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30.12.2015

07:47 Uhr

Ford Mustang V8 GT im Handelsblatt-Autotest

Der Wilde Westen in meiner Garage

VonOliver Stock

Lass das Pony raus. Warum? Weil es rennen will. Viel mehr kann der Mustang nicht. Aber das kann er richtig gut. Ein ziviler Fahrbericht.

Der macht schon seit 1964 neugierig, der Ford Mustang. Das ganz neue Pony-Car gibt es erstmals offiziell in Deutschland, also beim Händler und nicht beim Importeur. Als Cabrio und als Fastback, wie abgebildet. Die Preise beginnen bei rund 37.000 Euro, unser Testwagen kostet 49.000. Mit 421 PS, und ohne Black Beauty. Frank G. Heide

Das neue Pferd im Stall

Der macht schon seit 1964 neugierig, der Ford Mustang. Das ganz neue Pony-Car gibt es erstmals offiziell in Deutschland, also beim Händler und nicht beim Importeur. Als Cabrio und als Fastback, wie abgebildet. Die Preise beginnen bei rund 37.000 Euro, unser Testwagen kostet 49.000. Mit 421 PS, und ohne Black Beauty.

DüsseldorfLassen Sie die Augen zu und hören Sie einmal nur auf diese Namen: Neunelfer, Bugatti, Mustang. In ihren Gedanken ziehen die Ikonen vorüber. Der Porsche in seiner schönsten Form. Dann dieser Ur-Rennwagen aus der Vorkriegszeit in knalligem Blau, der Fahrer hockt nur hinter einer winzigen Scheibe. Und schließlich der Amerikaner. Der Inbegriff eines Sportcoupés aus dem Land der immer schon unbegrenzten Möglichkeiten. Schiere Leistung unter der Haube. Bullig, böse, aber gerade noch nicht protzig. So. Und jetzt Augen auf und da steht er. Der Dritte im Bunde, der Mustang, in Volcano Orange, eine Farbe, die so heißt, weil sie an glühende Lava erinnert.

Ich habe mir den Ford Mustang GT Fastback vom Kölner Ford-Werk ausgeliehen. Natürlich den mit der Fünf-Liter-V8-Maschine. Da hat er angemessene 421 PS. Das Modell mit dem Eco-Boost-Motor, das Ford auch anbietet, kommt uns nicht auf den Hof. Wenn ich die Vernunft ausschalte wie den blubbernden Motor mit dem Stopp-Knopf rechts neben dem Knie, dann mache ich das gründlich.

Dann zucke ich nicht wenn es Mühe macht, den Wagen unter 14 Liter-Verbrauch zu zwingen, was daran liegt, dass ich den Sprint nach der Ampel von 0 auf 50 km/h jedes Mal gewonnen habe. Ich weiß, ich bin nur ein Großstadtcowboy. Vielleicht sogar auch nur ein Vorstadt-Casanova, aber ich bin es gern. Und ich spüre, dass in den Blicken, die mein Auto unweigerlich auf sich zieht, nicht nur Spott liegt. Nein, die wollen alle auch mal, vielleicht auch nur im Dunkeln, wenn sie keiner sieht - aber sie wollen es.

Ich steige ein, das schlüssellose Schließsystem hat mich erkannt. Beim Öffnen der Tür im Dunkeln malt ein Lämpchen unter dem Außenspiegel ein wunderhübsches Pony auf den nassen, schwarzen Asphalt. Meine elfjährige Tochter, der ich das später zeige, bringt sowas zum Jubeln. Ich freue mich über dieses liebevolle Detail, das ähnlich sinnfrei ist, wie Apples drehende Sanduhr, das aber zeigt: Hier hat jemand nicht einfach ein Fahrzeug gebaut, sondern ein Kultobjekt wiederauferstehen lassen.

Die erste Generation des Mustang wurde in den USA am 17. April 1964 vorgestellt und bis 1973 gebaut. Das Pony war ein Bestseller. Ford verkaufte 22.000 Stück am ersten Tag. Das Stufenheck-Coupé, der Urahn meines Modells, kostete 1964 rund 2400 Dollar, heute liegt der Grundpreis bei soliden 44.000 Euro, mein Leihwagen mit Navi, Automatik, Recaro-Sitzen und Leder kommt auf 49.000 Euro. Andere Sportwagen dieser Gewichtsklasse kosten schnell das doppelte.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Nein. Aber kaufe ich mir deswegen einen Mustang?

Das schönste Detail?

Unter den Außenspiegeln sitzen Lämpchen, die das Abbild eines Mustangs auf die Straße projizieren, wenn man die Tür öffnet.

Enttäuschend?

Der Wagen fährt bretthart. Da passt es nicht, wenn ab Tempo 160 die Motorhaube vorne flattert.

Ist er`s wert?

Der Mustang ist im Vergleich zu anderen Sportwagen ein Schnäppchen. Soviel Auto gibt es sonst nicht für dieses Geld.

Sound?

Geil. V8-Big-Block eben. Der Spaß beginnt mit der ersten Umdrehung.

Wie grün ist das Auto?

Es gibt ihn mit Ecoboost-Motor. Damit verringert sich der Verbrauch angeblich auf unter 10 Liter. Aber ehrlich: Mustang und grün? Das ist als sollte Bushido ein Requiem komponieren.

Vorbildlich?

Die Bremsen. Wer gut beschleunigt, muss auch gut stoppen. Das kann der Mustang.

Was sagt der Nachbar?

Kann der auch um die Kurve fahren? (Wer sich ein bisschen auskennt, denkt beim Mustang an Starrachse und Blattfedern. Nur wer sich besser auskennt, weiß, dass die inzwischen ausrangiert wurden.)

Wer guckt?

Alle. Wirklich alle. Zumal wenn er wie ein Matchbox-Auto in der Farbe Vulcano Orange vorüberzieht.

Wie fährt er sich?

Agil, hart, satt, laut. Die Sitze drücken im Kreuz, der Wagen ist extrem unübersichtlich.

Wo gehört er hin?

Auf die Autobahn. Wie ein echter Mustang braucht das Pony-Car viel Platz und Auslauf.

Im Innenraum geht die Liebe zum Detail weiter. Die Geschwindigkeit wird nicht nur in schnöden km/h angezeigt, sondern auf dem Tacho steht „ground speed“. Das Armaturenbrett schmücken altmodisch hübsche Kippschalter. Mit einem von ihnen lässt sich der Fahrmodus einstellen: Normal, und „Sport“ und auch „Gelände“ steht da – wobei eigentlich niemand mit dieser flachen Flunder und den riesigen Walzen an der Achse einen Offroad-Ausflug unternehmen will. Die Recaro-Sitze fühlen sich am Rücken eng an, während der Fahrt werden sie anfangen zu drücken.

Ford verzichtet auf die modische Abflachung und Ausbuchtung des Lenkrads, belässt es beim traditionellen Rund mit schrägen Streben. Der klassische Automatik-Wahlhebel in der Mittelkonsole wird durch gut erreichbare Schaltpaddles hinterm Volant ergänzt. Gut gefallen hat uns auch der enorm weite Verstellbereich des Steuers. Frank G. Heide

Blick auf die Details des Testwagens

Ford verzichtet auf die modische Abflachung und Ausbuchtung des Lenkrads, belässt es beim traditionellen Rund mit schrägen Streben. Der klassische Automatik-Wahlhebel in der Mittelkonsole wird durch gut erreichbare Schaltpaddles hinterm Volant ergänzt. Gut gefallen hat uns auch der enorm weite Verstellbereich des Steuers.

Wer glaubt, ein großes Auto zu fahren, das Platz für Fahrgäste im Fonds bietet, der hat die falsche Entscheidung getroffen. Nicht einmal Kinderbeine haben zwischen Vordersitzlehnen und Rücksitzbank Platz. Außerdem lassen sich die Vordersitze nur derart eingeschränkt umklappen, dass das Einfädeln auf die Rücksitzbank eine ähnliche Prozedur ist, wie einen Sektkorken zurück in die Flasche zu drücken. Zu Ikea braucht auch niemand mit einem Mustang zu fahren, es sei denn er hat eine Kettensäge dabei, um Billy auf Handgepäckgröße zu stutzen.

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