Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.10.2013

08:48 Uhr

Forfour im Gebraucht-Check

Kurzer Auftritt für den langen Smart

Quelle:dpa

Der Smart Forfour hat nicht lange durchgehalten. Gut zwei Jahre lang baute Daimler den Kleinwagen für vier Personen, 2006 wurde die Produktion eingestellt. Doch er ist trotz Absatzschwäche kein schlechtes Auto.

Der Smart Forfour verkaufte sich schlecht - er ist aber in technischer Hinsicht laut dem ADAC kein schlechtes Auto. Gebaut wurde der kleine Viersitzer von 2004 bis 2006. PR

Der Smart Forfour verkaufte sich schlecht - er ist aber in technischer Hinsicht laut dem ADAC kein schlechtes Auto. Gebaut wurde der kleine Viersitzer von 2004 bis 2006.

BerlinDer Smart Forfour war nur kurze Zeit auf dem Automarkt - von 2004 bis 2006. Daimler hat allerdings eine neue Version für Ende 2014 angekündigt, die mehr der typischen Smart-Optik entsprechen soll als der Vorgänger. Dass sich die erste Generation des Forfour schlecht verkaufte, heißt nicht, dass er ein schlechtes Auto ist. Laut dem ADAC ist das Schwestermodell des Mitsubishi Colt wenig auffällig. In der Pannenstatistik des Autoclubs stechen lediglich größere Probleme mit der Batterie hervor.

Nur vereinzelt blieben Fahrzeuge wegen Störungen im Motormanagement, defekten Wegfahrsperren oder Störungen im Automatikgetriebe liegen. Die Modellgeschichte des Smart Forfour ist aufgrund der kurzen Produktionsdauer eher unspektakulär. Anfang 2004 kam der gestreckte Stadtwagen auf den Markt. Es folgten ein paar Sondermodelle und kurz vor dem Aus noch eine Flüssiggasversion.

Im Sommer 2006 lief der letzte Forfour vom Band. Das Fahrzeug wurde zum Marktstart zunächst nur mit Benzinern ausgeliefert, die zwischen 55 kW/75 PS und 90 kW/122 PS leisten. Noch im Sommer 2004 erweiterte Daimler die Palette um zwei Selbstzünder, die aus 1,5 Liter Hubraum 50 kW/68 PS oder 70 kW/95 PS schöpfen.

Ein neuer Einstiegsbenziner mit 47 kW/64 PS kam 2005. Das stärkste Aggregat ist ein von Brabus aufgemotzter Ottomotor mit 130 kW/177 PS, der 2006 angeboten wurde.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Auf dem Gebrauchtwagenmarkt sollte der Benziner Smart Forfour pulse mit 70 KW/95 PS aus dem Baujahr 2004 für rund 4.000 Euro zu bekommen sein. Diesen Richtpreis führt die Schwacke-Liste für ein Exemplar mit durchschnittlich 91.500 Kilometern auf dem Tacho.

Der Smart Forfour CDI pure von 2005 mit 50 kW/68 PS starkem Diesel kostet demnach noch rund 3.750 Euro (109.200 Kilometer). Den stärkeren Diesel mit 70 kW/95 PS gibt es zum Beispiel im Smart Forfour CDI pulse dpf von 2006, der bei im Schnitt 97.200 Kilometern Laufleistung noch etwa 4.900 Euro kostet.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.10.2013, 14:38 Uhr

...aber eben auch kein gutes oder gar wertstabiles. Da gibts weit Schöneres und insbesondere Besseres.

Kaurikampf

13.10.2013, 20:02 Uhr

" Er war trotz Absatzschwäche kein schlechtes Auto"!
Aber auch kein besonders gutes! Wenn man gegen andere neu in den Markt will, muss man schon besser oder viel preiswerter sein! Beides war der SMART Forfour nicht!

A.Kolb

14.10.2013, 08:54 Uhr

Fahre seit 2006 einen Smart Forfour 1.5 CDI mit 95 PS.
Verbrauch des 3 Zylinders 4,5 L/100km . Kein Rost, tolles Fahrwerk, gute Rundumsicht. Keine Reparaturen. Was will man mehr ?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×