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01.12.2012

09:05 Uhr

Gebrauchte VW Touran

Eine solide Familienkutsche kriegt die Kurve

Quelle:dpa

Der VW Touran gilt auch als Gebrauchter als solides Familienauto. Lediglich die Fahrzeuge ab einem Alter von sechs Jahren weisen deutlich mehr Mängel auf. Ab 2006 wurde vieles besser.

Wendejahr 2006: Seitdem ist der anfänglich recht anfällige Touran viel zuverlässiger geworden. Das Bild zeigt ein Exemplar nach dem ersten Facelift. Pressefoto

Wendejahr 2006: Seitdem ist der anfänglich recht anfällige Touran viel zuverlässiger geworden. Das Bild zeigt ein Exemplar nach dem ersten Facelift.

BerlinBeim Touran ist es wie mit einigen Autos aus dem VW-Konzern: Er ist wie der Caddy kein Vorreiter seiner Klasse - die Karosserieformen erfanden jeweils andere Hersteller. Aber er fuhr nach seinem Start zügig auf den ersten Platz der Zulassungsstatistik für Kompaktvans. Als Gebrauchter ist der Touran nach Expertenmeinung trotzdem nur bedingt empfehlenswert.

Als Wendejahr kann beim Touran 2006 gelten: Ab diesem Baujahr taucht die Großraumlimousine in der Pannenstatistik des ADAC deutlich seltener auf als zuvor. Vor allem mit Bezug auf die ersten drei Baujahre spricht der Autoclub noch von einer "Reihe von Mängeln", die der Hersteller später größtenteils behob.

Auffällig sind vor allem frühe Diesel, die laut dem ADAC zu Motorschäden (1.9 TDI von 2004 und 2005) und Defekten an der Einspritzanlage (1.9 TDI von 2003 und 2004) neigen. Beim 2.0 TDI von 2006 häuften sich Probleme mit der Drosselklappe.

Ganz mängelfrei war der Touran auch danach nicht, für Ärger sorgten etwa bei Exemplaren bis 2007 gerissene Antriebswellenmanschetten und poröse Gummilager der Querlenker. Beim TÜV gilt der Touran unterm Strich als solides Auto, wenngleich ab einem Alter ab sechs Jahren die Zahl der Fahrzeuge mit erheblichen Mängeln deutlich steige - wegen Problemen mit der Hinterachse oder den Antriebswellen.

Der Touran kam im März 2003 auf den Markt. 2006 erhielt der Van ein Facelift, als zusätzliche Modellvariante wurde 2007 der Cross Touran mit Offroad-Optik und mehr Bodenfreiheit eingeführt. Zuletzt gab es 2010 eine große Modellpflege. Dabei erhielt der Wagen eine neue Frontpartie und geänderte Rückleuchten. Unter der Haube tauschte VW fast alle Motoren aus.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Je nach Baujahr und Ausführung leisten die Benziner zwischen 75 kW/102 PS und 125 kW/170 PS, bei den Dieseln geht es bei 66 kW/90 PS los und hört ebenfalls bei 125 kW/170 PS auf. Als eines der wenigen Autos aus Wolfsburg gibt es den Touran auch mit Erdgasantrieb: Dieser leistet als 2,0-Liter Ecofuel 80 kW/109 PS, seit 2009 ist ein 1,4-Liter mit Turbo und 110 kW/150 PS erhältlich.

Auf dem Gebrauchtwagenmarkt sollte ein Touran 1.2 TSI Comfortline von 2010 mit 77 kW/105 PS nach der Schwacke-Liste für etwa 15.250 Euro zu bekommen sein (durchschnittliche Laufleistung: 49.700 Kilometer). Wen ein Diesel interessiert, der muss im Fall eines gleich alten 2.0 TDI DPF DSG mit 125 kW/170 PS noch um 20.850 Euro einplanen (55.550 Kilometer).

Ein Ecofuel-Exemplar mit 110 kW/150 PS von 2009 führt die Schwacke-Liste in der Ausführung Freestyle mit 15.950 Euro (65.500 Kilometer).

Kommentare (4)

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Premiumfan

01.12.2012, 11:51 Uhr

Die "Möhre des Jahres" 2008 und 2009 ist jetzt plötzlich eine solide Familienkutsche. Weiter so :-))

Account gelöscht!

02.12.2012, 15:26 Uhr

Man schaue bei den alten Truthahnen nur mal auf die Bedienungsschalter und -knöpfe. An denen wird die "VW-Qualität" mal so richtig offenbar. Nach ein paar Jahren schon fängt an die Beschriftung und Beschichtung abzublättern. Schade, daß man hier keine Bilder anhängen kann, ich könnte da Material liefern.

willi

12.07.2013, 13:27 Uhr

...schade nur, dass der Unterboden der ersten Baujahre im hinteren Bereich weggammelt, weil sich die Verzinkung löst. Solide ist etwas anderes.

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