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19.04.2017

11:20 Uhr

Fiat 500 als Gebrauchtwagen

Oberflächlich schön

Quelle:dpa

Der Fiat 500 trat die Retrowelle nicht los, aber surfte ganz schön gut auf ihr. Doch das Auto ist technisch von der ziemlich unzuverlässigen Sorte.

Retro-Flair: Der Fiat 500 hat aufgrund seines Designs viele Fans, doch von Experten bekommt er viele Minuspunkte aufgrund seiner nicht immer verlässlichen Technik. Foto: Fiat/dpa-tmn dpa

Fiat 500 als Gebrauchter

Retro-Flair: Der Fiat 500 hat aufgrund seines Designs viele Fans, doch von Experten bekommt er viele Minuspunkte aufgrund seiner nicht immer verlässlichen Technik. Foto: Fiat/dpa-tmn

„Beim TÜV beherrscht er keine Disziplin wirklich gut”, so niederschmetternd bilanziert der „TÜV Report 2017” die technischen und qualitativen Aspekte des Fiat 500. Italienisches Lebensgefühl fahre zwar mit, doch erntet der 500 in praktisch allen Prüfkategorien der Kfz-Hauptuntersuchung (HU) Minuspunkte.

Ganz übel sieht es bei den Radaufhängungen aus. Hier lägen die Mängelquoten extrem hoch. Abhängig vom Baujahr treffe dies auch auf die Federung und Dämpfung zu. Auch die Scheinwerfer sind zu oft verstellt. Bremsschläuche und -scheiben zeigen sich bereits bei der zweiten HU als markant marode, hohe Mängelquoten auch bei der Bremswirkung ab dem siebten Jahr. Hinzu kommt häufiger Ölverlust.

Trost für Fans des sich gut verkaufenden 500 findet sich im Design. Der Kleinstwagens aus Italien gilt als gelungene moderne Wiederaufnahme der Formensprache des Vorbilds Nuova 500 von 1957.

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Über den Sinn von 180 PS in einem Kleinwagen lässt sich streiten, über das breite Grinsen der Menschen darin aber nicht. Dieses Mobil ist eine Flucht aus dem Alltag – allein schon deshalb, weil es kaum alltagstauglich ist.

Gute Worte kann dem knuffigen Liebling der Frauen indes auch der ADAC nicht gönnen. Denn das modische Retro-Auto schneidet in der Pannenstatistik des Clubs mau ab: „In der Statistik 2016 liegt er mit einigen Mängelschwerpunkten nur am unteren Feld der Kleinstwagenklasse”, so der ADAC.

Besonders Exemplare der Baujahre 2010 und 2011 wiesen tiefrote Pannenkennziffern auf. Gründe waren kaputte Kraftstoffpumpen (bis Baujahr 2012), überhitzte Kühlsysteme (bis 2011) oder auch defekte Kurbelwellensensoren (bis 2009).

Die Rückrufliste ist lang, der ADAC hat sieben Aktionen gezählt. Die größte betraf im April 2009 insgesamt 6235 Autos der Bauzeit September 2008 bis Februar 2009, bei denen eine Blockade der Hinterräder drohte - mit allen Auswirkungen auf die Fahrsicherheit.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Je nach Lesart kann man die Geschichte des Fiat 500 noch weiter als bis zum historischen Vorbild Nuova 500 zurück verfolgen. Denn schon 1936 kam das erste Auto von Fiat mit der Ziffernfolge 500 heraus. 2007 trat der aktuelle 500 das numerische und stilistische Erbe des einstigen Fiat-Kernmodells an. Sein gelungenes Designs zeigt sich auch darin, dass Fiat erst 2013 ein erstes Facelift verordnete.

Mittlerweile gibt es eine kleine Modellfamilie. 2009 kam der 500C mit großem Faltdach. Seit 2012 fährt der 500L als Vanvariante auf den Straßen, die ein Jahr später als 500L Living auch als Siebensitzer aufgelegt wurde. Dieses Auto ist mit 4,35 Meter allerdings 80 Zentimeter länger als der normale 500. Und 2014 rollte das kleine SUV 500X in den Handel.

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Das Motorenauswahl ist recht variantenreich. Es gibt die üblichen Reihenvierzylinder, es gibt den TwinAir genannten Zweizylinder. Es gibt Benzin- und Dieselantriebe, aber auch die Erdgasvariante Natural Power beim 500L. Je nach Baujahr, Ausführung und Aufbau leisten die Benziner im 500 zwischen 51 kW/69 PS und 139 kW/190 PS im Abarth Biposto. Die Diesel decken eine Spanne von 55 kW/75 PS und 103 kW/140 PS ab. Der Erdgasantrieb im Van leistet 63 kW/86 PS.

Wer einen Fiat 500 0.9 TwinAir Start&Stopp Lounge mit 63 kW/85 PS von 2013 sucht, kann laut Schwacke-Liste einen durchschnittlichen Handelspreis von 8.450 Euro ansetzen. Solche Autos haben im Mittel 40 500 Kilometer als Laufleistung hinter sich.

Soll es ein Diesel sein, kann im Falle des 500 1.3 Multijet 16V DPF Lounge mit 70 kW/95 PS von 2009 noch mit 6.550 Euro kalkuliert werden (122.200 Kilometer). 10.050 Euro sind für einen 500L Natural Power von 2014 notiert (41.150 km). Günstigster 500X auf dem Gebrauchtmarkt ist der 1.6 E-torQ 4x2 Pop von 2014, der mit 9.750 Euro und 41.150 Kilometern geführt wird.

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