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26.09.2013

08:10 Uhr

Handelsblatt Online Autotest

Nostalgiker gegen Neuling: Das GTI-Duell

VonFrank G. Heide, Jörg Hackhausen

Ein GTI ist was Besonderes. Aber darf ein VW Golf über 42.000 Euro kosten? Das finden die erste und die jüngste Käufergeneration zu teuer. Und die Tester streiten: Wie viel „modernen Ballast“ darf ein GTI mitschleppen?

Alles neu und alles gut? Ein junger und ein alter GTI-Fan fahren den sportlichen Kompakten und kommen zu ganz unterschiedlichen Ansichten. Jörg Hackhausen, links, gibt den Neuling, Frank Heide den Traditionalisten. PR

Alles neu und alles gut? Ein junger und ein alter GTI-Fan fahren den sportlichen Kompakten und kommen zu ganz unterschiedlichen Ansichten. Jörg Hackhausen, links, gibt den Neuling, Frank Heide den Traditionalisten.

DüsseldorfGTI, drei Buchstaben, viele Pferdestärken. Egal wie man zu diesem Auto steht, eine Meinung hat jeder: Für die einen ist der Golf GTI eine Verheißung, ein bisschen Motorsport für den kleinen Mann, Traum der Landjugend, König der Vorstadt. Für die anderen ist er einfach nur prollig, unvernünftig, unökologisch, das Auto, für das eine Vollkaskoversicherung fast unbezahlbar ist, weil seine meist jungen, männlichen Besitzer nicht gerade als umsichtige Fahrer gelten.

Seit fast vier Jahrzehnten gibt es den Golf GTI, inzwischen in der siebten Generation. Dass er automobile Geschichte geschrieben hat, haben schon viele dokumentiert. Wir testen, was der PS-Protz im Alltag kann – am Steuer ein Nostalgiker, der den GTI der ersten Stunde liebte, und ein Neuling, der bisher nur den herkömmlichen Golf kannte. Testobjekt ist ein Golf VII GTI als Performance-Edition mit 230 PS, Doppelkupplungsgetriebe und allen mal mehr mal weniger sinnvollen Extras, die VW gerne in großen Stückzahlen verkaufen möchte.

Erster Eindruck

Der Neuling: Eckige Frontscheinwerfer, fetter Spoiler, tiefschwarzer Lack (Deep Black Perleffekt) – sieht ganz schön böse aus, dieser Golf. Breite Reifen auf 19-Zoll-Felgen gehören ebenfalls in die Kategorie: zielgruppengerecht. Jedenfalls wird gleich klar, dass GTI ein paar Stufen höher in der Nahrungskette steht als der normale Golf.

Der Nostalgiker: Was mir als Erstes auffällt: Die Schalensitze passen super, wie Arsch auf Eimer. Und sie tragen das traditionelle Karomuster, das für GTI-Fans ein Muss ist. Schön retro sind die etwas über 700 Euro teuren Teile auch noch, weil nur von Hand zu verstellen, ohne elektrische Unterstützung. Das ist aber auch alles, was mir im Innenraum gefällt.

Neuling: Was ist das Problem? Ok, es wimmelt es von Knöpfchen und Lämpchen, wirkt aber trotzdem nicht unaufgeräumt. Die LEDs leuchten jedes Detail in weiß aus, sehr stylisch, gerade wenn es draußen dunkel ist. Ich komme mir vor wie in einem Flugzeugcockpit. Fertig zum Abheben.

Top, sagen Nostalgiker und Neuling: Farbe, Felgen, Front und Fahrwerk, das sind sehr gute Argumente für den Golf GTI der 7. Generation. Als Performance-Edition leistet er 230 PS und rennt in 6,4 Sekunden von Null auf 100. Sebastian Schaal

Top, sagen Nostalgiker und Neuling: Farbe, Felgen, Front und Fahrwerk, das sind sehr gute Argumente für den Golf GTI der 7. Generation. Als Performance-Edition leistet er 230 PS und rennt in 6,4 Sekunden von Null auf 100.

Nostalgiker: Wahrscheinlich kommt das Lichtkonzept auch deshalb so zur Geltung, weil der Rest so duster wie ein Sarg wirkt. Der schwarze Dachhimmel wirkt auf mich erdrückend, lässt bei allen, die nicht Vampir sein möchten, die Sehnsucht nach einem großzügigen Schiebedach aufkommen.

Und: Die Hälfte an Knöpfen und Schaltern hätte mir auch gereicht. Ein Beispiel: Es gibt 13 verschiedene Einstellungen für die Scheibenwischer. Zusätzlich zur Automatik des Regensensors. Das ist mir echt zu viel.

Neuling: Alter Mann, die 80er-Jahre sind vorbei, willkommen im 21. Jahrhundert! Heute haben Autos mehr als drei Knöpfe. Irgendwo müssen die Instrumente für die ganzen Fahrassistenzsysteme ja hin.

Nostalgiker: Fahrassistenten! Das es ja gerade das Nervige. Der GTI ist besorgt um mich, fast wie eine ängstliche Mutter. In der Garageneinfahrt piept er unaufhörlich, nur weil das Gestrüpp seitlich ein bisschen in die Einfahrt gewachsen ist. Im Stop-and-Go-Verkehr nervt die Start-Stopp-Automatik, weil sie den Motor viel zu oft abschaltet.

Im Parkhaus bremst man kurz, um ein Ticket zu ziehen, schon wieder geht der Motor aus, nur, um zwei Sekunden später wieder anzugehen. Fleißige Assistenten lesen die Verkehrsschilder für mich, und warnen unablässig. Ich wechsle die Spur, da warnt der nächste Assistent, indem er unangenehm am Lenkrad zieht. Mutter-Golf, Du nervst!

Es ist den Marketingleuten fast schon böse Absicht zu unterstellen, weil sie für 1.125 Euro ein exklusives Extra verkaufen, ohne das der GTI-Junkie fast nicht lebensfähig ist: die variable Differenzialsperre. Sie macht den Sport-Golf nicht nur zum Kurvenräuber, sondern bringt den Fahrspaß in dieser Wagenklasse auch auf ein neues Niveau.  Sebastian Schaal

Es ist den Marketingleuten fast schon böse Absicht zu unterstellen, weil sie für 1.125 Euro ein exklusives Extra verkaufen, ohne das der GTI-Junkie fast nicht lebensfähig ist: die variable Differenzialsperre. Sie macht den Sport-Golf nicht nur zum Kurvenräuber, sondern bringt den Fahrspaß in dieser Wagenklasse auch auf ein neues Niveau. 

Neuling: Du würdest am liebsten ohne Servo lenken, wenn du könntest. Die Sicherheit darf von mir aus gerne auf dem neuesten Stand sein. Und die Start-Stopp-Automatik kannst du auch abschalten, im Sportmodus ist sie sowieso aus.

Aber es stimmt schon: Das ständige Gepiepe des Abstandswarners hat mich auch genervt. Der warnt vor jedem Ästchen, das im Weg sein könnte. Übervorsichtig, passt gar nicht zu einem GTI. Dabei ist es ja nicht so, dass man ein Auto von der Größe eines Golfs nicht ohne Rückfahrkamera einparken könnte.

Kommentare (1)

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golfen

27.09.2013, 06:08 Uhr

Der GOLF GTI hat seinen Fankreis und ist ein Muss.

Aber der Golf GTI ist nicht immun gegen (a) den MINI-SUV-Trend und (b) den Preis des Erfolges eines Massendesigns, was dann auch etwas Langeweile mitbringt.

Da der GOLF aber läuft und läuft und ... gibt es aber auch sehr viele Menschen, die es mögen, dass der Golf so ist wie er ist.

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