Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.02.2012

09:35 Uhr

Gebrauchtwagentest Kia Rio

Wenig Beschwerden über Motor und Getriebe

Quelle:dpa

Der Kia Rio kam im Jahr 2000 als Kompaktwagen nach Europa. Fünf Jahre wurde der Nachfolger angepriesen - allerdings als Kleinwagen. Dem ADAC ist der Rio bis 2008 vor allem wegen der häufigen Batterieausfälle aufgefallen.

Ab 2008 ging es bergauf: Seit diesem Baujahr wurde die recht anfällige Elektrik des Kia Rio laut ADAC immer besser. PR

Ab 2008 ging es bergauf: Seit diesem Baujahr wurde die recht anfällige Elektrik des Kia Rio laut ADAC immer besser.

BerlinDeutlicher kann man in der verklausulierten Werbesprache der Autohersteller enttäuschte Erwartungen nicht eingestehen: Als Kia 2005 die zweite Generation des Rio auf den europäischen Markt brachte, hieß es, das Modell habe "das konservative Styling seines Vorgängers abgelegt" und solle Schichten intelligenter und aufgeschlossener Käufer erschließen. Ein einheitlicheres Bild gab der koreanische Wagen über die Generationen hinweg bei der Pannenanfälligkeit ab. Bis zum Baujahr 2008 sei der Rio mit "eher rudimentärer Elektrik" ausgestattet worden, was zu häufigen Batterieausfällen geführt habe, so der ADAC.

Wegen der insgesamt geringen Zulassungszahlen finden die Mängel des Koreaners zwar keinen Zugang in die Pannenstatistik des Automobilclubs, doch mit typischen Defekten fiel der Rio dennoch auf. Dazu gehören defekte Anlasser und ausgehängte Scheibenwischergestänge bei im Jahr 2000 gefertigten Fahrzeugen sowie defekte Zündkerzen (2006 und 2007). Beim TÜV machten sich Exemplare von 2003 und 2004 mit Rost an Motorhaube und Schiebedach bemerkbar. Bei Motoren und Getrieben gab es dagegen laut TÜV wenig Beschwerden, allerdings ließ die Verarbeitungsqualität oft zu wünschen übrig.

Auf den europäischen Markt kam der Rio 2000 in der Kompaktklasse. Bis 2002 war auch eine Stufenheckvariante im Angebot. Als 2005 der Nachfolger zu den Händlern kam, war der Rio um entscheidende 25 Zentimeter unter die Vier-Meter-Marke in der Länge geschrumpft und fährt seitdem im sogenannten B-Segment gegen Konkurrenten wie VW Polo, Opel Corsa oder Ford Fiesta. Beim Kofferraumvolumen punktet der Kleinwagen mit mindestens 272 Litern, beim Thema Sicherheit sind zwar sechs serienmäßige Airbags zu verzeichnen, ESP dagegen war lange nicht bestellbar. Seit 2011 gibt es die dritte Generation zu kaufen, seit kurzem auch wieder als Dreitürer.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Motorenseitig war die Auswahl zwar nie sonderlich groß beim Rio, allerdings sind Diesel verfügbar, was in der Kleinwagenklasse keine Selbstverständlichkeit ist. Bis zum Ende der zweiten Generation wurden stets Reihenvierzylinder angeboten, deren Leistungsspanne sich bei den Benzinern von 55 kW/75 PS bis 82 kW/112 PS erstreckt. Der zunächst einzige verfügbare Selbstzünder leistet 81 kW/110 PS. Die aktuelle Modellgeneration fährt mit zwei verschiedenen Dieseln, die 66 kW/90 PS und 55 kW/75 PS leisten.

Wer sich für einen gebrauchten Diesel interessiert, muss laut Schwacke-Liste für einen Rio 1.5 CRDi DPF Spirit von 2010 rund 9500 Euro einplanen. Solch ein Fahrzeug ist im Schnitt 35 000 Kilometer gefahren worden. Als Benziner aus dem gleichen Jahr steht der Rio 1.6 Spirit mit 82 kW/112 PS bei einer Laufleistung von durchschnittlich 21 000 Kilometern mit 9300 Euro in der Preissammlung. Rund 3350 Euro kostet noch ein Rio 1.3 RS mit 60 kW/82 PS von 2005, der durchschnittlich 81 000 Kilometern auf dem Tacho hat.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

KFR

05.02.2012, 09:47 Uhr

und ?
ja wieviel Journalisten-Rabatt gibts für das handelsblatt 15, 20, 30, 49 % ?? Einfach auf den Bundespräsident zeigen und selber ...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×