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11.08.2014

11:29 Uhr

Ford Fiesta als Gebrauchter

Ein solider Kölner, der gut wegkommt

Quelle:dpa

Auch er fährt und fährt - der Ford Fiesta gehört zu den beliebtesten Kleinwagen in Deutschland. Ein Klassiker, der kaum mit schweren Mängeln in Erscheinung tritt. Nur ab und zu zickt er rum.

Der Ford Fiesta gilt Experten zufolge als ein Auto, das seine Fahrer selten hängen lässt. dpa

Der Ford Fiesta gilt Experten zufolge als ein Auto, das seine Fahrer selten hängen lässt.

BerlinDer Ford Fiesta ist in Deutschland einer der beliebtesten Kleinwagen. Gegen seine Hauptkonkurrenten Opel Corsa und VW Polo behauptet er sich, auch wenn er deren Zulassungszahlen nicht erreicht. Kunden geraten beim Fiesta in der Regel an ein zuverlässiges Auto, das sich nur wenig Negatives leistet.

«Ein solider Kleinwagen», konstatiert der «TÜV Report 2014». Bei der Kfz-Hauptuntersuchung zeige sich der Fiesta selbst nach vielen Jahren an verschleißfreudigen Bauteilen wie den Achsgelenken oder dem Auspuff robust. Auf dem Prüfstand leistet sich der Kölner im Prinzip nur kleine Zipperlein.

Die Frontscheinwerfer etwa sind öfter mal verstellt. Und die ermittelte Bremsleistung des aktuellen Modells liegt leicht unter den Durchschnittswerten, wohl wegen oft etwas mangelhafter Wartung.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Den Pannenhelfern des ADAC ging der Kleinwagen unter anderem ins Netz, weil die Kraftstoffpumpe defekt war - das kam signifikant häufig bei Exemplaren von 2011 vor. Dazu kommen gebrochene Federn (bis 2006).

Doch insgesamt führt auch der Autoclub eine recht kurze Mängelliste. Allerdings gab es in den vergangenen acht Jahren mehrere Rückrufaktionen - wegen Problemen mit den Gurtbeschlägen, dem Motoransaugkanal oder den Bremsleitungen.

Im Zyklus der Modellpflege ist der Ford Fiesta gegenüber seinen Hauptkonkurrenten derzeit etwas im Hintertreffen. Der Polo hat gerade ein Facelift hinter sich, beim Corsa steht es kurz bevor. Der Kölner fährt seit 2012 im aktuellen Design. Auf den Markt kam das als Drei- und Fünftürer erhältliche Auto 1976. Die mittlerweile siebte Auflage debütierte in den Verkaufsräumen der Händler in Europa im Jahr 2008.

Bis zu 134 kW/182 PS reicht die Motorleistung des Kleinwagens aktuell. Schwachbrüstigster Benziner seit der 2001 gestarteten sechsten Modellgeneration ist ein Vierzylinder mit 44 kW/60 PS. Die seitdem verbauten Dieselaggregate bringen es auf 50 kW/68 PS bis 70 kW/95 PS.

Seit 2009 ist zudem eine Autogasversion (LPG) mit 68 kW/92 PS im Handel. Verbrauchsgünstigster konventioneller Motor ist der 1,6-Liter-Diesel mit 70 kW/95 PS, der in der Sparversion Econetic nach Norm 3,3 Liter (CO2-Ausstoß: 87 g/km) verlangt.

Wer auf dem Gebrauchtwagenmarkt nach einem Fiesta 1.6 TDCi Econetic Trend mit Start-Stopp-System von 2012 Ausschau hält, sollte um die 9550 Euro einplanen. Diesen Richtwert und eine durchschnittliche Laufleistung des Modells von 44 000 Kilometern nennt die Schwacke-Liste. Mit 3750 Euro weit günstiger ist Fiesta von 2007 als 1.3 Ambiente mit 44 kW/60 PS starkem 1,3-Liter-Benziner gelistet (87 000 Kilometer). Ein gut ausgestatteter Fiesta 1.4 LPG Titanium von 2009 führt Schwacke noch mit 8000 Euro, bei durchschnittlich 63 000 Kilometern auf dem Tacho.

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