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18.06.2016

10:49 Uhr

Ford Ka II als Gebrauchtwagen

„Ka“, wie „Kann man machen“

Quelle:Spotpress

Im Vergleich zum ersten Ford Ka ist die zweite Generation in vielfacher Hinsicht ein Fortschritt. Der bereits sehr günstig zu habende Kleinstwagen hat aber dennoch mit einigen Problemen zu kämpfen.

Die meisten Ford Ka II gibt es mit 1,2-Liter-Benzinermotor Ford

Die meisten Ford Ka II gibt es mit 1,2-Liter-Benzinermotor

Trotz seiner durchwachsenen TÜV-Bilanz muss man nicht gleich vor dem Kauf zurückschrecken. Im Gegenzug lockt der Ford Ka II nämlich mit günstigen Gebrauchtpreisen.

Für einen 12 Jahre dauernden Produktzyklus, wie beim ersten Ford Ka, hat es für die von 2009 bis April 2016 gebaute zweite Ka-Generation nicht gereicht. Zwar machte der Ka II vieles besser als sein Vorgänger, doch das Ford-Modell mit italienischen Wurzeln hat auch seine Tücken. Italienisch? Jawoll, der Ka ist der Technik-Bruder des im polnischen Fiat-Werk Tychy produzierten Cinquecento.

Karosserie und Innenraum: Nach dem Fiat 500 sieht der Ka II gar nicht aus. Die zweite Generation der kleinsten Ford-Baureihe ist vielmehr erfreulich eigenständig. Zudem wirkt sie im Vergleich zum eigenwilligen Vorgänger selbst heute noch frisch und selbstbewusst. Fast wundert man sich, dass der Ka nur 3,62 Meter kurz ist.

Wie schon beim ersten Ka ist auch der Fiat-Ka allein als Dreitürer zu haben. Wer also mit Kindern unterwegs ist, die sich noch nicht selbst anschnallen, sollte nach anderen Minis mit vier Türen Ausschau halten.

Vorne ist das Platzangebot für einen Kleinstwagen in jedem Fall gut, der Arbeitsplatz funktional und zudem ordentlich verarbeitet. Und für einen Ford präsentiert er sich erfrischend anders, denn hier kommen ja nur Teile aus dem Fiat-Regal zum Einsatz.

Hinten sind die Platzverhältnisse segmenttypisch bescheiden, weshalb sich Erwachsene hier eingeengt fühlen. Der Kofferraum fasst normal 224 Liter, bei umgeklappter Rückbank werden daraus rund 700 Liter.

Motor und Fahrwerk: Bei den Motoren ist die Auswahl überschaubar. Immerhin zählt der Ka zu den wenigen Kleinstwagen, die zeitweilig auch mit Diesel angeboten wurden. Dieser 1,3-Liter-Selbstzünder von Fiat, der 55 kW/75 PS und 145 Nm Drehmoment leistet, ist der schwungvollere und mit rund vier Litern Verbrauch auch der sparsamere Antrieb.

Sehr viel häufiger auf dem Gebrauchtmarkt findet man den 1,2-Liter-Vierzylinderbenziner mit 51 kW/69 PS. Dieser ist weder besonders temperamentvoll noch besonders durstig (rund 5 Liter). Ob Diesel oder Benziner: Beide Antriebe sind ausschließlich in Kombination mit einem manuellen Fünfgang-Getriebe zu haben. Minimal effizienter sind übrigens die ab Ende 2010 produzierten Exemplare mit Start-Stopp-Automatik. Statt nur Euro 4 kann der Diesel seither Euro 5, der Benziner sogar Euro 6.

Der Innenraum des Ka II präsentiert sich dank seiner Fiat-Gene Ford-untypisch Ford

Blick in den Innenraum

Der Ka II präsentiert sich dank seiner Fiat-Gene eher Ford-untypisch

Anders als die Motoren bietet das Fahrwerk eine recht gute Basis für zumindest etwas Fahrspaß. Im Stadtverkehr und auf Landstraßen kommt man trotz einer etwas zu leichtgängigen Lenkung angenehm schwungvoll ums Eck. Außerdem bügelt der durchaus schluckfreudige Unterbau Unebenheiten ordentlich weg.

Ausstattung und Sicherheit: Wer Wert auf etwas mehr Ausstattungskomfort legt, sollte am besten zur Titanium-Version greifen. Diese verfügt über eine Klimaanlage, ein CD-Radio und ein Lederlenkrad. Alternativ gibt es die mittlere Ausstattung Trend, die unter anderem ESP und vier Airbags bietet.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Seit Ende 2010 umfasst das Trend-Paket außerdem elektrische Außenspiegel und Fensterheber. Dank der ordentlichen Sicherheitsausstattung gab es 2008 für den Ka II vier Sterne beim EuroNCAP-Crashtest. Sehr spartanisch ausgestattet ist die Version Ambiente, bei der unter anderem die Anzahl der Airbags auf zwei reduziert wurde.

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