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10.08.2011

15:52 Uhr

Fahrwerk-Innovationen

Neue Technologien fürs sanfte Fahrgefühl

Quelle:dpa

Gleiten wie in einer Sänfte? Von wegen. Lange konnten Autos Ingenieuren und Kunden nicht stramm genug auf der Straße liegen. Jetzt gehen die Hersteller auf Kuschelkurs und entwickeln Technologien fürs sanfte Fahren.

Für "querkraftfreies Fahren": Audi entwickelt ein System, das seitliche Neigebewegungen des Autos bei Kurvenfahrten ausgleichen soll - bis Tempo 130 sogar komplett. Audi

Für "querkraftfreies Fahren": Audi entwickelt ein System, das seitliche Neigebewegungen des Autos bei Kurvenfahrten ausgleichen soll - bis Tempo 130 sogar komplett.

IngolstadtMichael Bär kann sich noch genau erinnern: Als er ein kleiner Junge war, wurde ihm bei jeder zweiten Autofahrt speiübel. Und seit er als Doktorand bei Audi in Ingolstadt arbeitet, ist diese Erinnerung lebendiger als je zuvor. Denn seine Doktorarbeit dreht sich um die Frage: Wie kann der Reisekrankheit, die vorzugsweise die Passagiere im Fond befällt, die Stirn geboten werden?

Bär entwickelt dazu ein System für "querkraftfreies Fahren". Sein Projekt steht dabei für einen neuen Trend in der Autoentwicklung. Denn bis dato wurden selbst Kleinwagen für ein möglichst sportliches Gesamtbild immer strammer abgestimmt. Derzeit aber befassen sich die Ingenieure vorzugsweise mit elektronisch gesteuerten Systemen, die ein Plus an Komfort bringen sollen. Zumindest für Fahrzeuge der gehobenen Preisklasse versprechen die Hersteller ein ruhigeres Dahingleiten.

Bär wirkt mit seinem adaptiven Fahrwerk der Querkraft entgegen: "So, wie sich ein Motorradfahrer in die Kurve legt, macht das auch unser Prototyp." Auf einer Testfahrt zeigt sich, was der Doktorand meint. Wo es einen sonst kräftig in die Seitenwangen der Sitze drücken würde, bleibt man völlig gerade sitzen. Möglich machen das spezielle Federelemente an den Achsen und vorausschauende Videokameras. Mit ihrer Hilfe wird der Wagen bei Kurvenfahrten in Sekundenbruchteilen um bis zu fünf Zentimeter angehoben oder abgesenkt. Bis Tempo 130 lasse sich die Querkraft komplett ausgleichen, sagt Bär.

Das Thema kommt beim Top-Management gut an. Schließlich sitzen die Herren Vorstände selbst oft genug auf der Rückbank und versuchen während der Fahrt zu arbeiten. Und wer möchte, deaktiviert das System. So könnten die Kurven trotzdem genossen werden, sagt Bär. Audi-Entwicklungschef Michael Dick verspricht eine gründliche Prüfung auf Serientauglichkeit: "Für die nächste Generation von Q7 oder A8 wäre das sicher eine tolle Sache."

Kommentare (1)

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josefhirsepp

11.08.2011, 02:05 Uhr

Gut zu wissen, wie das geht, doch wir warten immer noch auf die Neigezugtechnik, ohne Macken! Wer so "dahingleiten" oder Neudeutsch Cruisen will, der kann fuer wenig Geld einen AMI-Schlitten kaufen, auf ERDGAS-Betrieb umruesten, und einen "sensiblen" Chauffeur heuern, nach dem Motto: wenn der Kaffee aus der Tasse schwappt, dann bist du gefeuert......Unvorhergesehene Ausweichmanoever, wird auch die Querkraft-Kompensations-Technik nicht neutralisieren!.....Uebrigens, mit Hilfe der Luftfederung haben trucks und Busse schon solch einen Vorlaeufer verbaut!

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