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01.11.2015

08:31 Uhr

Gebrauchtwagen-Check: Fiat 500

Gutes Aussehen ist nicht alles

Quelle:Spotpress

Der Fiat 500 war schon beim Start im Jahr 2007 begehrt. Bis heute ist die Nachfrage ungebrochen. Auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt – trotz Schwächen bei der Langzeitqualität.

Zwei Erwachsene haben Platz, dann wird es eng Fiat

Hübsches Blechkleid über Panda-Technik

Zwei Erwachsene haben Platz, dann wird es eng.

In der aktuellen Kleinstwagen-Bestsellerliste liegt der Fiat 500 nur ganz knapp hinter dem VW Up auf Rang zwei. Und das, obwohl der kleine Italiener im Vergleich mit vielen Konkurrenten in der Mini-Klasse alles andere als ein Schnäppchen ist. Entsprechend attraktiv ist der Kauf aus zweiter Hand. Allerdings treten dann auch die Schwächen des Dreitürers stärker zu Tage.

Karosserie und Innenraum: Der Fiat 500 ist ein Showstar. Punkten kann er vor allem mit seinem niedlichen Aussehen und den liebevollen Details, die den Stil des legendären Cinquecento von 1957 aufnehmen.

Hinter der schönen Fassade verbirgt sich ein eher konventioneller Kleinstwagen, der die Technik des Markenbruders Panda nutzt und in ähnlicher Form, aber deutlich günstiger, von Ford unter dem Namen Ka angeboten wird.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Der Italiener setzt aber noch stärker als der Kölner auf Großstadt-Singles mit Geschmack. Große Ansprüche an Raum und Variabilität dürfen die aber nicht haben. Schon vorne sitzen Großgewachsene auf dem kleinen Gestühl wenig kommod, im Fond fühlen sich Erwachsenen eingeengt und selbst die Montage von Kindersitzen ist schwierig.

Dank der geteilt umlegbaren Rückbank kann der kleine Kofferraum bei maximal zwei Insassen zumindest auf shoppingtaugliche Größe erweitert werden.

Neben der dreitürigen Limousine ist das Cabrio 500C im Angebot. Daneben gibt es zahlreiche weitere Modelle, die den Namen 500 im Programm führen, aber eine andere Technik-Plattform nutzen.

Motor und Fahrwerk: Der kleine Fiat sieht deutlich besser aus als er sich fährt. Das Fahrwerk gibt sich stuckerig und wenig agil, zudem nervt der große Wendekreis des 500, der bei fast zwölf Metern liegt. Wer vor allem in der Stadt unterwegs ist, kann sich in Sachen Antrieb auf den 1,2-Liter-Einstiegsbenziner mit 51 kW/69 PS beschränken. Da es sich um einen Vierzylinder handelt, ist das Geräuschniveau auch im Cabrio akzeptabel.

Hübsch, aber nicht immer einfach in der Bedienung Fiat

Hübsch, aber nicht immer einfach in der Bedienung

Die Ausstattung geht in Ordnung, schon die Basisversion „Pop“ bietet bis auf die Klimaanlage alles Nötige.

Wer höhere Leistungsansprüche stellt, kann zwischen zwei 1,4-Liter-Benzinern mit 74 kW/100 PS und 99 kW/135 PS wählen, die jedoch gleich deutlich teurer sind. Der alternativ angebotenen 1,3-Liter-Diesel mit 70 kW/95 PS dürfte in der Regel aus dem strapaziösen Einsatz als Dienst- oder Kurierwagen kommen und ist daher mit Vorsicht zu genießen.

Wer unbedingt möglichst sparsam unterwegs sein will, sollte lieber Ausschau nach dem Ende 2010 eingeführten 0,9-Liter-Zweizylinderbenziner mit 63 kW/85 PS oder 77 kW/105 PS halten, den es außerdem in einer Erdgasversion gibt. Die ist jedoch selten und lohnt sich finanziell nur für ausgesprochene Vielfahrer.

Kommentare (4)

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Herr stefan kinlel

02.11.2015, 08:30 Uhr

Die Menschheit wird leider nicht klüger. FIAT ist traditionell Kernschrott und Käufer machen sich von Generation zu Generation vor, daß die Qualität schon besser würde. Komplette Fehlanzeige.

Herr Florian Lauss

02.11.2015, 09:19 Uhr

Herr Stefan Kinlel, mein Fiat Bravo (2007) ist in ziemlich allen belangen besser verarbeitet als ein gleichalter Audi A4 B7 und bisher 200.000 km ohne wirkliche Probleme gefahren. Während der Audi ohne Chiptuning bspw. schon 2 neue Turbolader auf 240.000 km bekam, hat der Bravo mit 200.000 km noch den 1. - trotz Chip auf rund 180 PS. Einziger unplanmmäßiger Werkstattaufenthalt war ein defektes AGR-Ventil.

Herr Maui Souris

02.11.2015, 10:18 Uhr

Ich fahre seit drei Jahren einen 500 C und kann Herrn Kiniels unsachlich vorgetragene Pauschalkritik (was ist eigentlich Kernschrott?) ebenfalls nicht im Mindesten nachvollziehen. Mein 85 PS-Zweizylinder ist arbeitstäglich im Einsatz, braucht, im Stadtverkehr flott bewegt, 5 Liter, ist bis heute absolut mängelfrei und macht viel Spaß.
Übrigens kann ich auch die Kritik an den Sitzen nicht teilen: Bin mit dem Wagen bereits 1000 km am Stück ans Mittelmeer gefahren - und dort absolut entspannt ausgestiegen (bin allerdings auch nur gut durchschnittlich groß). Höchstens hatte ich ein leichtes Rauschen in den Ohren, denn der Zweizylinder ist doch recht laut.

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