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01.03.2014

10:28 Uhr

Fiat Panda im Gebraucht-Check

Kultig, aber mit Ecken und Kanten

Quelle:dpa

Für Fiat ist er eine Konstante: Seit 1980 gibt es den Panda. Neben dem erfolgreichen 500 kann das Unternehmen also auf den Kleinwagen zählen. Für Panda-Fahrer gilt das nicht immer.

Bei der zweiten Generation des Fiat Panda - hier ein Exemplar von 2003 - ist laut TÜV vor allem das Fahrwerk anfällig für Mängel. dpa

Bei der zweiten Generation des Fiat Panda - hier ein Exemplar von 2003 - ist laut TÜV vor allem das Fahrwerk anfällig für Mängel.

BerlinBei der seit 2003 gebauten zweiten Modellgeneration ist vor allem das Fahrwerk ein Problemfeld: Die Mängelquoten bei Traggelenken und Querlenkern liegen drei- bis zehnmal so hoch wie der Durchschnitt im Rahmen der Kfz-Hauptuntersuchung (HU), meldet der «TÜV Report 2014».

Weiterer Schwachpunkt sei die Betriebsbremse, die bei dreijährigen Fahrzeugen eine um den Faktor sieben erhöhte Mängelquote aufweise. Der Endschalldämpfer neigt zum Rosten. Immerhin aber sei der Wagen gegenüber der ersten Modellgeneration viel haltbarer.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Auch den Pannenhelfern des ADAC sind bei dem kleinen Italiener einige typische Macken aufgefallen. So stellte der Automobilclub bei bis 2005 gebauten Exemplaren mit Benzinmotor gehäuft Störungen im Motormanagement und defekte Wegfahrsperren für Fahrzeuge der Baujahre 2003 bis 2005 fest. Bei Benzinern von 2004 streikten öfters Kraftstoffpumpen und Drosselklappenpotentiometer.

Im Jahr 1980 schlug Fiat das Kapitel Panda auf. Angesichts der heutigen Modellzyklen fast undenkbar: Das erste Modell lief äußerlich fast unverändert bis 2003 vom Band. Abgelöst wurde es von der zweiten Generation, die es über den Marktstart der dritten Auflage im Jahr 2012 noch einige Zeit parallel als Neuwagen zu kaufen gab.

Von jeder Panda-Generation legte Fiat auch eine 4x4-Variante mit Allradantrieb auf. Als einer der ersten Kleinwagen statteten die Italiener den aktuellen Panda mit einem optionalen Notbremsassistenten aus.

Einen Rußpartikelfilter installierte Fiat beim Diesel allerdings erst ab 2006. Der 1,3-Liter-Motor leistet in der zweiten Panda-Auflage je nach Baujahr und Ausführung 51 kW/70 PS oder 55 kW/75 PS. Die Benziner kommen auf 40 kW/54 PS, 44 kW/60 PS, 51 kW/69 PS und 73 kW/100 PS.

Für die Erdgasversion namens Natural Power stehen 44 kW/60 PS oder 57 kW/77 PS im Datenblatt. Während die zweite Auflage des Kleinwagens ausschließlich mit Vierzylinder-Aggregaten ausgeliefert wurde, kommen in der aktuellen Generation auch Zweizylinder-Turbomotoren zum Einsatz.

Auf dem Gebrauchtwagenmarkt wird laut dem Branchendienst Schwacke zum Beispiel die Erdgas-Variante Fiat Panda 1.2 Natural Power mit 44 kW/60 PS von 2007 für um die 4850 Euro gehandelt - bei einer durchschnittlichen Laufleistung von 89 200 Kilometern.

Ein 55 kW/75 PS starker Panda 1.3 Multijet Diesel DPF Dynamic von 2011 sollte für etwa 6750 Euro zu finden sein (53 750 Kilometer). Gut 6000 Euro müssen für einen Panda 1.4 100 HP mit 73 kW/100 PS von 2010 einkalkuliert werden (53 200 Kilometer).

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