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13.06.2012

10:01 Uhr

Gastkommentar

Autofahrer sollen fahren - nicht programmieren

VonKlaus-Michael Schaal
Quelle:ACE Lenkrad

Die Ablenkung durch moderne Bediensysteme während der Fahrt ist groß. Doch die wahren Probleme liegen nicht bei diesen High-End-Produkten. Autofahrer und Hersteller sind gefordert.

StuttgartZwei Drehknöpfe und drei Drucktasten, mehr hatten die ersten Autoradios nicht zu bieten. Und trotzdem hat auch die Bedienung dieser Geräte die Autofahrer schon von ihrer eigentlichen Aufgabe abgelenkt – dem Fahren. Inzwischen können wir im Auto telefonieren und navigieren, unsere E-Mails lesen oder im Internet surfen. Doch wie viel Ablenkung durch die Bedienung von Radio, Navi & Co. ist vertretbar – wann muss aus Sicht der Verkehrssicherheit die „rote Karte“ gezeigt werden?

In der wissenschaftlichen Literatur finden sich klare Antworten auf diese Frage: Nicht die schiere Anzahl der Blickwechsel zwischen Fahrbahn und Bedientasten ist entscheidend, sondern die Dauer. Insgesamt darf sich die Blickabwendung bei einer Aufgabenstellung nicht auf mehr als 20 Sekunden addieren, einzelne Blicke sollten nicht länger als zwei Sekunden dauern.

Diese Erkenntnisse liegen natürlich auch den Richtlinien für die Entwicklung neuer Bediensysteme zugrunde – international gibt es drei „Guidelines“, in denen die Parameter definiert werden, die vor der Serienreife in aufwändigen, meist in Fahrsimulatoren durchgeführten Testserien überprüft werden. Der ACE hat zum brisanten Thema HMI – das Kürzel steht für „human machine interface“, sprich die „Schnittstelle Mensch-Maschine“ – jetzt einen zweiten Praxistest durchgeführt: Beim Telefonieren mit Freisprechanlage und Ändern von Radio-Einstellungen war alles „im grünen Bereich“ – nicht jedoch beim Einprogrammieren eines Navigations-Ziels: Die Dauer der Blickabweichungen lag klar oberhalb der wissenschaftlich vertretbaren Werte.

Damit ist eine Grenze überschritten, die Handlungsbedarf signalisiert: Während der Fahrt sollte die Eingabe eines Navigationszieles nicht mehr durch das Eintippen einer Zieladresse möglich sein, sondern nur noch durch Sprachsteuerung oder Auswahl aus einer Liste. Der ACE appelliert an die Autohersteller, die Bediensysteme künftig entsprechend zu konfigurieren, damit eine Gesetzesinitiative erst gar nicht erforderlich wird. Denn Unfallmeldungen mit dem Hinweis „unerklärtes Abkommen von der Fahrbahn“ liest man schon jetzt viel zu häufig in der Lokalpresse!

Klaus-Michael Schaal ist Chefredakteur von ACE Lenkrad.

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