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12.10.2012

13:40 Uhr

Ergebnisse der großen Winterreifentests

Klarer Vorteil für teurere Markenware

Quelle:Handelsblatt Online

Wer bei Nässe, auf Eis und Schnee sicher beschleunigen, lenken und bremsen will, der sollte möglichst bald auf gute Winterreifen umrüsten. Die besten Kandidaten aus den aktuellen Tests bieten aber wenig Sparpotenzial.

Sieger beim großen Winterreifentest von "Auto Bild" wurde der Continental WinterContact TS850, gefolgt vom Bridgestone Blizzak LM–32 und dem Michelin Alpin A4. Pressefoto

Sieger beim großen Winterreifentest von "Auto Bild" wurde der Continental WinterContact TS850, gefolgt vom Bridgestone Blizzak LM–32 und dem Michelin Alpin A4.

Hamburg/München/DüsseldorfSeit der Einführung der situativen Winterreifenpflicht in Deutschland verzeichnet die Branche bei den Autobesitzern eine hohe Umrüstquote, die in diesem Jahr bei 90 Prozent liegen soll. Dem großen Reifensortiment aus aller Herren Länder steht der Kunde aber bisweilen machtlos gegenüber. Denn Winterreifen dürfen auf nicht von Eis oder Schnee bedeckten Straßen eben auch nicht wesentlich schlechter sein als Sommerreifen, schließlich geht es zwischen Oktober und März nicht nur winterlich zu. Aber für Nässe, Schnee und Eis sollen sie auf jeden Fall bestens gerüstet sein. Wir fassen die Ergebnisse der wichtigsten aktuellen Tests zusammen:

So sind im großen Winterreifentest der Zeitschrift "Auto Bild" 42 Winterreifen der Dimension 205/55 R 16 H geprüft worden. Sie passen auf Fahrzeuge der Kompakt- und Mittelklasse wie dem Ford Focus, Opel Astra und Kia Ceed. Als Gesamttestsieger wird der WinterContact TS 850 von Continental genannt. Mit dem Siegel "Vorbildlich" wurden auch die beiden Zweitplatzierten Bridgestone Blizzak LM–32 und Michelin Alpin A4 ausgezeichnet.

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Bei den sicherheitsrelevanten Disziplinen Bremsen mit Tempo 80 auf nasser Fahrbahn sowie Bremsen bei Tempo 50 auf verschneitem Grund hatten sich aber bereits im ersten Teil des Testes 27 Kandidaten verabschieden müssen. Auf nasser Piste differierte der Bremsweg vom kürzesten bis zum längsten Stopp um mehr als 15 Meter, - ein enormes Sicherheitsrisiko besteht also für die Fahrzeuginsassen, wenn die falschen Pneus ausgezogen wurden.

Als Bester stand nach 40,1 Metern der Semperit Speed-Grip 2, das Schlusslicht Wanli Snowgrip S-1083 kam dann bei 56 Metern zum Stehen. Insgesamt belegte der Continental hier im Bremsverhalten Platz 1, gefolgt von Semperit und Bridgestone.

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Nach dieser Vorentscheidung in Sachen Sicherheit legten die Reifentester weitere Kriterien an: Handling, Traktion, Seitenführung, Aquaplaning, und als sehr wichtiger Punkt das Preis-Leistungsverhältnis. Den Titel "Eco-Meister 2012" hat dann der Kleber Krisalp HP2 für das beste Preis-Leistungs-Verhältnis wegen seiner hohen Laufleistung und seinem geringen Rollwiderstand errungen.

Insgesamt allerdings wird der Pneu der französischen Michelin-Tochter nur mit befriedigend bewertet. Damit belegt der Kleber den drittletzten Platz unter den verbliebenen 15 Reifen, gefolgt vom Uniroyal MS plus 66 auf dem Platz 14 und dem Maxxis Presa Snow MA–PW als Schlusslicht.

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Bei der Herstellung von Reifen geht es fast zu wie in einer Küche. Wenn es am Ende schmecken soll, müssen die Zutaten stimmen, und Garzeiten eingehalten werden. Und Fingerspitzengefühl gehört auch dazu.

Gesamtsieger Continental überzeugte aufgrund der Spitzenplatzierungen bei allen Winterdisziplinen dem dynamischen Nass-Handling, dem Aquaplaning sowie dem Rollwiderstand. Einzig der hohe Anschaffungspreis von 480 Euro für einen Satz wird als Schwäche aufgeführt.

Diese Kosten fallen auch für einen Satz Goodyear UltraGrip 8 an, der zwar als empfehlenswert eingestuft wurde, aber mit dem Gesamtplatz 7 vorliebnehmen musste. Seine Stärken wiederum liegen vor allem in den vorbildlichen Aquaplaning-Eigenschaften und im präzisen Lenkverhalten.

Der richtige Umgang mit den Pneus

Alter

Beim Motorrad ist es noch wichtiger als beim Auto: Den Reifen als einzige Verbindung des Fahrzeugs zur Straße kommt ein sehr hoher Stellenwert für die Sicherheit zu. Über zehn Jahre alte Reifen gehören unabhängig von der Profiltiefe auf den Schrott, denn das Gummi hat sich dann verhärtet und kann nicht mehr richtig haften.

Profil

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe beträgt 1,6 Millimeter, doch schon ab 3 Millimeter Profiltiefe steigt die Gefahr von Aquaplaning drastisch an und Bremswege auf nasser Fahrbahn verlängern sich deutlich. Reifenhersteller und Autoclubs empfehlen mindestens 3 Millimeter für einen besseren Halt.

Laute Abrollgeräusche

Immer lauter werdende Abrollgeräusche sind ein Zeichen für zunehmenden Verschleiß. Finden sich einzelne Zacken im Gummi, spricht man von „Sägezahnbildung“. Vor allem breite Hochgeschwindigkeitsreifen besitzen eine offene Profilgestaltung und wenig hochstehende Profilblöcke, um möglichst viel Wasser aufzunehmen und wieder abzuleiten. Kommt es zu hohen Schlupfbewegungen, führt dies unter Umständen zu einem sägezahnförmigen Verschleißbild vor allem an der nicht angetriebenen Achse. Wer auf den richtigen Luftdruck in den Pneus achtet, kann einen solchen Verschleiß allerdings vermeiden.

Luftdruck

Der richtige Luftdruck Im Reifen macht das Fahrverhalten stabil.  Wie viel Luft sich im Reifen befinden sollte, steht in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs oder auf Aufklebern im Handschuhfach, am Türholm oder in der Tankklappe. Vollbeladen auf dem Weg in den Urlaub sollte der Druck allerdings ein wenig erhöht werden, dies reduziert den Spritverbrauch.
Der korrekte Druck erhöht nicht nur die Fahrsicherheit, sondern verringert auch den Kraftstoffverbrauch. Schon bei 0,6 bar unter dem Optimaldruck steigt der Verbrauch um vier Prozent. Der Verschleiß nimmt um satte 45 Prozent zu.

Achsenweiser Tausch

Tausch von Winter- auf gebrauchte Sommerreifen, oder umgekehrt: Für eine gleichmäßige Abnutzung sind die zwei Räder an der Antriebsachse beim nächsten Mal an der anderen Achse anzubringen - und umgekehrt. Bei zu starken Sägezahnmuster auf den Reifen hilft meist allerdings nur noch ein Ersatz.

Zulässige Reifengrößen

Laut Gesetz dürfen nur die Reifengrößen montiert werden, die in den Fahrzeugpapieren eingetragen sind. Werden andere Größen aufgezogen, oder ohne schriftliche Genehmigung im Fahrzeugschein gar unterschiedliche Größen an Vorder- und Hinterachse montiert, ist dies nicht nur ein Sicherheitsrisiko, sondern das Fahrzeug verliert auch seine Zulassung und der Versicherungsschutz erlischt.
Die zulässigen Reifengrößen stehen im alten Fahrzeugschein unter Ziffer 20 bis 23 sowie im Feld 33. In der neuen Zulassungsbescheinigung Teil I steht unter 15.1 bis 15.3 nur eine zulässige Größe. Welche weiteren Größen montiert werden dürfen, erfährt der Halter beim Fachhandel.

Mischbereifung

Die Mischung aus Winter- und Sommerreifen ist theoretisch erlaubt, allerdings nicht ratsam, da sich das Fahrverhalten stark verschlechtert. Zum Beispiel ein Fahrzeug mit guter Traktion an der Vorderachse und Sommerreifen auf der Hinterachse bricht auf glatter Fahrbahn leichter aus. Generell müssen die Reifen mit dem besseren Profil an die Hinterachse, egal ob bei Front- oder Hecktrieblern.
Wer sich nach einem „Platten“ einen neuen Reifen kaufen muss, sollte versuchen, den gleichen Typus zu bekommen. Ist dies nicht möglich, sollten zumindest auf einer Achse die gleichen Reifen zum Tragen kommen.

Gefährliche Billigreifen

Auch für normale Autofahrer ist die Welt in den letzten Jahren schneller geworden. Schon Mittelklasse-Pkw und Kompakte sind heute problemlos mit Tempi oberhalb von 200 km/h unterwegs. Für die Reifenindustrie bedeutet dies, dass sie auch ihre normalen Reifen den immer höheren Anforderungen anpassen müssen. Wie schwierig dies ist, zeigen die Tests der Autoclubs und Fachzeitschriften: Hier bleiben Billigpneus regelmäßig auf der Strecke - vor allem dann, wenn es um sicherheitsrelevante Eigenschaften geht.

Kleiner Reifencheck

Flanke und Lauffläche der Reifen auf Beschädigungen wie Risse, Beulen oder stark unregelmäßigen Abrieb untersuchen. Gerade die durch den langen Winter stark in Mitleidenschaft gezogenen Fahrbahndecken setzen den Reifen zu. Bei Schäden sollte ein Fachbetrieb aufgesucht werden.
Mit einer Euromünze lässt sich feststellen, ob das Profil schon zu stark abgefahren ist: Verschwindet der goldene Rand nicht komplett zwischen den Profilblöcken, stehen weniger als drei Millimeter zur Verfügung und der Reifen sollte erneuert werden.

Ersatzreifen

Glücklich ist im Not- und Pannenfall, wer überhaupt noch einen im Kofferrraum liegen hat, das wird bei modernen Neuwagen immer seltener. Sein Luftdruck sollte um rund 0,2 bar höher sein als es die Betriebsanleitung angibt. Aus Sicherheitsgründen raten Experten, Ersatzreifen auszutauschen, die unbenutzt länger als acht Jahr im Kofferraum liegen.

Flicken

Nach einem „Platten muss ein Autoreifen nicht zwangsläufig entsorgt werden. Durchstiche, Nagellöcher oder Schnitte bis zu sechs Millimeter an der Lauffläche können von Fachleuten geflickt werden. Nicht möglich ist eine Reparatur bei größeren Schäden oder Durchstichen an der Seitenwand. Von der Reparatur von Hochgeschwindigkeitsreifen raten Experten aus Sicherheitsgründen jedoch generell ab.

Reifen-Versicherung

Die Reifen ihres Kraftfahrzeugs können Autofahrer versichern lassen. Rund 90 Prozent der Reifenfachbetriebe sowie viele Autohäuser und freie Werkstätte bieten dies an, und erstatten dem Versicherungsnehmer die Kosten, die durch Beschädigungen oder Verlust der Pneus entstehen. Abgedeckt sind unter anderem Schäden durch das Einfahren von Nägeln, Glas oder anderen spitzen Gegenständen und durch das Anfahren an der Bordsteinkante sowie Vandalismus.
Die Kosten für einen Versicherungsschutz betragen zwischen 10 Euro und 30 Euro bei einer Laufzeit von zwei Jahren. Zu beachten sind allerdings dabei die Vertragsdetails: Viele Versicherungen decken lediglich die Kosten der Gummis, nicht aber der dazugehörigen Felgen ab. Außerdem wird das Alter und die Profiltiefe der beschädigten oder entwendeten Reifen bei der Kostenerstattung berücksichtigt.

Der Michelin Alpin A4 kostet gar 520 Euro, überzeugte aber aufgrund seiner vorbildlichen Kilometerleistung als Gesamtdritter. Der Hankook Winter i cept RS kommt auf Platz 4 und ist mit 380 Euro quasi ein Schnäppchen. Dabei bietet er noch sichere Handhabung und gute Seitenführung.

Stark im Handling sind auch der Dunlop SP Winter Sport 4D, der Pirelli W. Snowcontrol Serie 3 und der Nokian WR D3. Sie gehören zur Gruppe der sieben als empfehlenswert eingestuften Winterreifensorten. Dem Nokian auf Gesamtplatz 9 und für 380 Euro pro Reifensatz attestierten die Tester gar vorbildliche Handling-Qualitäten.

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Kommentare (1)

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MaxiS

19.10.2012, 20:30 Uhr

Klarer Vorteil wenn vor allem die Sicherheit auf dem Spiel steht!! Auch wenn der "hohe" Preis von 480€ beim Gesamtsieger Continental ansteht, aber wenn es um die Sicherheit auf den winterlichen Straßen geht, dann ist er seinen Preis auf jeden Fall wert. Als Marktführer Europas und mit Schaeffler als Ankeraktionär legt Continental ohnehin sehr großen Wert auf immer wieder neuen Innovationen und Entwicklungen. Schaeffler selbst kennt bei Innovationen keine Grenzen und die Zusammenarbeit beider Unternehmen kann somit nur Vorteile bringen.

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