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14.02.2012

13:00 Uhr

Erdgasautos schonen Portemonnaie und Umwelt

Die unbeliebten Sparschweine

Quelle:dpa

Erdgasautos stoßen weniger CO2 aus, und ihr Treibstoff kostet nur rund halb so viel wie Benzin. Doch der alternative CNG-Antrieb war und ist unpopulär. Die Kunden schreckt nicht nur der höhere Kaufpreis.

Mit dem A3 TCNG plant Audi das erste Auto der Marke mit CNG-Antrieb. 2013 könnte es kommen. PR

Mit dem A3 TCNG plant Audi das erste Auto der Marke mit CNG-Antrieb. 2013 könnte es kommen.

Bergisch GladbachAutos mit Erdgasantrieb sind unpopulär: Nur rund 75.000 Autos mit dem Alternativantrieb waren zum Stichtag 1. Januar 2012 laut Kraftfahrt-Bundesamt zugelassen - bei einem gesamten Pkw-Bestand von 42,9 Millionen. Dabei lohnt der Betrieb der sogenannten CNG-Fahrzeuge (Compressed Natural Gas) nach Meinung von Experten gegenüber Benzinern und selbst Dieselautos fast immer.

«Trotz der massiven steuerlich bedingten Preisvorteile an der Tankstelle werden sie vom Kunden bislang nicht angenommen», sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule für Wirtschaft in Bergisch Gladbach.

Bis Ende 2018 sind die Kraftstoffpreise für Erdgas und das Autogas LPG laut Energiesteuergesetz begünstigt. Der Sprecher des Verkehrsclubs von Deutschland (VCD), Gerd Lottsiepen, nennt eine Faustregel: «Man spart gegenüber einem vergleichbaren Benziner beim Tanken rund 50 Prozent.»

Doch nach Angaben des Trägerkreises Erdgas Mobil gibt es bundesweit nur rund 900 Tankstellen mit Erdgas im Angebot. Weil die Reichweite von CNG-Autos gegenüber effizienten Benzinern und Dieselantrieben meist bei weit weniger als der Hälfte liegt, herrscht eine ähnliche Angst wie beim Elektroauto vor: nämlich mitten auf der Autobahn stehen zu bleiben.

Die alte B-Klasse von Mercedes gab es noch in der NGT-Version. Derzeit bieten die Stuttgarter nur in der E-Klasse einen Erdgasantrieb an. dpa

Die alte B-Klasse von Mercedes gab es noch in der NGT-Version. Derzeit bieten die Stuttgarter nur in der E-Klasse einen Erdgasantrieb an.

Doch selbst mit einem sogenannten monovalenten Fahrzeug, das meist nur einen kleinen Nottank mit Benzin hat, kommt man noch gut 100 Kilometer weiter, wenn das Gas ausgeht. Bei bivalentem Antrieb ist für Benzin ein größerer Tank an Bord.

Trotz Sparpotenzial an der Zapfsäule muss der Käufer zunächst in Vorleistung gehen: Erdgasautos sind wegen des technisch aufwendigen Antriebs teurer in der Anschaffung. Der Preisunterschied zu einem vergleichbaren Benziner sei ähnlich groß wie bei einem Diesel, sagen Experten. «Bei mindestens 2500 Euro liegt je nach Modell der Aufpreis», weiß Jürgen Wolz, Technischer Leiter beim TÜV Süd.

Nicht selten müssen aber über 5000 Euro draufgelegt werden, wie etwa beim VW Passat. Allerdings gebe es beim Kauf von Gasautos Fördermaßnahmen - meist in Form von Tankgutscheinen. Örtliche Gasversorger spendieren laut Erdgas Mobil je nach Wohnort bis zu 1250 Euro.

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

Und je öfter Erdgasfahrer am Steuer sitzen, desto schneller ist der Anschaffungspreis wieder reingefahren: Der TÜV Süd hat am Beispiel des Vans VW Touran Ecofuel für den dpa-Themendienst nachgerechnet: Der Aufpreis von 3725 Euro amortisiert sich nach 74 500 Kilometern. Zugrunde gelegt wurden dabei Verbräuche von im Schnitt 6,8 Liter Benzin und 5 Kilogramm Erdgas sowie Kosten von 10,85 Euro beziehungsweise 5,50 Euro auf 100 Kilometer.

Auch in Sachen Umwelt sprechen Argumente für ein Erdgasfahrzeug: Um rund 20 Prozent könne der Ausstoß von CO2 durch die Verbrennung von fossilem Erdgas gegenüber einem Benziner gesenkt werden, so Wolz. Bei LPG-Autos liege der entsprechende Wert bei rund 15 Prozent. Und Feinstaub stießen CNG-Autos fast gar nicht aus. Die Emission von Kohlenmonoxid sinke sowohl bei CNG als auch bei LPG um bis zu 70 Prozent. Gegenüber Dieselmotoren könnten Erdgasantriebe vor allem den Ausstoß von Stickoxiden um bis zu 90 Prozent senken.

Bei Volkswagen soll es den Up bald mit Erdgasantrieb geben: Die Grafik zeigt den Gas- und Benzin-Nottank. dpa

Bei Volkswagen soll es den Up bald mit Erdgasantrieb geben: Die Grafik zeigt den Gas- und Benzin-Nottank.

Kommentare (2)

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CNG

15.02.2012, 08:42 Uhr

Nach fast 6 Jahren Opel Combo CNG im Gewerbebetrieb gibt es wieder einen Diesel. Sonderreparaturen von Erdgasbauteilen haben den Spareffekt wieder zunichte gemacht. Diverse Rückrufe wg. defekter Flaschenventile fördern auch kein Vertauen. Das Fahrzeug ist gebraucht fast unverkäuflich. Bis 2018 sind es nur noch 6 Jahre. Wer heute einen Neuwagen kauft muss den dann auffahren. Wer kauft einen Gebrauchten, wenn Erdgas wie Benzin besteuert wird? Tankstellen suchen wird ohne sparen sehr lästig.








Mike

15.02.2012, 12:29 Uhr

Zitat: "Der TÜV Süd hat am Beispiel des Vans VW Touran Ecofuel für den dpa-Themendienst nachgerechnet: Der Aufpreis von 3725 Euro amortisiert sich nach 74 500 Kilometern. Zugrunde gelegt wurden dabei Verbräuche von im Schnitt 6,8 Liter Benzin und 5 Kilogramm Erdgas sowie Kosten von 10,85 Euro beziehungsweise 5,50 Euro auf 100 Kilometer."

Ok, verstanden. Kontra: der Deutsche fährt im Jahr im Schnitt 15.000 km und kauft sich durchschnittlich nach 6 Jahren ein neues / anderes Auto. Auf die angeführte Beispielrechnung bezogen: was spare ich mir tatsächlich?

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