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15.10.2013

09:42 Uhr

Fahrbericht: Infiniti Q50

Exotische Alternative zu 3er und A4

VonPatrick Broich
Quelle:Spotpress

Mit dem Q50 installiert Infiniti seine neue Mittelklasse und will mit dynamischer Optik Kunden aus dem deutschen Premium-Lager abziehen. Zudem hat der Japaner aber auch eine echte technische Revolution zu bieten.

Der Infiniti Q50 ist das erste Markenmitglied des japanischen Premium-Herstellers, das die neue Nomenklatur mit vorangestelltem Q für sämtliche Modell-Linien von Beginn an nutzt Infiniti

Der Infiniti Q50 ist das erste Markenmitglied des japanischen Premium-Herstellers, das die neue Nomenklatur mit vorangestelltem Q für sämtliche Modell-Linien von Beginn an nutzt

Wenn schon neu, dann auch richtig: Der Infiniti Q50 ist das erste Markenmitglied des japanischen Premium-Herstellers, das die neue Nomenklatur mit vorangestelltem Q für sämtliche Modell-Linien von Beginn an nutzt. Doch das ist letztlich nur ein Hinweis auf die inneren Werte der frisch entwickelten Mittelklasse. Japanische Nobelmarken haben es in Deutschland schwer, da muss das Motorenprogramm schon stimmen. Daher gibt es den Infiniti auch mit einem Vierzylinder-Diesel, der von Mercedes zugesteuert wird.

Mit 2,1 Litern Hubraum und 125 kW/170 PS ist der Hecktriebler ordentlich motorisiert und mit 4,4 Liter auch sparsam. Ab 34.350 Euro gibt es den Q50, der neben Selbstverständlichkeiten wie Klimaautomatik und Radio immerhin auch mit Bluetooth-Freisprechanlage, Rückfahrkamera und schlüsselfreiem Startsystem aufwartet, aber kurioserweise auf Stahlfelgen steht.

Der Kunde darf wählen zwischen einem manuellen Sechsgang-Getriebe oder einer siebenstufigen Wandlerautomatik; wer die höchste Ausstattungslinie „Sport“ (ab 41.480 Euro) ordert, bekommt nicht nur LED-Vollscheinwerfer, sondern auch ein revolutionäres Lenksystem.

Beim so genannten DAS (Direct Adaptive Steering) gibt es keine mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und den Rädern mehr. Der Fahrer kann außerdem frei konfigurieren, wie direkt oder komfortabel eingelenkt werden soll und welche Lenkübersetzung er gerne hätte. Da stellt sich natürlich gleich die Frage: Wie viel Fahrbahnkontakt vermittelt eine solche Lenkung?

Drive-by-wire

Begriffsklärung

Der Begriff by-wire bedeutet in der Autotechnik, dass mechanische und hydraulische Komponenten durch elektrische und mechatronische Bauteile ersetzt werden. Der Kraft- und Signalweg werden so voneinander getrennt.

Lenkung: Steer-by-wire

Ein Sensor am Lenkrad erkennt die Drehbewegungen. Ein Elektromotor am Lenkgetriebe generiert die Kräfte und schickt sie auf die Spurstangen. Am Steuer simuliert ein kleiner E-Motor die Rückmeldungen (force-feedback), die der Fahrer gewohnt ist.
Das Lenkgefühl bleibt erhalten, unerwünschte Impulse von Fahrbahn und Antrieb entfallen.

Bremsen: Brake-by-wire

Audi setzt beispielsweise im R8 e-tron so genante Spindelbremsen ein. An der Vorderachse drücken elektrisch betätigte Kugelgewindetriebe blitzschnell an die aus Kohlefaser-Keramik gefertigten Bremsscheiben.
Den Vorderwagen erleichtert das, weil voluminöse und gewichtige hydraulische Bauteile entfallen. Im Innenraum könnte zukünftig das starre Bremspedal einem kleinen Hebel oder einer Sensorfläche weichen, an der die Kräfte simuliert werden.

Schaltung: Shift-by-wire

Es ist die Fortetzung der tiptronic. Wenn die Wahl der Fahrstufen per Platz und Gewicht sparendem Joystick erfolgt, kann auch das klassische Schaltgestänge entfallen. Die Hydraulikeinheit von Automatikgetrieben bekommt ihre Kommandos elektrisch.

Vorteile

By-wire-Technik eröffnet den Autobauern neue Möglichkeiten. Beispiel Lenkung. Die Lenksäule entfällt, der Lenkgetriebe kann anders eingebaut werden. Per Tastendruck kann der Fahrer verschiedene Lenkübersetzungen und Setups wählen, von komfortabel bis sportlich. Mit anderen Systemen vernetzt, kann eine Steer-by-wire-Lenkung teils neue Korrektur- und Assistenzfunktionen ausführen.

Auf holprigen Strecken jedenfalls ziemlich wenig – rütteln die Lenkräder konventioneller Systeme die Fahrer-Arme auf Schlagloch-Passagen ordentlich durch, bleibt „DAS“ völlig gelassen; man könnte gar die Hände vom Volant nehmen, ohne dass der Q50 die Fahrtrichtung ändern würde. Bei windungsreichen Landstraßen ist natürlich der Sportmodus angesagt.

Dann wird das Lenkrad spürbar schwergängiger und direkter. In der Tat vermittelt der Hecktriebler viel Spaß auf der Landstraße, durchläuft Wechselkurven auf Wunsch in rasanter Gangart, ein Restgefühl von synthetischer Anmutung kann die Lenkung aber nicht leugnen.

Und was passiert eigentlich, wenn die Elektronik einmal versagt? Ingenieur Takeshi Kimura beruhigt: Im Notlaufmodus stellt eine Kupplung die mechanische Verbindung zu den Rädern her, so dass konventionell in die Werkstatt gelenkt werden kann.

Infiniti FX 30d S: Der schönste Karpfen im Haifischbecken

Infiniti FX 30d S

Der schönste Karpfen im Haifischbecken

Dem FX von Infiniti steht seine große Schnauze nach einem Facelift so gut, dass er der bestaussehendste Crossover-SUV ist. Aber der Beau unter den dicken Brummern leistet sich im Test auch ein paar Schönheitsfehler.

Bei den Aggregaten bietet Infiniti keine großen Wahlmöglichkeiten: Wer die Brot- und Butterlösung mit bezahlbarem 170 PS-Diesel ablehnt, wird quasi in die Sportabteilung geschickt. Dann übernimmt ein Team aus 50 kW/68-Elektromotor und 3,5 Liter großem V6 den Antrieb, um insgesamt 268 kW/364 PS auf die Räder loszulassen.

Mit zwei Kupplungen und zwischengeschalteter Siebengang-Automatik gehört das bereits aus der größeren M-Limousine bekannte Hybridsystem zu den aufwendigeren Lösungen, arbeitet allerdings flüssig. Wann gerade welche Maschine für Bewegung sorgt, erfährt man von der Infografik.

Kommentare (1)

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Kaurikampf

15.10.2013, 11:00 Uhr

Der Q50 ist sicher ein interessantes Auto! Ich traue den Nissan-Infiniti-Leuten auch einen guten Hybrid-Anrieb zu! In den USA hat die Marke ein erstklassiges Image.
Aber was treibt die Leute hier auf den ausgelutschten europäischen Markt mit seinen eingefahrenen Strukturen? Bevor hier ein Achtungserfolg überhält der Wahrnehmungsschwelle erreicht ist, wird viel Geld verbrannt. Ich möchte nicht wissen, wie der Wagen in den Restwertbörsen gehandelt wird. Diese Klasse von Auto wird meistens gewerblich zugelassen. In den Firmen sitzen aber Fuhrparkleiter, die mit den deutschen Premium-Marken sog. Großkunden - Verträge haben. Dann gibt es nur Audi, BMW oder Mercedes. Da wird Infiniti nicht so schnell reinkommen. Bleiben die nicht einem Controller unterworfenen kleinen Selbständigen aus der Beraterszene. Auch die profitieren von erheblichen Rabatten der etablierten Marken.
So ein Auto, wie der Q50 muss nicht nur erheblich besser sein, als die etablierte Konkurrenz sondern auch noch erkennbar preiswerter - und zwar bei Berücksichtigung aller Rabatte.
Das Schicksal von LEXUS hier lässt kaum Raum für Optimismus. Was mag der Grund für die Einführung - mit allen seinen Anlaufkosten - für diese Marke hier sein? Ist es möglicherweise ein irrationaler Grund? Wollen die Nissan Manager lediglich einen schönen Dienstwagen? Man Sage mir nicht, dass solche Entscheidungsgründe im Reich der Phantasie zu suchen sind!
Aber wie es auch sei: ich werde zwei Probefahrten mit dem Auto vereinbaren (Diesel/Benziner)
Und nun noch eine Frage an die HB-Online: Weshalb wurde verschwiegen, dass der Dieselmotor mit der Automatik von Mercedes kommt? Oder habe ich etwas überlesen?

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