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12.07.2016

08:34 Uhr

Fahrbericht Skoda Kodiaq

Der tschechische Tiguan

VonMichael Specht
Quelle:Spotpress

Gut Ding will Weile haben. Skoda entschließt sich spät zu einem familientauglichen Geländewagen, der dafür aber die Konkurrenz in den Schatten stellen soll. Der Kodiaq ist das erste siebensitzige SUV seiner Klasse.

Der Kodiaq misst 4,70 Meter und ist damit über 20 Zentimeter länger als der VW Tiguan Skoda

Getarntes Vorserienmodell des Skoda Kodiaq

Der neue Tscheche im SUV-Segment misst 4,70 Meter und ist damit über 20 Zentimeter länger als der VW Tiguan

Skodas sogenannte „kristalline“ Tarnfolie hat es in sich. Niemand vermag zu erkennen, was für ein SUV darunter steckt. Das hat seinen guten Grund. Es sind Vorserienmodelle des Kodiaq, unterwegs auf letzten Abstimmungsfahrten. Die tschechische Volkswagentochter wird ihren neuen Geländewagen erst am 1. September der Öffentlichkeit zeigen und will sich bis dahin vor Erlkönig-Jägern, den Paparazzi der Autoindustrie, schützen. So lange gilt die höchste Geheimhaltungsstufe.

Dabei hat Skoda seine jüngste Neuheit in fast identischem Outfit bereits im März auf dem Genfer Autosalon gezeigt. Dort hieß das Auto nur „Vision S“ und galt offiziell als Studie. Das Serienmodell wird bis auf wenige Details genauso aussehen. Es wird den typischen Hexagonal-Grill tragen, das Vieraugen-Gesicht haben und seitlich über die gleiche Fenster-Graphik verfügen.

Der Kodiaq misst 4,70 Meter und ist damit über 20 Zentimeter länger als der VW Tiguan, mit dem er sich die technische Grundlage teilt. Skoda wollte mehr Raum und Funktionalität bieten, wofür der Autobauer mittlerweile weit über seine tschechischen Grenzen bekannt ist.

Die vier getarnten Kodiaq stehen für eine letzte Testfahrt bereit. Ort des Geschehens: Storfjord in Norwegen. Ein Gebiet fast wie Alaska, nach dessen Bären Skoda sein SUV benannt hat. Mit an Bord sind Vorstände, Designer und Entwickler. Fürs Cockpit gilt strengstes Fotografier-Verbot.

Vier getarnte Kodiaq hat Skoda zu Testfahrten bereitgestellt. Ort des Geschehens: Storfjord in Norwegen Skoda

Getarntes Vorserienmodell des Skoda Kodiaq

Vier Fahrzeuge Skoda für Testfahrten im norwegischen Storfjord bereitgestellt.

Einige Bereiche sind mit schwarzer Folie verklebt, viele Kunststoffteile haben noch keine Narbung, sehen dadurch glatt und billig aus. Erst wenn die Passungen optimal sitzen, erhalten die Teile ihre endgültigen Oberflächen. Zu sehen sind jedoch klar gezeichnete Rundinstrumente und in der Mitte des Armaturenbretts ein großes 8-Zoll-Display, dessen seitliche Bedientasten ebenfalls unter Glas sind.

Das sieht edel und hochwertig aus. Skoda verwendet hier die neueste Generation des MIB, des Modularen Infotainment Baukastens aus dem VW-Konzern. Daher stehen auch erstmals Apps, ein WLAN-Hotspot, verschiedene Online-Dienste und sogar eine kabellose Ladeschale fürs Handy in der Aufpreisliste. Auch die Kartendarstellung als Google Earth und Google Street View ist jetzt möglich. Moderner war noch nie ein Skoda.

Vielseitiger und praktischer allerdings auch nicht. Optional kann der Kodiaq als erstes Modell von Skoda mit einer dritten Sitzbank geordert werden. Sie steckt im Kofferraumboden und lässt sich ruckzuck aufstellen. Bieten diese Notsitze gewöhnlich gerade einmal Kleinkindern Platz, so können im Kodiaq auch Erwachsene dort halbwegs vernünftig sitzen. Vorausgesetzt, die beiden vorderen Sitzreihen werden ein wenig nach vorne geschoben. „Der Kodiaq ist ein echter Siebensitzer“, sagt Vorstandschef Bernhard Maier, „das finden Sie sonst nirgends im Segment.“

Die Heckklappe öffnet (gegen Aufpreis) und schließt mittels Fußschwenk Skoda

Getarntes Vorserienmodell des Skoda Kodiaq

Die Heckklappe öffnet (gegen Aufpreis) und schließt mittels Fußschwenk

Unschlagbar dürfte der tschechische Bär auch in den Disziplinen Kofferraum und Ladekapazität sein. Als Fünfsitzer passen hinten noch üppige 720 Liter rein. Liegt die zweite Sitzreihe flach, sind es gigantische 2.065 Liter, mehr als selbst der als Raumwunder titulierte Mercedes E-Klasse Kombi zu bieten hat. Lumpen lässt sich Skoda auch bei der Funktionalität nicht. Die Heckklappe öffnet (gegen Aufpreis) und schließt mittels Fußschwenk. Praktisch, wenn der Einkauf nicht zuvor auf den Boden gestellt werden muss.

Zum Marktstart Anfang nächsten Jahres – bestellt werden kann ab September – wird Skoda den Kodiaq mit bekannten Aggregaten aus dem Wolfsburger Konzern ausstatten. Bei den Benzinern beginnt es mit 1,4 Litern und 125 PS. Diese Basisversion gibt es nur mit manuellem Sechsganggetriebe und Frontantrieb.

Preise werden noch kalkuliert, sollen aber „auf Superb-Niveau“ liegen, was bedeutet: Der Kodiaq startet bei rund 25.000 Euro. Als zweiter Benziner kommt der 1.4 TSI mit 150 PS zum Einsatz. Er kann wahlweise mit Allrad und Doppelkupplungsgetriebe bestellt werden. Beides ist beim Top-Modell, dem 2.0 TSI mit 180 PS serienmäßig.

Der Turbomotor wurde jüngst von Audi entwickelt und überzeugte auf der Testfahrt durch leisen Lauf und guten Durchzug schon aus niedrigen Drehzahlen. Allerdings zeigte der Bordcomputer recht sportliche 10,2 Liter Verbrauch an. Laut Entwicklungsvorstand Christian Strube soll der Realverbrauch aber zwischen acht und neun Litern liegen.

Optional kann der Kodiaq als erstes Modell von Skoda mit einer dritten Sitzbank geordert werden Skoda

Getarntes Vorserienmodell des Skoda Kodiaq

Optional kann der Kodiaq als erstes Modell von Skoda mit einer dritten Sitzbank geordert werden

Die meisten Kunden in Deutschland und Europa werden eh zum Diesel greifen. Den bekannten Zweiliter-TDI gibt es mit 150 und 190 PS. Mit beiden Versionen ist der Kodiqa sehr gut bedient, gefällt durch gute Elastizität und spontane Gasannahme. Wem diese Leistung nicht reicht, muss mindestens noch bis 2018 warten.

Dann wird Skoda vermutlich den Biturbo-Diesel mit 230 PS bringen und das Modell Kodiaq RS nennen. Offiziell bestätigt Vorstand Bernhard Maier das Power-Packet noch nicht, doch weiß man vom Octavia RS, dass mehr als 20 Prozent der Kunden diese Version wählen. Das lässt hoffen.

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