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20.10.2014

10:08 Uhr

Fahrbericht Ford Mondeo

Spät dran und gut drauf

VonPatrick Broich
Quelle:Spotpress

Das Warten auf die wegen der Werksumstellung verspätet einsetzenden Mondeo-Neuauflage hat sich gelohnt. Die renovierte Mittelklasse hat ihren Charakter bewahrt. Und bietet Pragmatikern mehr Sicherheit und Lifestyle.

Da steht ein richtig schönes Auto auf Rädern. Großer Kühler, scharfer Knick in der Flanke, Powerdomes auf der Motorhaube und schneidige Scheinwerfer Ford

Da steht ein richtig schönes Auto auf Rädern. Großer Kühler, scharfer Knick in der Flanke, Powerdomes auf der Motorhaube und schneidige Scheinwerfer

Der Ford Mondeo wurde schon immer von einer eher pragmatisch orientierten Zielgruppe mit dem Wunsch nach fairem Preis-Leistungsverhältnis bevorzugt. Das soll in der neuen Generation so bleiben, allerdings steht das günstigste Modell im Moment mit satten 27.150 Euro zu Buche. Dafür gibt es aber auch einen Benziner mit 118 kW/160 PS Leistung, im nächsten Jahr kommt dann das eigentliche Basismodell mit 1,0-Liter-Motor, wahrscheinlich 125 PS und sicher einige tausend Euro günstiger.

Aber der Preis allein macht es auch bei Ford schon längst nicht mehr. Spätestens seit Fiesta und jüngst auch Focus mit einer neuen, markanteren Front um Kunden buhlen, die unweigerlich an die Aston-Martin-Designsprache erinnert, wird deutlich: Die Marke mit der berühmten blauen Pflaume setzt jetzt auch auf emotionale Werte.

Zunächst allerdings muss man dem Mondeo eine deutliche Verspätung vorhalten. Wegen einer Produktionsumstellung in Europa kommt der große Ford mit einem Jahr Verzögerung. In den USA ist das Fahrzeug sogar schon seit 2013 im Handel, dort unter dem Namen Fusion.

Schön, dass er jetzt da ist und prima, dass er optisch vom ersten Blick an überzeugt: Da steht ein richtig schönes Auto auf Rädern. Großer Kühler, scharfer Knick in der Flanke, Powerdomes auf der Motorhaube und schneidige Scheinwerfer, auf Wunsch in Voll-LED-Technik. Wer die Hightech-Lampen wählt (1.250 Euro), bekommt übrigens Blinker in dynamisierter Form, so wie sie auch Audi anbietet.

Darüber hinaus offeriert der neue Mondeo alle erdenklichen Komfort- und Sicherheitsfeatures; diese reichen vom klimatisierten Massagesitz für 2.500 Euro Aufpreis über das autonome Bremssystem (ab 250 Euro) bis hin zu hinteren Gurt-Airbags, die es bisher nur in der Mercedes S-Klasse gab.

Über die Standard-Assistenten wie Spurhalte-Kontrolle inklusive aktiver Lenkung oder Verkehrszeichen-Erkennung kann dieser Ford sowieso nur müde lächeln. Müde ist er aber keineswegs – zumindest nicht in den Varianten, die der Hersteller für erste Proberunden bereitgestellt hat.

Beginnen wir mit dem 1,5 Liter großen Benziner. Direkteinspritzung und Turboaufladung sind die Zeichen der Zeit, das heißt aber nicht zwingend, dass die Laufkultur überzeugen muss. Doch in diesem Fall ist es so. Da der Ottomotor bereits im modifizierten Focus einen guten Eindruck hinterließ, kann er im besser gedämmten Mondeo kaum patzen. Selbst unter Ausnutzung des Drehzahlbandes bleibt er akustisch zurückhaltend und gefällt durch kräftigen Durchzug.

Moderne Infotainment-Angebote runden das gelungene Komplettpaket des Mondeo ab Ford

Moderne Infotainment-Angebote runden das gelungene Komplettpaket des Mondeo ab

Dass sich der Mondeo in dieser Variante im andalusischen Mittelgebirge eher zwölf statt sechs Liter nimmt, darf man ihm nicht verübeln – wer etwas leistet, braucht auch Energie. Und der 1,5-Tonnen-Brocken mit 118 kW/160 PS macht mehr Fahrspaß, als die reine Papierform glauben macht, animiert also zum sportlichen Umgang.

Schließlich benötigt er gemäß Werksangabe 9,3 Sekunden bis Landstraßentempo, Sportwagen-Werte sind das nicht gerade. Vielleicht liegt es aber auch am agilen Fahrwerk und der präzisen elektro-mechanischen Servolenkung. Die neue Hinterachskonstruktion mit Integral-Lenker verfügt über eine passive Mitlenk-Funktion.

Dabei gelang es den Fahrwerkern, dem dynamischen Mittelklässler auch eine fein dämpfende Note zu verpassen. Schlechte Straßenpassagen bügelt er wirkungsvoll glatt. Wer das 2.000 Euro teure Komfortpaket mit elektrisch verstellbaren Sitzen und aktivem Tempomat bestellt, bekommt auch eine variable Dämpferregelung dazu.

Kurzcharakteristik

Alternative zu:

Volkswagen Passat, Mercedes C-Klasse, BMW 3er, Audi A4

Passt zu:

Pragmatikern, die ein wenig Lifestyle in ihr Leben lassen wollen

Sieht gut aus:

Vor allem als Turnier (Kombi)

Wann kommt er?

November 2014

Was noch kommt?

Neben den Allrad-Varianten sind weitere Triebwerke in der Pipeline, darunter der Einliter-Dreizylinder (92 kW/125 PS) sowie der 155 kW/210 PS starke Topdiesel; weitere Motorisierungen sind in Planung.

Spürbar kopflastiger, aber keineswegs spaßärmer kommt der 2,0 TDCI mit 132 kW/180 PS um die Ecke. Sobald der Lader nach Luft schnappen kann, stehen 340 Nm bereit. Da es dafür aber 2.000 Umdrehungen braucht, ergibt sich eine winzige Anfahrschwäche. Aber er bleibt immerhin schon deshalb moderat im Ton, weil man in der Mondeo-Zelle recht abgeschirmt von Geräuschen weilt. Als Diesel identifizierbar bleibt der Zweiliter aber schon, was nicht unsympathisch ist.

Ab nächstem Jahr können die Interessenten für Fords Mittelkasse auch einen Hybriden wählen. Der ist mindestens 34.950 Euro teuer und bietet im Gegenzug 138 kW/187 PS Systemleistung. Genau wie die ab Start verfügbaren Econetic-Varianten (ab 28.750 Euro) glänzt er mit weniger als 100 g CO2/km und erfüllt damit die Effizienz-Klasse A+.

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