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24.02.2014

11:20 Uhr

Gebrauchtwagen-Check: Ford Ka

Fiat 500-Bruder mit Schwächen im Detail

Quelle:Spotpress

Nicht so originell, aber dafür solider: Der aktuelle Ford Ka macht einiges besser als sein Urahn. Doch ganz problemfrei fahren auch die neueren Modelle nicht durch die HU.

Der neue Ka, der als Drei- und Fünftürer erhältlich ist, kommt äußerlich nicht mehr so eigenwillig wie sein Vorgänger daher, eher wirkt er wie eine kleine Version des Fiesta Ford

Der neue Ka, der als Drei- und Fünftürer erhältlich ist, kommt äußerlich nicht mehr so eigenwillig wie sein Vorgänger daher, eher wirkt er wie eine kleine Version des Fiesta

Der alte Ka war bisweilen eine Katastrophe bei der Hauptuntersuchung. Zwölf Jahre wurde die erste Generation des Kleinstwagens gebaut, ein Bestseller, der aber durch viele TÜV-relevante Mängel auffiel. Der neue Ka hat sich ab 2009 nicht nur vom kugeligen Design verabschiedet, sondern will auch qualitätstechnisch vieles besser machen. Das gelingt dem Kölner aus polnischer Produktion aber nicht immer.

Karosserie und Innenraum: Auch wenn es optisch keine Ähnlichkeiten gibt, teilt sich der Ka mit dem Fiat 500 einen Großteil der Technik, sie rollen gemeinsam im polnischen Fiat-Werk Tychy vom Band. Der neue Ka, der als Drei- und Fünftürer erhältlich ist, kommt äußerlich nicht mehr so eigenwillig wie sein Vorgänger daher, eher wirkt er wie eine kleine Version des Fiesta.

Dafür hat die zweite Generation nun etwas mehr Platz für die Passagiere auf der Rückbank. Viel Platz im Gepäckabteil sind 224 Liter Fassungsvermögen nicht, dafür ist der Kofferraum aber sehr gut nutzbar. Im Innenraum ist eine breite Mittelkonsole aus farblich abgesetztem Kunststoff mit Ka-Emblem und großzügig verteilten Bedienelementen Blickfang - nicht unbedingt nobel, aber originell. Die Sitze sind weich und bieten eher wenig Seitenhalt, was aber für den Einsatz im Stadtverkehr in Ordnung geht.

Motoren und Fahrwerk: Viel Dynamik darf man von dem angebotenen 1,2-Liter-Benziner nicht erwarten. Das 51 kW/69 PS starke Aggregat agiert eher zäh. Bis Ende 2010 musste der Benziner ohne Start-Stopp-Automatik auskommen und gab sich recht durstig. Zum Marktstart wurde noch ein 1,3-Liter-Diesel mit 55 kW/75 PS angeboten (ebenfalls ab Ende 2010 mit Start-Stopp), er ist aktuell nicht mehr im Programm.

Bei ihrer Parade-Disziplin Fahrwerks-Abstimmung gaben die Ford Ingenieure dem Ka einen zusätzlichen Stabilisator an der Vorderachse und damit mehr Fahrspaß mit als sein Plattform-Bruder Fiat 500 verspricht.

Ausstattung und Sicherheit: In der Basis fährt der Ka spartanisch vor, Klimaanlage und CD-Radio gibt es nur optional oder ab der Linie „Cool & Sound“, der Schleuderschutz ESP ist nur gegen Aufpreis erhältlich (360 Euro) – ein Ausstattungsmerkmal auf das es sich beim Gebrauchtwagenkauf zu achten lohnt. Beim EuroNCAP-Crashtest konnte der Ka 2008 vier von fünf Sternen erreichen.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Qualität: Obwohl der Ka als Kleinstwagen im Schnitt weniger Kilometer auf der Uhr hat als ein durchschnittlicher Neuwagen, der nach drei Jahren beim TÜV vorfährt, schneidet er etwas überdurchschnittlich oft mangelhaft ab. Da wären zum Beispiel die vom Vorgänger geerbten Schwächen bei der Achsaufhängung, übermäßiger Verschleiß an den Bremsscheiben, oft durchgerostete Auspuffanlagen – wohlgemerkt bei der ersten HU. Hinzu kommt das Motorenproblem, das ebenfalls schon die erste Generation auszeichnete: Der Ka fällt den TÜV-Prüfern oft mit heftigem Ölverlust negativ auf.

Bei ihrer Parade-Disziplin Fahrwerks-Abstimmung gaben die Ford Ingenieure dem Ka einen zusätzlichen Stabilisator an der Vorderachse und damit mehr Fahrspaß mit als sein Plattform-Bruder Fiat 500 verspricht Ford

Bei ihrer Parade-Disziplin Fahrwerks-Abstimmung gaben die Ford Ingenieure dem Ka einen zusätzlichen Stabilisator an der Vorderachse und damit mehr Fahrspaß mit als sein Plattform-Bruder Fiat 500 verspricht

Fazit: Der zweite Ka ist ein zuverlässiger Knabe (im Gegensatz zu seinem Vorgänger), sagt die Pannenstatistik. Die beim TÜV aufgefallenen Mängel belegen allerdings, dass er durchaus ein paar typische Verschleißstellen hat – er macht also nicht alles besser als sein Urahn. Wer Zweifel hat, hält sich an ein Exemplar mit wenigen Kilometern. Bereits ab gut 4.000 Euro sind vier Jahre alte Kas zu bekommen. Gut ausgestattet und mit wenigen Kilometern muss man mindestens tausend Euro mehr auf den Tisch legen.

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