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03.11.2012

09:41 Uhr

Gebrauchte Renault Clio

Je jünger, desto besser

Quelle:dpa

Wer sich den Renault Clio als Gebrauchtwagen anschaffen möchte, sollte zuvor einen Blick auf die Pannenstatistik werfen. Denn bei diesem Wagen gilt: Die neueren Generationen werden immer zuverlässiger.

Reifeprüfung bestanden: Die dritte Generation des Renault Clio halten Kfz-Experten für deutlich zuverlässiger als die erste und zweite Auflage. Pressefoto

Reifeprüfung bestanden: Die dritte Generation des Renault Clio halten Kfz-Experten für deutlich zuverlässiger als die erste und zweite Auflage.

BerlinIn Frankreich ist der Renault Clio so etwas wie der VW Polo in Deutschland: ein beliebter Kleinwagen. Auf den Straßen zwischen Rhein und Oder ist der Franzose dagegen seltener anzutreffen als der Konkurrent aus Wolfsburg. Das dürfte nicht nur am patriotischen Kaufverhalten der Kundschaft liegen. Denn der Clio gilt ab einem gewissen Fahrzeugalter nicht gerade als das zuverlässigste Auto.

Bei gebrauchten Exemplaren greift eine oft zutreffende Regel: Je jünger der Wagen, desto weniger Ärger macht er. So hat der TÜV bei der Hauptuntersuchung an der ab 2005 gebauten dritten Clio-Generation kaum noch etwas auszusetzen. Im «TÜV Report 2012» werden fast nur überdurchschnittlich häufig ausgeschlagene Spurstangenköpfe kritisiert.

Mit Blick auf seine Pannenstatistik stellt der ADAC für Exemplare der dritten Auflage fest: «Das vorher breite Mängelspektrum ist auf wenige Einzelmängel geschrumpft.» Dazu zählen bei den Benzinern Probleme mit den hinteren Bremsen sowie Defekte an Zündspulen und Kurbelwellensensoren.

Bei gleich alten Dieseln gab es öfters Störungen im Motormanagement. Für das zwischen 1998 und 2005 gefertigte Vorgängermodell dokumentiert der TÜV dagegen viele Mängel - von ABS-Störungen über blockierte Wegfahrsperren bis hin zu gerissenen Zahnriemen, defekten Radlagern und unsauber verlegten Spritleitungen. Erfreulich sei immerhin, dass selbst elfjährige Exemplare kein Rostproblem hätten.

1990 kam der Clio erstmals auf den Markt, seither wurden laut Renault mehr als 11,5 Millionen Exemplare verkauft. Den Erfolg führt der Hersteller unter anderem auf die Ausstattungsvielfalt zurück. So gab es die ab 1998 angebotene zweite Generation, die 2001 ein Facelift erhielt, bereits mit Klimaautomatik und Navigationssystem mit Farbdisplay.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Das ab 2005 erhältliche Nachfolgemodell wurde unter anderem mit einem schlüssellosen Zugangs- und Startsystem angeboten. Seit 2008 gibt es auch die Kombiversion Grandtour. Die vierte Generation des Clio kommt im November in den Handel. Das Motorenangebot ist so groß, wie man es von einem Volumenmodell erwarten darf.

Seit dem Facelift im Jahr 2001 wurde der Kleinwagen mit 43 kW/59 PS bis 166 kW/226 PS starken Benzinern bestückt, zwischen 2003 und 2005 gab es zudem einen 3,0 Liter großen V6-Motor mit 187 kW/254 PS. Die Diesel leisten je nach Auflage und Baujahr zwischen 47 kW/64 PS und 78 kW/106 PS. Die 2010/2011 angebotene LPG-Version kommt auf 42 kW/58 PS.

Wer es auf einen topmotorisierten Clio 3.0 V6 Renault Sport absieht, muss mit einem Gebrauchtwagenpreis von etwa 12.300 Euro für ein Exemplar von 2003 rechnen. Die durchschnittliche Laufleistung für solch ein Fahrzeug ist in der Schwacke-Liste mit 126.000 Kilometern angegeben.

Ein schwächerer Clio 1.6 16V GT mit 94 kW/128 PS von 2009 dürfte für rund 8.150 Euro aufzutreiben sein (42.000 Kilometer). Dieselfreunde zahlen für einen Clio 1.5 dCi ESP FAP Initiale mit 76 kW/103 PS von 2007 etwa 9.300 Euro (95.400 Kilometer).

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