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11.04.2014

13:53 Uhr

Ferrari 458 Speciale

Der heißeste Hengst im Ferrari-Stall

VonBenjamin Bessinger
Quelle:Spotpress

Wie soll man einen 570 PS-Sportwagen noch steigern? Am besten, in dem man etwas weglässt – zum Beispiel 90 Kilogramm. Wenn man dann noch den Motor tunt und die Elektronik neu programmiert, kommt keine Kurve ungelegen.

Fahrbericht: Ferrari 458 Speciale - Am liebsten quer Ferrari

Liegt gut in der Kurve - der Ferrari 458 Speciale.

Darf’s ein bisschen mehr sein? Ach nö, vielen Dank! Wer in diesen Tagen beim Ferrari-Handler aufläuft, der ist mit ein bisschen Bescheidenheit gut beraten und sollte auf alle Luxus-Offerten verzichten. Denn zumindest wenn es wirklich um den Fahrspaß geht und nicht ums Posing auf dem Golfplatz, dann ‎gilt bei die Italienern die Devise „weniger ist mehr“. Aus diesem Geist heraus haben sie den 458 Italia zum Speciale weiterentwickelt und dafür zuallererst einmal 90 Kilo gespart: Neue Räder, noch mehr Anbauteile aus Karbon, keine Dämmung, dünnere Scheiben und vor allem ein puristisches Interieur ohne Lack und Leder drücken das Trockengewicht auf 1.290 Kilo und haben noch einen angenehmen Nebeneffekt: Der Motor im Heck klingt jetzt wie befreit und brüllt noch lauter und leidenschaftlicher als je zuvor.

Schon der Diäterfolg würde wahrscheinlich reichen, um aus dem Sportler einen Supersportler zu machen. Doch genau wie schon bei den Vorgängern Challenge Stradale und 430 Scuderia hat es Ferrari nicht beim Fasten belassen. Natürlich haben die Italiener auch noch einmal am 4,5 Liter großen Motor gearbeitet, die Leistung auf 445 kW/605 PS gesteigert und dem Italia so mal eben den stärkten V8 in der Firmengeschichte ins Heck gepflanzt. Zum rekordverdächtigen Leistungsgewicht von 2,13 Kilo pro PS gibt es eine noch kompromisslosere Programmierung für das elektronisch gesteuerte Fahrwerk, Bremsen mit dem Biss einer dänischen Dogge und eine ausgefeilte Aerodynamik, die den Wagen förmlich an der Straße festsaugt.

Neue Räder, noch mehr Anbauteile aus Karbon, keine Dämmung, dünnere Scheiben und vor allem ein puristisches Interieur ohne Lack und Leder drücken das Trockengewicht auf 1.290 Kilo Ferrari

Neue Räder, noch mehr Anbauteile aus Karbon, keine Dämmung, dünnere Scheiben und vor allem ein puristisches Interieur ohne Lack und Leder drücken das Trockengewicht auf 1.290 Kilo

Zwar muss man schon sehr genau hinschauen, um die ausgeklügelte Luftführung zu erkennen, weil sich die Italiener für den pubertären Protz von Spoilern und Schwellern zu schade sind. Doch wenn man den Wagen tatsächlich mal im Stillstand umrunden kann, fallen an der Flanke zwei kleine Finnen auf und im Bug die drei kompakten Klappen. Sie öffnen sich allein durch den Luftdruck bei 170 und 220 km/h und lenken den Fahrtwind so am spiegelglatten Unterboden vorbei, dass der Abtrieb deutlich gesteigert wird. Zugleich bewegen sich am Heck zwei elektrische Klappen und lenken den Luftstrom besonders effizient durch den Diffusor. So fühlt es sich an, als würde ein Elefant mit einem Fuß aufs Dach drücken, während er mit einem anderen ausholt und dem 458 gewaltig in den Hintern tritt.

All das kumuliert in einem Fahrerlebnis, das intensiver und radikaler kaum sein könnte. Wer sich zwingt und das Manettino, jenen Lenkradschalter für die elektronische Charakterpflege, auf der softesten von fünf Stufen lässt, der kann zur Not auch mit dem Speciale halbwegs entspannt ins Büro pendeln oder mit Damenbegleitung durchs Wochenende cruisen. Doch dafür braucht man keinen Ferrari, sondern kann auch Fiat fahren.

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