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19.01.2010

08:00 Uhr

Elektrofahrzeuge

Street Scooter soll neues Volksauto werden

VonAndreas Schulte

Mit radikal vereinfachten Produktionsmethoden will Achim Kampker Elektrofahrzeuge günstiger auf die Straße bringen als die mächtige Konzern-Konkurrenz. Die Stadtflitzer heißen Street Scooter und sollen sich langfristig millionenfach verkaufen. Welche Firmen den Wagen ins Rollen bringen verrät, Kampker noch nicht.

Der Street Scooter wird ausschließlich mit Strom fahren. ap

Der Street Scooter wird ausschließlich mit Strom fahren.

AACHEN. Achim Kampker blickt an seinem feinen, grauen Anzug herunter: "O-Beine", lautet sein trockener Hinweis auf das letzte verbliebene Hobby. Früher habe er in einer Fußball-Amateurauswahl am Niederrhein gespielt. Doch als Professor bleibe ihm für die Kicks mit dem Team der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen kaum Zeit. Hier übernahm der 33-Jährige im März des vergangenen Jahres den Lehrstuhl für Produktionsmanagement am Werkzeugmaschinenlabor (WZL). Was ihm seither die Zeit raubt, verschwindet fast unter den Papierstapeln auf seinem Schreibtisch: das Modell eines Pkws. Es erinnert an einen Smart. Aber nur optisch.

"Street Scooter" wird das Elektroauto heißen, das Kampker entwickelt. Dazu hat er eine schlagkräftige Allianz geschmiedet: Neben den 50 Mitarbeitern seines Lehrstuhls planen 15 weitere Institute sowie ein Konsortium aus mittelständischen Unternehmen ein revolutionäres Fahrzeug. Die großen Autohersteller würden bei ihren Elektroautos nur Teile des Antriebs austauschen, sagt Kampker. Das greife zu kurz: "Wir bauen das Auto um die Batterie herum."

Den Street Scooter plant Kampker von Null an: Keines der bekannten Produktionsverfahren taugt als Vorbild. Derzeit lässt er auf dem Campus der Hochschule ein Demonstrationslabor einrichten. Im Kleinen will Kampker ausprobieren, was sich bei einer Großserie als effizient erweisen könnte.

Fest steht bereits: Auf Kleinteile will der Produktionsexperte weitgehend verzichten. "So wenig wie möglich schrauben und löten", lautet die Maxime. Sechs Varianten des Street Scooters - vom Pritschenwagen bis zur Limousine - sollen Roboter in einer Art Stecksystem bauen, nebeneinander in nur einer Linie. 12 000 Euro soll das Auto laut Kampker am Ende kosten - weniger als ein vergleichbares Gefährt mit Verbrennungsmotor.

Konzipiert ist der Wagen vor allem für die Innenstadt. "Wir nutzen eine Effizienzlücke im Stadtverkehr, denn da ist der Street Scooter günstiger als Autos mit Verbrennungsmotor." Kampker weiß es aus eigener Erfahrung, quält er sich doch täglich zehn Kilometer in seinem Passat Kombi zur Arbeit. Zwar ziert ein Porsche-Kalender die Wand in Kampkers Büro. Doch seine Leidenschaft gilt dem eigenen Produkt: "Den Street Scooter fahre ich als Erster", sagt er.

Allianz der Mittelständler

Kampker räumt seiner neuen Stadt-Klasse langfristig das Potenzial eines Volksautos ein, das sich weltweit millionenfach verkauft. Erstmal aber plant er bescheiden: "10 000 Stück ab dem Jahr 2012 zu produzieren, das ist unser Ziel." Das Geld für die jetzt beginnende Entwicklungsphase kommt zum großen Teil von den beteiligten Mittelständlern - Automobilzulieferer und Maschinenbauer. Sie werden dafür später am Verkauf des Street Scooters beteiligt. Welche Firmen den Wagen ins Rollen bringen, verrät Kampker allerdings nicht.

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