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06.07.2012

14:03 Uhr

Gebrauchtwagen-Check

Langläufer mit Ausdauer - Der 5er BMW

Quelle:dpa

40 Jahre nach seiner Weltpremiere auf der IAA gilt der BMW 5er vielen Gebrauchtwagenkunden als interessantes Kaufobjekt. Auch in der Pannenstatistik des ADAC liegt der Mittelklassewagen weit vorne.

Macht Prüfern und Fahrern kaum Sorgen: der 5er BMW, der sowohl in der ADAC-Pannenstatistik als auch bei der Hauptuntersuchung überdurchschnittlich gut abschneidet. Pressefoto

Macht Prüfern und Fahrern kaum Sorgen: der 5er BMW, der sowohl in der ADAC-Pannenstatistik als auch bei der Hauptuntersuchung überdurchschnittlich gut abschneidet.

Berlin1972 war die Bezeichnung 5er für Mittelklassemodelle von BMW neu. Das Auto stand für eine neue Logik der Namensgebung bei den Münchenern. 7er, 3er und 8er sollten erst noch folgen, und viel später auch der 1er. Heute sind die jüngsten Oldtimer des 5er schon zehn Jahre als solche klassifiziert, und die Neuen gelten als äußerst ausgereift.

Auch für die bis 2009 gebaute Modellreihe des 5er (E60), die viele Gebrauchtwagenkunden interessieren dürfte, hat der ADAC fast nur Lob übrig. Seit 2005 belegt das Auto, das mittlerweile zur oberen Mittelklasse gezählt wird, vordere Plätze in der Pannenstatistik des Automobilclubs.

Mit manchem Zipperlein muss sich aber auch der 5er auseinandersetzen: So litten viele bis 2005 gebaute Diesel unter Defekten am Turbolader, bei Motoren beider Verbrennungsvarianten gab es bis 2004 Störungen im Motormanagement, die durch Softwareupdates behoben wurden. Zudem gab es feuchte Zündkerzen (bis 2005) und defekte Lichtmaschinen (bis 2004) zu beklagen. Bei Exemplaren von 2008 fiel auch schon einmal der Beifahrerairbag aus.

Weitgehend positive Worte findet auch der TÜV in seinem aktuellen Report 2012. Seit 2003 gebe es beim 5er «kaum noch typische Probleme». Jüngere 5er gelten als «Musterbeispiel für einen soliden Langläufer». Mittlerweile, 40 Jahre nach der Weltpremiere auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt, wird der 5er seit 2010 in sechster Generation angeboten.

1979 legte erstmals die Motorsportabteilung der Marke, die M GmbH, Hand an und brachte den M535i mit 160 kW/218 PS. 1985 debütierte der M5, einen Diesel gab es ebenfalls erst mit der Baureihe E28 ab 1981. 1991 wurde erstmals ein Touring genannter Kombi des 5ers angeboten.

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Seit 2009 gibt es auch eine Fließheckvariante mit dem Kürzel GT für Gran Turismo. Im Januar 2012 präsentierte BMW die erste Hybridversion des Modells. Unter der Haube des 5er gibt es eine große Leistungsspanne. Die Ottomotoren geben ab der zwischen 2003 und 2009 gebauten fünften Auflage 125 kW/170 PS bis 412 kW/560 PS (der aktuelle M5 DKG) ab. Dieselseitig gibt es Antriebe mit 110 kW/150 PS bis 230 kW/313 PS. Zum Zuge kommen Reihenvier- und -sechszylindermotoren sowie Acht- und Zehnzylinder in V-Anordnung.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Der im Durchschnitt günstigste gebrauchte 5er ab der Baureihe E60 dürfte der 520i vom Baujahr 2003 sein. Die Schwacke-Liste führt das 125 kW/170 PS starke Auto mit 10 600 Euro. Als durchschnittliche Laufleistung werden 152.600 Kilometer angegeben. Dagegen kostet ein 523i von 2010 mit 150 kW/204 PS noch rund 29.250 Euro. 41.350 Kilometer hat er im Mittel hinter sich.

Interessenten, die nach einem Diesel als Kombi Ausschau halten, müssen im Falle eines 530d Touring Edition Exclusive mit 173 kW/235 PS von 2008 etwa 24.550 Euro einkalkulieren - bei einer Laufleistung von 87.800 Kilometern.

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