

Ist er`s wert?

41.000 Euro – auf keinen Fall. So schön öko und umweltfreundlich ein Elektro-Flitzer dann auch ist, aber mehr als ein guter Kleinwagen sollte er für mich wirklich nicht kosten. Den Preis können auch Optik und Ausstattung nicht wettmachen.

Sound?

Hat er nicht. Nur ein leises surren, wenn man das Gaspedal mal richtig durchdrückt. Fast wie im Flugzeug.

Wie grün ist das Auto?

Nicht nur optisch, sondern auch ökologisch ist der Elektro-Smart total grün. Allerdings muss der Strom (Verbrauch 15,1 kWh/100 km) ja auch irgendwie produziert werden...

Vorbildlich?

Ist das Konzept des Fahrzeugs. Ein Elektromotor in den Smart: das passt einfach. Kompakt, CO2-frei, Stadtflitzer – jedoch nicht für mehr als 40.000 Euro.

Was sagt der Nachbar?

„Oh, der ist ja von Brabus!“ und „Das ist ein Elektro-Auto?“

Wer guckt?

Die Kollegen aus der Redaktion bei der Anlieferung des kleinen Smarts im großen Lkw. Auf der Straße werden dem Auto wenige Blicke zuteil. Smarts sind einfach Alltag und noch dazu hört man den E-Smart nicht mal.

Wie fährt er sich?

Schnell beim Anfahren, danach eher ein Mitläufer. Beim Lenken in Kurven und beim Abbiegen ziemlich schwergängig. Locker und leicht ist etwas anderes.

Wo gehört er hin?

In die Großstadt. Da findet er dann auch immer eine Parklücke.

Es wird heller auf dem morgendlichen Berufsweg, ich schalte das Licht aus, um Strom zu sparen. Nach dem Ritt auf der Autobahn verbrauche ich nun in der Stadt gefühlt kaum etwas. Beim Ausrollen vor jeder Ampel lädt der Akku zudem auf, auch Gefälle tut der Batterie gut, Rekuperation sei Dank.

Die Schaltwippen hinter dem Lenkrad lassen sich je nach Fahrsituation gut einsetzen, das Auto sich somit fast ohne Bremse fahren. Die linke Wippe reduziert die Rekuperation, rechts geht es hoch bis zur stärksten von vier Stufen. Im „S“-Modus bremst das Fahrzeug zwar so stark ab wie sonst ein Benziner beim Schalten in den ersten Gang bei 50 km/h, doch anschließend kommt der Elektro-Smart wieder schnell auf Touren. Das macht Spaß.

Mein Puls sinkt, ich werde es zur Arbeit schaffen. Unruhig werde ich nur noch einmal, als plötzlich keine Restfahrstrecke, sondern nur noch der Hinweis auf den niedrigen Batteriestand im Display angezeigt wird. Der Blick auf die auf dem Armaturenbrett platzierten Rundinstrumente verrät mir: Der Akku hat nur noch zehn Prozent – jetzt fahre ich auf der Reserve.

Doch am Ende kann ich sogar nochmal etwas Gas geben und mit Schwung in die Tiefgarage brausen. Die Bilanz liest sich gut: Ich bin gestartet mit 27 Kilometern Kapazität, dann gut 35 Kilometer gefahren und angekommen mit zehn Kilometern Restfahrstrecke. Mit einem Benziner hätte ich das bestimmt nicht geschafft.

Doch nur weil ich im Test mit dem Elektro-Smart nicht liegengeblieben bin, hat mich der Wagen noch lange nicht überzeugt. Die schon erwähnte Anzeige der Restfahrstrecke ist im wahrsten Sinne des Wortes unberechenbar. Morgens sind es immer zehn bis 15 Kilometer weniger.

Das liegt auch daran, dass der Akku an kalten Wintertagen in der Nacht ein paar Prozent seiner Ladung verliert. Aber eben auch an der Messmethode, die nach Angaben von Brabus auf den durchschnittlichen Verbrauch in Kilowattstunden zurückgreift.

Der Bordcomputer berechnet offenbar immer so, dass der Verbrauch beim Start zunächst höher ist und die Reichweite geringer. Im Laufe der Fahrt passt sich die prognostizierte Reichweite dann der tatsächlichen an. So kann ich 35 Kilometer bei anfangs 27 Kilometern Kapazität fahren – doch die Unsicherheit über die Reststrecke fährt immer mit.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

06.02.2014, 10:18 Uhr

@ maus-handelsblatt
Der Kommentar liest sich sehr subjektiv und wenig hilfreich, eher schnell mal anonym gepostet, Hauptsache man war erster. Aber schreiben kann eben nicht jeder.

Account gelöscht!

06.02.2014, 11:18 Uhr

Ich bin zwar durchaus ein Freund der elektrischen Fortbewegung, aber ich finde den Artikel noch wohlwollend verfasst. 41.000 EUR für einen Zweisitzer mit minimalem Komfort und weniger als 140 km Reichweite... das kann nur ein schlechter Witz sein! Wer kauft das, nicht mal gut betuchte Kunden dürften so dumm sein. Ein Tesla S kostet, glaube ich, nur gut das doppelte, bietet wesentlich mehr Komfort und Reichweite.
"Das Smart ForTwo Cabrio von Brabus ist für kurze Strecken in der Stadt eine passable Alternative" in der Stadt nutze ich entweder die Öffentlichen (für 41.000 EUR kann 57 Jahre lang S-Bahn fahren!!!!!) oder Carsharing. Dieses Auto ist mit Sicherheit keine Alternative, nirgendwo

Jan.H.

06.02.2014, 12:07 Uhr

Wer sich einen Wagen von Brabus kauft, der schaut am Ende nicht so sehr auf das Geld und schon gar nicht auf das Preis-Leistungsverhältnis (das gilt für sämtliche Fahrzeuge dieses Herstellers). Ein Großteil der geschilderten Nachteile betreffen aktuell noch jedes Elektroauto und man sollte diese eben nur betreiben, wenn man mit diesem Anforderungsprofil leben kann. Natürlich liest es sich so dramatischer, aber was bitte hat man anderes erwartet? Zunächst einmal ist das ein Smart und zum zweiten ein Elektroauto. Ich fahre selbst einen Smart und nehme die genannten größenspezifischen Nachteile, über welche sich ja ausgiebig ausgelassen wird und die unterm Strich nur dann wirklich schlimm erscheinen, wenn man gerade aus einem Mittelklassewagen in den Smart steigt und sich keine Eingewöhnungszeit gönnt, gerne für die Vorteile des Konzeptes in kauf. Nimmt man dann noch die Elektromobilität dazu bleibt natürlich nur noch ein sehr spezielles Gefährt für einen sehr kleinen Kundenkreis - mehr wird am Ende aber ja auch nicht versprochen.

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