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16.03.2017

10:19 Uhr

Ford Ranger im Handelsblatt-Test

Mein Auto ist meine Burg

VonFrank G. Heide

Sollte morgen die Zombie-Apokalypse hereinbrechen, muss der Survival-Wagen schwer was abkönnen. Für solche Extrem-Aufgaben hat Ford den Ranger gut gerüstet. Der unverwüstliche Pick-up hat aber seine Last im Alltag.

Ein chromglänzender Grillkönig, der vieles einfach aus dem Weg räumen könnte. Kleinstwagen- und Radfahrer müssen sich aber nicht sorgen, er ist gutmütig. Und hat jede Menge sichere, moderne Assistenten an Bord. Frank G. Heide

Der Ranger von Ford ist eine unübersehbare Erscheinung

Ein chromglänzender Grillkönig, der vieles einfach aus dem Weg räumen könnte. Kleinstwagen- und Radfahrer müssen sich aber nicht sorgen, er ist gutmütig. Und hat jede Menge sichere, moderne Assistenten an Bord.

DüsseldorfWeit abstehende Trittbretter in mehr als doppelter Skateboardgröße, armdicke Chrom-Überrollbügel hinter der Doppelkabine, eine massive Metallstrebe mit keck auf Schienbeine zielender Anhängerkupplung. Dieser Ford heißt Ranger, und er ist nicht zum Spaß hier. Stolz reckt er einen Kühlergrill, dessen glänzende Oberkante an die Brust von Ein-Meter-Neunzig-Männern stößt.

Er will, ja, er muss arbeiten, ist immer auf dem Weg zum nächsten schmutzigen Projekt. Sein gewaltiger Diesel rasselt so erwartungsvoll wie ein schottisches Schloßgespenst mit seinen Ketten. Und wie man es von einem abgerockten Baustellenlaster mit amerikanischen Wurzeln erwartet spielt sein Radio gegen das permanente Getucker mit beiden Musikarten an: Country und Western.

Dieser raue Kerl mit rauer Schale und grobem Kern zeigt außen wie innen Kante: Alles ist grob und groß. Für Männerhände gebaut, die gerne in Arbeitshandschuhen stecken dürfen. Ein Trittbrett und Haltegriff helfen nach dem Aufwuchten des massigen Fahrerportals beim Einstieg auf die hohe Sitzposition. Von hier oben aus schaut man locker auf Audi-Q7-Fahrer herab, aber ohne mit dem Diesel-Lastesel irgendwelchen Sozialneid zu wecken.

Außen seht in großen Lettern „4x4“ aufgeklebt. Schade, dass das Bordbuch weniger werbewirksam darauf hinweist: Auf Allrad und Getriebeuntersetzung bitte nur im Stand wechseln, möglichst nicht während oder nur bei langsamer Fahrt, gedacht ist dieser Antrieb etwa für den Baustellenschlamm, wenn nur Traktion und kein Tempo gefragt ist.

Zu solchen äußeren Verhältnissen passt auch sein Innenraum, dessen grauer Kunststoff den Eindruck hinterlässt, ein heißer, harter Dampfstrahl wäre angebrachter als ein velourweiches Mikrofasertuch. Selbst das schwarze Leder im Testwagen wirkt, als ob es nicht chic sein wolle, sondern einfach nur haltbarer.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

In puncto Zuladung auf jeden Fall. Aber in Sachen City-Agilität und Parkraum steht sich der große Wagen selbst im Weg.

Das schönste Detail?

Die schwere Heckklappe ins Schloss werfen. Das ist wie gutes Hanteltraining.

Enttäuschend?

Die Testwagenbereifung taugte nichts bei Nässe, der Verschluss der Ladeflächenjalousie war eine Zumutung.

Ist er`s wert?

Das ist pauschal schwer zu sagen, weil es eine große Vielfalt an Ranger-Varianten, Motorisierungen und Zubehör gibt. Da hilft nur der genaue Vergleich mit Wettbewerbern wie VW Amarok, Mitsubishi L200 und Nissan Navara. Aber 40.000 Euro sind schon eine Ansage.

Sound?

Der Diesel rasselt wie ein schottisches Schloßgespenst mit seinen Ketten.

Wie grün ist das Auto?

Eine Start-Stopp-Automatik grenzt den Durst etwas ein. Aber die Karosserieform und das hohe Gewicht fordern natürlich ihren Tribut. Das Auto des arbeitenden Mannes kauft man nicht zum Sprit sparen, sondern weil man(n) was zu transportieren hat.

Vorbildlich?

"Die Räume eng machen" heißt eine Fußballstrategie, die dem Gegner das Aufbauspiel erschweren soll. Der Ranger übersetzt das dank schierer Größe perfekt vom Rasen auf den Asphalt.

Was sagt der Nachbar?

"Sie fahren nicht zufällig zur Müllkippe?"

Wer guckt?

Alle. Auf dem Baumarktparkplatz.

Wie fährt er sich?

Das Fahrgefühl liegt irgendwo zwischen Offroader und Kleintransporter. Ford kann Fahrwerk, lautet eine Binsenweisheit. Für den Ranger haben sie aber mal eine Ausnahme gemacht.

Wo gehört er hin?

Am besten in die Hände von professionellen Baumumschubsern und Grabsteintransporteuren. Eher nicht auf die Autobahn oder in enge Altstädte.

Ein reinigender Dampfstrahl ist später auch hinten gefragt: Auf der gewaltigen Ladefläche. Denn ich oute mich direkt am ersten Testtag als Pick-up-Anfänger, als ich eine Tasche mit Einkäufen einfach hinter die Heckklappe abstelle.

In der ersten Kurve höre ich schon Pfirsiche poltern, beim Bremsen klonkert Katzenfutter gegen die Rückwand der Doppelkabine. Als ich später mit Besen und Kärcher Joghurt und Zuckerrübensirup von der Ladefläche vertreibe, habe ich was gelernt: Leichtes Ladegut besser in den Innenraum.

Ein Ranger-Image, das auf den Fahrer abstrahlt: Hier ist einer auf dem Weg zu nächsten Projekt, lang und schmutzig. Frank G. Heide

Der verdreht auf dem Baumarkt-Parkplatz allen Kerlen den Kopf

Ein Ranger-Image, das auf den Fahrer abstrahlt: Hier ist einer auf dem Weg zu nächsten Projekt, lang und schmutzig.

Nur gut, dass Ford die Ladefläche hinten mit einer dickwandigen Kunststoffwanne schwarz ausgekleidet hat. Hier kann man ohne Rücksicht auf Lack und Wertverlust einfach alles reinschmeißen, was lang und schmutzig ist. Und mit der Leichtmetalljalousie aus dem überreichen Ranger-Zubehörprogramm wird Verstautes wetterfest und diebstahlsicher verrammelt und verriegelt.

Allerdings: Der meterlange Gurt, mit dem man die etwas holprig durch die Laufschiene ruckelnde Heckjalousie zu sich hinzieht, ist bei Ladegeschäften ständig im Weg. Dass der Hersteller Mountaintop noch nicht mal ein Häkchen bietet, ist so nervig wie ein Schnürsenkelknoten, der ständig aufgeht. Noch schlimmer ist der läpern wirkende Plastikhaken zur Bedienung des Verriegelungsmechanismus der Jalousie, bei dessen Handhabung drei von drei Testfahrer spontan versagen. Und das trotz „hilfreichem“ Diagramm.

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