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18.02.2012

11:42 Uhr

Gebrauchtauto-Check BMW X3

Von Anfang an zuverlässig

Quelle:dpa

Seit seiner Markteinführung 2004 belegt der BMW X3 in der ADAC-Pannenstatistik vordere Plätze. Federbrüche an der Hinterachse, die der TÜV häufiger festgestellt hat, trüben aber den positiven Gesamteindruck.

Gilt als zuverlässig: der BMW X3. PR

Gilt als zuverlässig: der BMW X3.

BerlinAls kleinen Bruder des Geländewagens X5 brachte BMW im Jahr 2004 das kompaktere SUV X3 auf den Markt. Obwohl die Bayern damals behaupteten, mit dem Modell ein ganz neues Segment aus der Taufe gehoben zu haben, litt der Allradler offenbar nicht unter Kinderkrankheiten: In der Pannenstatistik des ADAC rangiert der X3 von der Markteinführung an auf vorderen Plätzen und gilt als sehr zuverlässiges Auto.

Lediglich bis zum Baujahr 2005 fiel der BMW X3 mit einigen Mängeln auf: Bei Dieseln gingen ab und an die Turbolader kaputt, bei Benzinern waren es die Zündspulen, die manchmal mit Defekten auffielen. Allgemein wurden störende Geräusche an der Hinterachse registriert, und auch das optionale Panoramaglasdach klapperte bei einigen Exemplaren.

Bei der Hauptuntersuchung fielen unter anderem Federbrüche an der Hinterachse und gelegentlich eine einseitige Wirkung der Handbremse auf. Rückrufe häuften sich. Grund waren Defekte an der Servolenkung (Baujahr 2004), der Common-Rail-Pumpe (2005) und den Beifahrerairbags (2008).

Zwei Jahre nach seinem Debüt gab es 2006 eine Modellpflege für den zunächst beim österreichischen Produktionspartner Magna Steyr in Graz gefertigten X3. Vor allem der Federungskomfort wurde verbessert. Seit November 2010 wird in Deutschland die aktuelle zweite Generation angeboten.

Mit der Neuauflage wurde die Produktion des mit 4,57 Metern gegenüber dem X5 rund 30 Zentimeter kürzeren Geländewagens nach Spartanburg im US-Staat South Carolina verlegt, wo auch die Modelle X5 und X6 von Band laufen. Eine Getriebeuntersetzung oder einen Geländegang hat der Allradler nicht, was seine Möglichkeiten abseits der Straße einschränkt.

Von den verfügbaren Motoren gelten laut dem TÜV vor allem die Reihensechszylinder als sehr laufruhig. Je nach Baujahr und Auflage leisten die Benziner mit sechs Brennkammern zwischen 141 kW/192 PS und 225 kW/306 PS, bei den Selbstzündern reicht die Spanne von 150 kW/204 PS bis 140 kW/258 PS. Die Reihenvierzylinder kommen als Ottomotor auf 110 kW/150 PS und als Diesel auf 105 kW/143 PS bis 130 kW/177 PS.

Gebrauchtwageninteressenten sollten für einen X3 xDrive 35d Automatik der Schwacke-Liste zufolge für den stärksten Diesel von 2008 mit 210 kW/286 PS bei einer durchschnittlichen Laufleistung von 68 100 Kilometern rund 31 850 Euro einplanen.

Fahrbericht BMW X3: Gesellschaftsfähig

Fahrbericht BMW X3

Gesellschaftsfähig

Mehr Platz, stärkere Motoren, weniger Verbrauch. Das macht auf den ersten Blick den neuen X3 gegenüber seinem Vorgänger aus. Doch wer noch mal hinschaut, der entdeckt mehr Neues an dem sportlichen SUV.

Ein kräftiger Benziner aus dem gleichen Jahr, etwa der X3 xDrive 30i mit 200 kW/272 PS, sollte demnach noch rund 26 400 Euro kosten und hat im Mittel 52 200 Kilometer auf dem Zähler. Mit etwa 14 600 Euro als günstigstem Gebrauchten verzeichnet die Schwacke-Liste den X3 2.0i mit 110 kW/150 PS von 2005, der im Schnitt 88 200 Kilometer hinter sich hat.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Kommentare (2)

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Rentnerautos

19.02.2012, 12:14 Uhr

Deutsche Automobile, die nicht in Deutschland gebaut/montiert werden, nehmen zu. Vom Polo, UP, Beetle als Basismodelle bis hin in die Oberklasse X... und Mercedes Suvs. Mit diesen Importen kommen auch lokale Zuliefereranteile, die nicht das gleiche Weltniveau auffweisen. Es wird in den nächsten Jahren ein dramatisches Überangebot an Autofabriken geben; überleben werden Premiummarken - jede Autoklasse kann eine Premiumwahrnehmung entwicklen. Nur die vorderen Plätze können höhere Preise erwirtschaften ... die hinteren Plätze müssen höhere Rabatte einräumen und mäßigere (billigere) Qualitäten, um verkauft werden zu können.

BMW zählt zu den TOP-Marken, aber muss sich auch technologisch weiter strecken, um schnell eine Hybridisierung auf höchstem Spritsparniveau hinzubekommen. Kundenpotentiale wandeln sich; Wertewahrnehmungen in der Autotechnik wandeln sich; Designvorlieben wandeln sich.

Der SUV- u. Mini-SUV Trend wird durch die Kundenüberalterung weiter angeheizt; ein SUV gilt hier schick und sportlich; gleichzeitig kommt er ergonomisch den älteren Kunden entgegen. Das Dilemma der Kunden ist auch ein Dilemma der Autoindustrie. "Jung und sportlich" heißt i.d. R. Coupétrend. Kunden über 50 Jahre dauerhaft in Coupés zu drängen, wird ergonomisch schwierig. Eine vorbildhafter ergonomischer RENAULT Modus wird als "Rentnerschaukel" wahrgenommen (hochgebaut, große Scheiben, gute Ergonomie und Übersichtlichkeit) - eine Mini-SUV mit den gleichen Innenraumabmessungen - kann dagegen als flottes Auto jugendhafter verkauft werden. Die psychologische Wahrnehmung der emotionalen Signale ist wichtig im Autokauf. So werden die X1 bis X... eine Zukunft haben ... sie bitten ordentlche Raumverhältnisse ohne das störende Rentnerimage.

Kleine sehr hoch gebaute Autos haben es dagegen schwerer, nicht als unflott angesehen zu werden. Aber kleine Autos können besser Sprit einsparen helfen. Nicht einfach.

Schneekoenig

25.01.2013, 19:03 Uhr

Ist der BMW X3 wirklich ein Schneekönig ??
Ich besitze seid 2012 einen und habe mich auch die weiße Bracht in diesem Jahr gefreut. Die Freude hielt nicht lange. Beim abbiegen auch bei geringer Geschwindigkeit bricht das heck trotz neuer Winterreifen unkontrollierbar aus.Eine ungehend aufgesuchte Werkstadt konnte das Problem auch nicht beheben.Auch nach Rückfrage bei BMW in München. Das schlimme ist, dass bei einem Versuch mit einem neuen Vorführwagen mit Winterbereifung dem Meister das gleiche passiert ist.Ratlosigkeit war angesagt. Bis heute keine Antwort was evt. geändert werden muß. Ist dies ein Fehler im System. Das Fahrzeug ist bei Kurvenfahrten auf Schnee fast nicht kontrollierbar.Dies ist das schlechteste Auto mit Allrad was ich je im Winter gefahren habe.

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