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17.04.2014

10:19 Uhr

Golf-Konkurrent Leon ST im Handelsblatt-Test

Seat kann einpacken

VonFrank G. Heide

Wer einen VW Golf Variant oder einen Skoda Octavia Combi herausfordert, braucht Löwenmut. Seat geht mit dem Leon ST die Aufgabe dynamisch an, mit frischem Design und viel Stauraum. Reicht das?

Das Heck wirkt filigraner als beim Golf Variant, die Seitenlinie sportlicher als die des Skoda Octavia. Der Seat Leon ST ist der am wenigsten biedere der drei Konzernbrüder. Sebastian Schaal

Das Heck wirkt filigraner als beim Golf Variant, die Seitenlinie sportlicher als die des Skoda Octavia. Der Seat Leon ST ist der am wenigsten biedere der drei Konzernbrüder.

Es tut sich was im Volkswagen-Konzern: In direkter Konkurrenz zu den technisch ausgereiften und unlängst komplett modernisierten Skodas und VWs verkaufen sich auch die spanischen Seat-Modelle hierzulande mittlerweile richtig gut. Wie geschnitten Brot gehen vor allem der Mii, der Toledo und der Leon, der die Spanier aus den notorisch roten Zahlen fahren soll.

Leon heißt auf spanisch Löwe, und den sprichwörtlichen Löwenmut braucht man wohl auch, will man den ewigen Bestseller VW Golf und seinen tschechischen Konzernbruder Skoda Octavia herausfordern. Der 4,54 Meter lange Leon ST ist das Pendant zum Golf Variant und ersetzt den bis dato produzierten Exeo ST. Während der Exeo ST ein Ableger des alten Audi A4 Avant (Generation B6) war, lässt sich der Leon ST auf Basis des Modularen Querbaukastens (MQB) und damit kosteneffizienter bauen. Vollgepackt mit bewährter Volkswagen-Technik hat er das Zeug, die Leon-Familie weiter voranzubringen. Vor allem in Europa und vor allem im Flottenmarkt.

Denn der neue Leon ist der Beste, den Seat bislang gebaut hat. Und seine guten Eigenschaften hat sich auch die Kombiversion erhalten, die ST heißt. Neu hinzugekommen sind Tugenden, die den Spanier nicht nur zum Liebling von Familienvätern machen: Gelungene Proportionen mit scharfen Bügelfalten, ein schlanke Silhouette, die das Heck fein integriert, und ein spritziges Fahrverhalten selbst mit Dieselmotorisierung.

Wer sich einem Seat Leon ST nähert, wird preislich und optisch immer auch die vermeintlich stärkeren Konzernbrüder Skoda Octavia Combi und Golf Variant im Sinn haben.

Wichtige Fragen und Antworten

Alltagstauglich?

Ja, ohne Einschränkungen. Der Leon ST ist übersichtlich, bietet viel Platz und Stauraum, der Turbodiesel ist kräftig und hat wenig Durst.

Die schönsten Details?

Die neuen Ecken und Kanten im Seat-Design. Und die LED-Frontscheinwerfer.

Enttäuschend?

Nichts Seat-Spezifisches. Aber natürlich war es wieder mal unmöglich, den offiziellen Normverbrauch von 4,1 Liter Diesel pro 100 km zu erreichen.

Ist er's wert?

Rund 30.000 Euro kostet ein gut ausgestatteter Leon ST Style mit 2-Liter-Turbodiesel und 150 PS. Er ist also auf jeden Fall ein gutes Alternativangebot zu Opel Astra Sports Tourer, Ford Focus Turnier, VW Golf Variant und Skoda Octavia Combi.

Sound?

Der Sound des Dieselmotors: Unaufdringlich. Der Sound der Stereoanlage: Satt und präzise.

Wie grün ist das Auto?

Im Alltag nicht so grün wie auf dem Papier, das ist klar, weil die Norm-Verbräuche nach einem veralteten, unrealistischen Verfahren ermittelt werden. Aber er lässt sich bei aller drehmomentstarken Dynamik komfortabel unterhalb von sechs Litern im Durchschnitt bewegen.

Vorbildlich?

Wo und wie Seat sparsame Kunststoff-Materialien im Cockpit einsetzt, ist gekonnt. Es wirkt nie billig, nur funktionell statt luxuriös.

Was sagt der Nachbar?

„Und was ist daran jetzt anders als am Golf?“

Wer guckt?

Dem gucken sogar Spanier nach.

Wie fährt er sich?

Eher dynamisch als sparsam, schön straff und direkt. Sicher und unspektakulär auf der Autobahn.

Wo gehört er hin?

In den Carport des Reihenendhauses, an die Warenausgabe von Ikea, und auf große Reise mit der Familie.

Doch der äußere Eindruck spricht klar für den Spanier: Während der Golf immer noch ein bisschen bieder und der Octavia ein wenig zu sachlich wirkt, ist der kompakte Seat optisch der schönste Kompakte im Volkswagen-Volumensegment. Selbst als Kombi wirkt die Seitenlinie mit dem sanft abfallenden Heck dynamisch-sportlich, vorn übernehmen das die cool geschnittenen Scheinwerfer.

Dass der Innenraum da nicht ganz mithalten kann, war irgendwie zu erwarten, denn der Leon ist preislich deutlich unter dem Golf angesiedelt. Und während VW sich beim Golf alle Mühe gibt, an Audi heranzureichen, muss der Leon die einfacheren Kunststoffe auftragen. Zwar sind sämtliche Oberflächen in Soft-touch ausgeführt, aber die anderen sind eben etwas wertiger und softer.

Auch das Multimedia-Infotainment wartet mit teilweise etwas umständlicherer Bedienung auf. So sind unter anderem die Untermenüs recht verschachtelt.

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