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21.04.2012

11:14 Uhr

Gebrauchte Mercedes S-Klasse

Wie ein guter Rotwein

Quelle:dpa

Seit Jahrzehnten haben die Mercedes S-Klasse und ihre Vorgängermodelle in der Oberklasse Rang und Namen. Einige Baujahre fallen zwar mit ein paar Mängeln auf. Doch mit dem Alter hängt die S-Klasse die Konkurrenz ab.

Der TÜV spricht der S-Klasse eine gute Langzeitqualität zu - mit zunehmendem Alter steigt die Zahl mängelfreier Exemplare (hier ein S 320 CDI der Baureihe 220). dpa

Der TÜV spricht der S-Klasse eine gute Langzeitqualität zu - mit zunehmendem Alter steigt die Zahl mängelfreier Exemplare (hier ein S 320 CDI der Baureihe 220).

MünchenViele innovative Technologien waren früh oder sogar erstmals in der S-Klasse, dem Flaggschiff des Stuttgarter Autobauers, zu finden: 1959 debütierte in Fahrzeugen der Baureihe W111 die Knautschzone, früh verbaut wurde auch der Dreipunktgurt. Ab 1978 wurde in der S-Klasse ABS angeboten, Fahrer-Airbag und Gurtstraffer gab es ab 1981.

Doch das Image der Baureihe wird nach Ansicht des ADAC durch einige Mängel getrübt. «Trotz des hohen Anspruchs» sei die S-Klasse wegen ihrer technischen Komplexität «nicht ganz fehlerfrei», schreibt der Münchener Verkehrsclub unter Verweis auf seine Pannenstatistik. Negativ fallen darin vor allem Fahrzeuge der Baujahre 1998 und 1999 auf. So entdeckten die Pannenhelfer des ADAC Defekte an Automatikgetrieben und marode Katalysatoren. Auch gingen Generatoren kaputt, es rissen Antriebsriemen (1999/2000), und Dieselmotoren vom Baujahr 2001 streikten.

Bei der Hauptuntersuchung fielen dem TÜV bei der seit 2005 gebauten aktuellen Generation vor allem gebrochene Keilriemenscheiben und undichte Luftfederungen auf. Doch mit dem Alter hängt die S-Klasse die in jüngeren Jahren teils zuverlässigere Konkurrenz ab: «S-Klassen sind wie guter Rotwein - sie entfalten erst nach ein paar Jahren ihr volles Aroma und bestechen dann mit insgesamt niedrigem Mängelrisiko», ist im «TÜV Report 2012» zu lesen.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Den Grundstein zur heutigen S-Klasse legte 1951 der Mercedes-Benz Typ 220, erstmals offiziell S-Klasse nennt die Marke ihre Oberklassemodelle seit 1972. Nach dieser Zeitrechnung fährt die aktuelle Limousine mit dem S im Namen in fünfter Generation, seit 2005 wird sie gebaut. Der Modellvorgänger wurde ab 1998 gefertigt. Seitdem wird die S-Klasse von Benzinmotoren angetrieben, die je nach Baujahr und Auflage zwischen 150 kW/204 PS und 463 kW/630 PS leisten - so im S 65 AMG L Automatik. Die Tatsache, dass die Stuttgarter ihren Werkstuner AMG auch ans Flaggschiff Hand anlegen lassen, zeigt, dass Luxus und Leistung nicht als Widerspruch gesehen wird.

Bei den Dieselmotoren reicht die Spanne von 150 kW/204 PS bis 235 kW/319 PS. Seit 2009 gibt es die S-Klasse auch als Hybridversion mit 205 kW/279 PS. Es handelt sich dabei um eine sogenannte Mild-Hybridvariante, da sie nicht rein elektrisch fahren kann. Die aktuelle Schwacke-Liste führt Daten zu Fahrzeugen ab dem Baujahr 2000. Demnach günstigste S-Klasse mit Vorbesitzer ist für rund 7200 Euro der Sechszylinder S 320 von 2000 mit 165 kW/224 PS, Schwacke nimmt für diesen Wagen eine durchschnittliche Laufleistung von 201 500 Kilometern an.

Wer zu einem stärker motorisierten, jüngeren Exemplar greift, sollte im Falle des S 450 7G-Tronic von 2007 mit V8-Motor und 250 kW/340 PS noch rund 30 600 Euro einplanen (Laufleistung: 92 300 Kilometer). Mit gut 33 300 Euro muss für einen S 320 CDI DPF 7G-Tronic von 2008 mit 173 kW/235 PS starkem Diesel gerechnet werden (Laufleistung: 83 900 Kilometer). Gebrauchte Hybridversionen werden ab rund 48 000 Euro gehandelt.

Kommentare (4)

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DrSebastianB

21.04.2012, 16:48 Uhr

Das heute Wichtigste wären Angaben zum Verbrauch, der sicherlich sehr hoch ist. Und mit einem Klimakiller wäre man heute unbeliebt.

realist

21.04.2012, 20:51 Uhr

....wie war das? Wie ein guter Rotwein? Das ich nicht lache. Es ist ausgeschlossen und absolut nicht ratsam Fahrzeuge dieser Marke u. im Besonderen die S-Klasse zu kaufen. Warum, werden Sie fragen? Nun, die gesamte Flotte ist zum Rosten verurteilt. Wollen Sie es noch einmal lesen?.....zum Rosten verurteilt! Was die Leitung dieser einstmals anerkannt guten Marke verbrochen hat, ja verbrochen hat, ist nicht mehr gut zu machen. Im Jahr 2012 muß sich der Kunde noch über dramatischen Rost an den Fahrzeugen dieser Marke mukieren bzw. anmelden. Es wurde und werden neue Werke gebaut, ohne eine Verzinkungsanlage im Vorlauf zu errichten. Was die letzten Vorstände der Marke eingebrockt haben, ist nicht mehr gut zu machen. Die gesamte Geschäftsführung müßte auf der Stelle fristlos entlassen werden. Sämtliche Bezüge müßten gestrichen werden. Rost bezieht sich genau so auf die LKW-Sparte (Sprinter, Viano usw.) Auch bei diesen Fahrzeugen wird nicht verzinkt. Die Firma ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Es ist müßig weiter zu kommentieren, weil es keine Laune mehr macht den Namen in den Mund zu nehmen. Vorstandschef Zetsche soll nach Hause gehen, er ist eine große Enttäuschung. Sollte Dr. Bernhard ihn demnächst ablösen, müßte er die Firma rigoros verkleinern und zu alter Exclusivität führen. Und der Name Daimler müßte wieder durch Mercedes Benz ersetzt werden. Ich bin soeben im Ausland und sehe das Drama um die Fahrzeuge der ehemals außergewöhnlichen Marke. Es muß wieder ein Konstrukteur an die Spitze der Marke, so wie Winterkorn und Piech bei VW.
Sie sind beide Autokonstrukteure und besessen von Ihrem Job. So muß das sein und nicht anders. Ich kann mich garnicht beruhigen, was aus der Marke geworden ist.

danno

21.04.2012, 21:59 Uhr

Der Stern ist doch schon längst gesunken! Mein S Klasse S430 Elktronischer Totalschaden bei 70000 und 10 Jahre alt und das in ERSTER Hand. Nach Werkstattkosten von 1400 Euro , sagte der Herr KTZ Meister von Mercedes, wörtlich "Ich würde mich an ihrer Stelle schon mal nach nem neuen Auto umschauen!". Ohne Worte... Schade war wirklich ein Fan meines Autos

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