Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.05.2012

12:06 Uhr

Handelsblatt Autotest

Mercedes C 350 CDI - der Wolf im Schafspelz

VonFlorian Brückner

Mit einem riesigen V6-Diesel-Motor verwandelt sich die C-Klasse von Mercedes-Benz als C 350 CDI in einen Düsenjet - der auch Skeptiker im Alltagstest überzeugt. Doch der Benz offenbart auch seltsame Schwächen.

Der V6-Diesel hat so viel Power, die könnte auch aus einem V8 kommen. Der Durst ist trotz Blue Efficiency-Label am Kotflügel aber auch groß. Mehr als acht Liter auf 100 Kilometer sind es fast immer. Sebastian Schaal

Der V6-Diesel hat so viel Power, die könnte auch aus einem V8 kommen. Der Durst ist trotz Blue Efficiency-Label am Kotflügel aber auch groß. Mehr als acht Liter auf 100 Kilometer sind es fast immer.

Meine Beziehung zur C-Klasse von Mercedes-Benz stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Als der Urahn, die 190er Baureihe, von Verkaufserfolg zu Verkaufserfolg eilte, war ich tot unglücklich, wenn ich den Baby-Benz auch nur in einem Autoquartett hatte - zu protzig, zu kastig, zu langweilig, zu klein für einen echten Benz - und mit einem Tacho, der aus einem Bus hätte stammen können.

Im Wettkampf der Deutschen Tourenwagenmeisterschaft (DTM) drückte ich selbstverständlich Allessandro Nannini und seinem Alfa Romeo 155 die Daumen, und nicht etwa Klaus Ludwig und dem 190er.

Während meine Klassenkameraden den gigantischen Heckspoiler des Mercedes-Benz 190E 2.5 Evolution II bejubelten, fand ich dieses Bügelbrett einfach nur peinlich. Die Vorzeichen für eine Fahrt mit der neuen C-Klasse standen also schlecht. Doch dann war da dieser Motor des perlweißen C 350 CDI Blue Efficiency T-Modell ...

Es gibt starke Motoren, die brüllen wie ein Löwe. Es gibt starke Motoren, die heiser röhrend fauchen. Es gibt starke Motoren, die ein ganzes Auto mit ihrer Kraft erzittern lassen. Und es gibt starke Motoren wie diesen Sechszylinder Diesel aus dem Hause Daimler, der sich am besten noch mit dem Düsentriebwerk eines Jumbojets vergleichen lässt.

Die entscheidenden Fragen

Wer guckt?

Die C-Klasse ist kein Hingucker, sondern vielmehr ein wohlbekannter Begleiter im Straßenbild.

Wie fährt er sich?

Komfortabel - ganz wie man es von einem Mercedes erwartet. Rasante Kurvenfahrten mag die C-Klasse dafür nicht so gern. Mit dem mächtigen Diesel an Bord bietet sie sicher eher als Kilometerfresser auf der Autobahn an.

Sound?

Große Diesel-Motoren sind bestimmt nicht berühmt dafür, weil sie toll klingen würden. Das ist auch beim C 350 CDI so. Mehr als ein wohliges Brummen lässt sich wohl auch von diesem Aggregat nicht erwarten.

Wo gehört er hin?

Dank der kompakten Abmessungen fühlt sich die C-Klasse eigentlich überall wohl und nervt ihren Fahrer auch in engen Parkhäusern nicht mit Überbreite oder Überlänge.

Alltagstauglich?

Zugegeben: Für einen Kombi ist die C-Klasse eher knapp geschnitten. Der Kofferraum geht mit einem Volumen von 475 Litern noch in Ordnung, auf den Rücksitzen haben es hingegen nur Kinder bequem - und das auch nur dann, wenn eine elektrische Sitzverstellung an Bord oder der Fahrer nicht all zu hoch gewachsen ist. Im Alltagseinsatz erfreut dieser Mercedes allerdings mit netten Details wie Tütenhaltern im Ladeabteil oder elektrisch verschließbarer Heckklappe.

Ist er’s wert?

Im Prinzip schon. Der Motor ist eine Wucht, die Verarbeitung sehr gut - 41.650 Euro für die Basisversion und 66.003,35 Euro für den Testwagen sind allerdings auch ein stolzer Preis. Dafür gibt es bei anderen Herstellern schon ein größeres Auto aus einer höheren Fahrzeugklasse.

Was sagt der Nachbar?

Ist einverstanden. Dieses Auto polarisiert nicht - weder positiv wie negativ. Stolze Neuwagenkäufer könnten enttäuscht werden. Wobei der weiße Testwagen vor allem bei weiblichen Beobachtern durchweg gut ankam.

Und wie grün ist das Auto?

Neben dem Daimler eigenen Blue-Efficiency-Logo für besonders umweltschonende Autos hat der Testwagen eine sehr gute Start-stop-Automatik an Bord, die den Motor nicht nur etwa an roten Ampeln prompt abstellt, sondern vor allem ruckfrei und schnell wieder zum Laufen bringt. Allerdings genügt bereits ein Ruckeln am Lenkrad, um den Motor wieder anzuwerfen. Diese Feinfühligkeit ist vielleicht etwas zu viel des Guten - aber das ist möglicherweise auch reine Gewöhnungssache. Ansonsten gilt, dass ein Testverbrauch von 8,3 Litern gemessen an der Motorleistung mehr als in Ordnung geht.

Vorbildlich?

Die Verarbeitung, die auch im Detail überzeugt - und natürlich der Motor. Mag sein, dass die C-Klasse mit diesem fast ein bisserl übermotorisiert ist, aber was soll’s.

Nervig?

Die zu sensible Start-Stopp-Automatik und die schlecht ablesbaren Anzeigen des Armaturenbretts.

Das Aggregat stemmt mit seinen 265 PS und 2.987 Kubikzentimetern Hubraum ein Drehmoment von schier unglaublichen 620 Newtonmetern, die schon bei 1.600 Umdrehungen pro Minute anliegen. Da können selbst etablierte Zugmaschinen für XXL-Caravans oder Bootsausleger wie etwa die V6-Maschinen aus Volkswagens Geländewagen Touareg einpacken.

Der beeindruckende Unterschied: Der Motor der C-Klasse ist kein ungehobelter Kraftprotz. Ganz im Gegenteil. Ohne Brüllen und Poltern schiebt dieses Triebwerk die C-Klasse in einer Geschwindigkeit und Laufruhe an, die man erlebt haben muss.

Frei nach Ferry Porsche: Das letzte Stückchen Straße, das gebaut werden wird, wird eine Kurve sein. Das hofft zumindest Florian Brückner. Mit seinem ersten Auto, einem Fiat Uno mit 75 PS und Breitreifen auf Abarth-Felgen - der eigentlich seinem Bruder gehörte - lernte der Reporter von Handelsblatt Online die Freuden der Querbeschleunigung kennen. Genau deshalb sind dem 35 Jahre alten Vater von zwei Kindern kleine leichte Autos heute immer noch viel lieber als große PS-Monster. Wobei grundsätzlich gilt: je exotischer, desto besser. Sebastian Schaal

Frei nach Ferry Porsche: Das letzte Stückchen Straße, das gebaut werden wird, wird eine Kurve sein. Das hofft zumindest Florian Brückner. Mit seinem ersten Auto, einem Fiat Uno mit 75 PS und Breitreifen auf Abarth-Felgen - der eigentlich seinem Bruder gehörte - lernte der Reporter von Handelsblatt Online die Freuden der Querbeschleunigung kennen. Genau deshalb sind dem 35 Jahre alten Vater von zwei Kindern kleine leichte Autos heute immer noch viel lieber als große PS-Monster. Wobei grundsätzlich gilt: je exotischer, desto besser.

In die flüsterleise isolierte Kabine der C-Klasse dringt nur ein sanftes Brummen, wenn der Benz beschleunigt wie ein Jet und seine Insassen sanft aber nachhaltig in die Sitze drückt. Dass hier ein Diesel am Werke ist, kann man kaum ahnen. Dass dem C 350 CDI auf der Autobahn nur wenige folgen können, hingegen schon eher.

Als auf einem Autobahnstück ohne Tempolimit ein aufblinkender Porsche im Rückspiegel erscheint, genügt ein beherzter Tritt aufs Gaspedal, um erst den Überholvorgang in Windeseile abzuschließen und dann den Sportwagen fürs erste aus dem Blick zu verlieren - bis das Auto bei 250 Stundenkilometer in den Begrenzer läuft.

Die Urgewalt kommt unscheinbar und gut verpackt daher. Von den 620 NM Drehmoment sieht man unter der Motorhaube wenig. Die Verpackung hat ihr Gutes: Vom Maschinenraum dringt so gut wie kein Lärm zu den Passagieren. Sebastian Schaal

Die Urgewalt kommt unscheinbar und gut verpackt daher. Von den 620 NM Drehmoment sieht man unter der Motorhaube wenig. Die Verpackung hat ihr Gutes: Vom Maschinenraum dringt so gut wie kein Lärm zu den Passagieren.

Um nicht missverstanden zu werden: Der C 350 CDI ist kein Raser, die Souveränität dieses Triebwerks überträgt sich vielmehr auf den Fahrer, der getragen von einem sehr komfortabel abgestimmten Fahrwerk über die deutschen Highways düst.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Dieselsparer

03.05.2012, 12:44 Uhr

Sorry,nicht meine Welt!!!Aber trotzdem technisch interresant...Letzte Woche auf sueddeutsche.de;ein Artikel im Sinne oder wir fordern,wahrscheinlich gemeint die soziale Elite, keine sparsamen Auto sondern schnell das Ende der persönlichen Freiheit ein Auto bewegen zudürfen und sei es noch so sparsam..Alle müssen S-Bahnen. Was für ein Alptraum zu diesem Autotest...

realist

03.05.2012, 16:23 Uhr

Welchen Nutzen hat der Verbraucher von dieser zukünftigen Rostlaube. Wie war das? Rostlaube? Ja, Rostlaube! Wieso und warum? Nun, hier hat sich an der Firmenphylosophie nichts, aber auch garnichts geändert. Die Karosserie ist in allen Teilen nicht verzinkt. Man packt unten den üblichen Unterbodenschutz drauf und das wars. In wenigen Jahren blüht der Rost und das bei allen Fahrzeugen von der S- E- C- B- bis zur A-Klasse. Und zukünftig ändert sich nichts daran. Bedeutet, daß das kein Kauf ist. Schade um die Marke Mercedes und mehr als schade im Jahr 2012 noch über Rost sprechen zu müssen.

Unsinn

03.05.2012, 16:57 Uhr

Was für ein Unfug! Sämtliche aktuelle Modelle der Marke Mercedes sind nicht nur verzinkt, sondern sogar vollverzinkt. Nachzulesen ist das durch einfaches "googlen", oder z.B. auf http://www.autosieger.de/article3921.html

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×