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24.05.2014

08:42 Uhr

Fiat 500 als Gebrauchtwagen

Der Retro-Charme-Effekt schwindet

Quelle:dpa

Der Fiat 500 trifft den Geschmack vieler Autofahrer(innen). Doch mit steigendem Alter weist der kleine Italiener zunehmend Schwachstellen auf. Und die können schnell teuer werden.

Fiat 500 als Gebrauchter dpa

Fiat 500 als Gebrauchter

BerlinAls 2007 der Fiat 500 auf den Markt kam, markierte er einen Retro-Trend. Das Kleinstwagenmodell sollte möglichst nah an das Original aus den 1950er Jahren angelehnt sein und trotzdem den Zeitgeist treffen - was gelang, denn er gefiel auf Anhieb einer größeren Kundschaft. Zufrieden konnten seine Fahrer die ersten Jahre auch in Sachen Pannenanfälligkeit sein. Doch damit hören die guten Nachrichten auch schon auf.

Der „TÜV Report 2014“ warnt sogar: Wer dem Retro-Charme des kleinen Italieners blind vertraue, der zahle drauf. Schon bei dreijährigen Exemplaren liegt die Mängelquote der Traggelenke im Fahrwerk zehnmal so hoch wie im Durchschnitt. Weitere Schwachstelle sei die Fußbremse, die nach fünf Jahren in der Statistik negativ auffällt. Zudem neige der Endschalldämpfer – anders als die Karosserie – zu Rost.

Besser schneidet der Fiat 500 beim ADAC ab, der ihn auf seine Pannenanfälligkeit hin beobachtet hat. In den Anfangsjahren dokumentierte der Club für den Kleinwagen mit die wenigsten Aussetzer in seiner Klasse.

Downsizing brutal – Fiat 500 Zweizylinder

Video: Downsizing brutal – Fiat 500 Zweizylinder

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Doch auch hier bringt das Alter nichts Gutes. Weil vor allem bei den betagten Baujahren Probleme aufgetreten sind, ist die Bilanz mittlerweile verwässert. Demnach kämpfen Exemplare von 2008 und 2009 immer wieder mit defekten Kraftstoffpumpen, und es gab Fehler im Motormanagement. Lose Schaltgestänge behinderten mitunter die Kraftübertragung (2010 und 2011). Allgemein bekommen es 500-Fahrer recht oft mit entladenen Batterien zu tun.

Der Fiat 500 hat eine lange Geschichte. Die Erstauflage, genannt Topolino (zu Deutsch: Mäuschen) kam 1936. Die Ausgabe von 2007 mit Steilheck und drei Türen ist nach Fiat-Zählart die vierte Auflage, sie orientiert sich stilistisch allerdings am historischen Vorbild des Nuova 500 von 1957.

Die Motorenauswahl ist beim Fiat 500 für ein Auto seiner Klasse recht groß. In der vierten Fahrzeuggeneration gibt es neben Benzinern auch Diesel und einen Erdgasantrieb. Die Ottomotoren kommen je nach Baujahr und Ausführung auf 51 kW/69 PS bis 118 kW/160 PS.

Der sparsame TwinAir-Zweizylinder leistet 62 kW/85 PS. Die Selbstzünder leisten 55 kW/75 PS bis 70 kW/95 PS, in der Langversion L Living mit dritter Sitzreihe gibt es auch Aggregate mit 77 kW/105 PS und 88 kW/120 PS.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Mit im Schnitt 4.950 Euro am günstigsten ist ein Fiat 500 der vierten Generation vom Baujahr 2007 mit 51 kW/69 PS. Diesen Wert nennt die Schwacke-Liste für den 1.2 Pop und geht dabei von einer durchschnittlichen Laufleistung von 69.750 Kilometern aus.

Wer die Living-Version als Diesel 1.3 Multijet Start&Stopp Lounge mit 62 kW/84 PS von 2012 sucht, sollte bei einem Tachostand von rund 46.450 Kilometern für etwa 13.550 Euro fündig werden. Noch 11.000 Euro müssen für einen 500 C 1.4 16V Automatik Abarth mit 103 kW/140 PS und Rollstoffdach von 2010 eingeplant werden (42.750 Kilometer).

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