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24.01.2014

10:49 Uhr

Fahrbericht Nissan Qashqai

Zungenbrecher mit Potential

VonSebastian Schaal

Kombi, SUV oder doch Van? Der Nissan Qashqai passt in keine Schublade. Mit einem ähnlichen Konzept, frischem Design und einem hochwertigen Innenraum will die zweite Generation an die Erfolge des Vorgängers anknüpfen.

Die Zeiten, in denen jeder Nissan anders aussieht, sind vorbei: Der neue Qashqai trägt das vom Note bekannte Markengesicht mit LED-Tagfahrlichtern in „Bumerang“-Optik und der V-förmigen Chromspange im Kühlergrill. Nissan Presse

Die Zeiten, in denen jeder Nissan anders aussieht, sind vorbei: Der neue Qashqai trägt das vom Note bekannte Markengesicht mit LED-Tagfahrlichtern in „Bumerang“-Optik und der V-förmigen Chromspange im Kühlergrill.

MadridEs war ein großes Wagnis, das Nissan im Jahr 2007 einging: Statt eines klassischen Kompaktwagens sollte ein straßenorientiertes SUV in der so wichtigen Golf-Klasse auf Kundenfang gehen. Höhere Sitzposition, kein Gelände-Fokus und der Preis eines Kompaktwagens – mit diesem Rezept wollten die Japaner etwa 700.000 Fahrzeuge absetzen. Wie konnte man ihn einordnen? Kombi? Oder doch SUV? Oder doch lieber Van? Der komplizierte Name „Qashqai“ machte diesen Plan zunächst nicht einfacher. Doch er ging auf.

Die angepeilte Marke von 100.000 Qashqais pro Jahr übertrafen die Japaner locker. In den sieben Jahren seiner Bauzeit fanden weltweit zwei Millionen Qashqai einen Käufer – 1,5 Millionen davon alleine in Europa. Damit avancierte der Qashqai schnell zum wichtigsten Nissan-Modell auf dem alten Kontinent.

Bei so einem erfolgreichen Konzept erscheint es logisch, dass Nissan bei der zweiten Generation, die wieder im britischen Sunderland gefertigt wird, auf Evolution statt Revolution setzt. Am Grundprinzip wurde nichts geändert, am Design aber schon. Kamen die ersten Modelle ab 2007 noch so unscheinbar wie die sprichwörtliche graue Maus daher, wirkt der Qashqai Nummer zwei mit seinen LED-Lichtern und Sicken geradezu dynamisch. Und vor allem: Er ist als Nissan erkennbar. Die Zeiten, in denen jeder Nissan komplett anders aussah, sind vorbei. Jetzt prägen die V-förmige Spange im Kühlergrill und die LED-Tagfahrlichter in „Bumerang“-Optik das neue Markengesicht, das auch schon den Cityflitzer Note ziert.

Die Fakten zum Qashqai im Überblick

Ausstattung Visia

Unter anderem Bluetooth-Schnittstelle, elektronische Parkbremse, LED-Tagfahrlicht, Geschwindigkeitsregelanlage, Chassis Control und Lenkradfernbedienung. Ab 19.940 Euro.

Ausstattung Acenta

Unter anderem Einparkhilfe vorne und hinten, Sitzheizung vorne, Klimaautomatik, Fahrerassistenz-Paket (bestehend aus Fernlicht-Assistent, autonomer Notbrems-Funktion, Verkehrszeichen-Erkennung und Spurhalte-Assistent). Ab 22.980 Euro.

Ausstattung Tekna

Unter anderem „Connect“-Navigationssystem, Around-View-System, Panorama-Glasdach, Voll-LED-Scheinwerfer, Schlüsselloses Zugangssystem, beheizbare Frontscheibe. Ab 27.450 Euro.

1.2 DIG-T

1,2 Liter großer Benzin-Direkteinspritzer mit Turbolader, 115 PS und 190 Newtonmeter. Der Downsizing-Motor verbraucht rund 0,6 Liter weniger (15 Gramm CO2) als der 1,6-Liter-Saugmotor des Vorgängers – im Normzyklus sind es 5,6 Liter oder 129 Gramm CO2.

1.6 DIG-T

1,6 Liter großer Benzin-Direkteinspritzer mit Turbo, 163 PS und 240 Newtonmetern. Er soll wie der 1.2 DIG-T 5,6 Liter in der Norm verbrauchen. Der große Turbomotor ist erst ab Sommer 2014 verfügbar.

1.5 dCi

1,5 Liter großer Diesel-Direkteinspritzer mit Turbo, 110 PS. Mit einem Normverbrauch von 3,8 Litern knackt der Qashqai 1.5 dCi die wichtige Marke von 100 Gramm CO2 pro Kilometer. Gegenüber dem ersten Qashqai von 2007 ist das eine Ersparnis von 22 Prozent.

1.6 dCi

1,6 Liter großer Diesel-Direkteinspritzer mit Turbo, 130 PS. Nissan erwartet, dass sich 60 Prozent aller Kunden für diesen Motor entscheiden werden. Der 1.6 dCi ist auch der einzige Motor, der mit der stufenlosen Automatik X-Tronic oder Allradantrieb zu haben ist – allerdings entweder oder: Einen Allrad mit Automatik gibt es im Qashqai nicht.

Zu dem dynamischen Auftritt tragen auch die neuen Außenmaße – 4,7 Zentimeter länger, 2 Zentimeter breiter und 1,5 Zentimeter flacher – bei, sie lassen den neuen Qashqai deutlich stämmiger auf dem Asphalt stehen. Und zudem wird klar, wohin die Reise geht: Noch weiter weg vom Gelände, dafür besser auf der Straße.

In Kurven ist die Seitenneigung angenehm gering, das Fahrwerk vermittelt in fast jeder Situation Souveränität. Nur bei Querfugen und Schlaglöchern poltert es ab und zu aus der Federung. Die größte Neuheit beim Fahrwerk werden allerdings die wenigsten Fahrer bemerkten – gerade weil das System so unauffällig arbeitet. Die serienmäßige „Chassis Control“ vermindert durch gezielte Bremseingriffe an einzelnen Rädern das Aufschaukeln nach Bodenwellen und erhöht die Stabilität in Kurven. Wer jetzt an die abrupten Bremseingriffe der ersten ESP-Systeme denkt, liegt falsch.

Auch die kleineren Motoren sind mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe kombiniert – ab Werk mit Start-Stopp-System. Das Getriebe lässt sich präzise schalten, die Wege des Hebels sind aber recht lang. Das stufenlose Automatikgetriebe X-Tronic gibt es nur mit dem 130-PS-Diesel. Nissan Presse

Auch die kleineren Motoren sind mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe kombiniert – ab Werk mit Start-Stopp-System. Das Getriebe lässt sich präzise schalten, die Wege des Hebels sind aber recht lang. Das stufenlose Automatikgetriebe X-Tronic gibt es nur mit dem 130-PS-Diesel.

Auch andere Systeme haben die Nissan-Ingenieure auffällig unauffällig versteckt. Das Radar für den Kollisionswarner zum Beispiel liegt unsichtbar hinter der Stoßstange – und nicht in extra Aussparungen in Stoßfänger oder Kühlergrill. Auch die Around-View-Kameras in den Außenspiegeln fallen kaum auf. Hielt sich der Vorgänger noch mit elektronischen Helfern zurück, kommen hier ein Notbrems-, Fernlicht- und Spurhalteassistent sowie einer für die Verkehrszeichenerkennung zum Einsatz. Sinnvoll sind alle diese Systeme, aber eines werden die meisten Fahrer im Alltag wohl abschalten: Der Spurhalteassistent piepst sehr früh, selbst wenn die Linie noch nicht einmal berührt wird. Das Abschalten im Bordcomputer geht über die logisch angeordneten Lenkradtasten zum Glück sehr einfach.

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