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29.06.2017

08:23 Uhr

Gebrauchtwagen-Check: Mercedes GLK

Auch nach Jahren noch rüstig

VonMax Friedhoff
Quelle:Spotpress

Der Mercedes GLK ist besonders bei älteren Autofahrern sehr beliebt. Das SUV bietet solide Technik, einen praktischen Innenraum und ist schick, ohne prollig zu wirken. Worauf muss man beim Gebrauchtkauf achten?

Gebrauchtwagen-Check: Mercedes GLK  - Auch nach Jahren noch rüstig  Mercedes-Benz

Gebrauchtwagen-Check: Mercedes GLK

Technisch basiert das Fahrzeug auf der C-Klasse, die Motorenpalette des GLK ist groß. 

Vor allem ältere Verkehrsteilnehmer fahren auf ihn ab: Im Schnitt ist der Fahrer eines Mercedes GLK 54,3 Jahre alt. Dass besonders Menschen im gesetzten Alter sich für das SUV begeistern, hat mehrere Gründe. Die deutsche Range-Rover-Alternative ist solide und schick, ohne prollig zu wirken. Und auch die Technik spielt mit. Doch worauf sollte man beim Kauf eines gebrauchten GLK (2008 bis 2015) achten?

Karosserie und Innenraum: Optisch orientiert sich das SUV an der G-Klasse, ist jedoch nicht ganz so viereckig. Einstieg und Sitzposition sind hoch, fünf Erwachsene nehmen mit genügend Kopffreiheit hen Platz, während im Heck Raum für 450 Liter Gepäck ist. Für den Baumarktbesuch lässt sich die Rückbank umklappen und das Ladevolumen auf bis zu 1.550 Liter vergrößern.

Ein weiteres Staufach befindet sich unter dem Gepäckraumboden. 2012 gab es für den GLK ein Facelift, welches das SUV etwas rundlicher erscheinen lässt. Die bullige Optik blieb jedoch. Mit einer Länge von 4,53 Meter passt der GLK auch noch in kleinere Parklücken oder Häuser.

Motoren: Technisch basiert das Fahrzeug auf der C-Klasse, die Motorenpalette des GLK ist groß. Die Benziner starten mit dem GLK 200, der 135 kW/184 PS leistet. Über GLK 250, 280 und 300 geht es schließlich zum Topmodell GLK 350 mit 225 kW/306 PS.

Vor dem Facelift lag die Leistung des 350ers bei 200 kW/272 PS. Bei den Selbstzündern geht es leistungstechnisch etwas weiter unten los. Der GLK 200 CDI bringt 105 kW/143 auf die Kette, der stärkste Diesel ist der GLK 350 CDI, der seit dem Facelift 195 kW/265 PS stemmt. Beim Neuwagenkauf hatte der Kunde die Wahl zwischen einem mechanischen Sechsgang-Getriebe oder einer Siebengangautomatik.

Im Innenraum gibt es Mercedes-typische Qualität Mercedes-Benz

Blick in den Mercedes GLK

Im Innenraum gibt es Mercedes-typische Qualität

Die kleineren Motoren sind mit Heckantrieb ausgerüstet, darüber gehört der Allrad zur Serie. Die Automaten bereiten vereinzelt Probleme, in der TÜV-Statistik fällt außerdem ein leicht erhöhter Ölverlust bei allen GLK-Motoren auf. Außerdem gab es bei den Dieselmodellen 2015 einen Rückruf wegen einer Dichtung des Steuerkettenspanners.

Ausstattung und Sicherheit: Verarbeitungsqualität und Materialien sind – neben der soliden Technik – die Stärke des GLK. Bei der Wahl der Ausstattung kann der Kunde aus dem Vollen schöpfen. Neben einzelnen Optionen gab es auch Sammel-Lösungen wie das Offroad-Styling-Paket, das Chrom-Paket, das Innovationspaket oder das Sport-Paket.

Adaptive Scheinwerfer und LED-Tagfahrlicht gab es gegen Aufpreis. Mit fünf Sternen im EuroNCAP-Crashtest liefert der GLK auch hier eine souveräne Leistung ab. Neben neun Airbags kann der GLK mit crashaktiven Kopfstützen, Antischlupfregelung, ABS und ESP punkten.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Qualität: Der Mercedes GLK ist – zusammen mit dem Porsche 911 – das mängelärmste Fahrzeug im TÜV-Report 2017. Lediglich die bereits erwähnte Ölverlust-Thematik muss erwähnt werden. Bei Fahrwerk, Licht, Bremsen und Auspuff sahnt das SUV Bestnoten ab. Auch das Kapitel Korrosion liegt bei null Mängeln.

Fazit: Wer auf der Suche nach einem robusten SUV ist, das nicht allzu viel Platz im Verkehrsraum einnimmt und mit solider Technik punktet, ist beim Mercedes GLK genau richtig. Gut erhaltene Fahrzeuge liegen momentan bei rund 15.000 Euro.

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