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04.03.2014

09:59 Uhr

Heikle Datenströme im Fahrzeug

Der überwachte Autofahrer

VonFrank G. Heide, Christian Raum

Auto und Internet wachsen schnell zusammen. Experten fürchten nicht nur um die Sicherheit der Daten. Es ist auch unklar, wem diese eigentlich gehören.

Gefahrenpotenzial durch Apps und Konnektivität: Durch die Vernetzung machen Hersteller die bislang nach außen abgeschottete Fahrzeugelektronik bereit für externe Zugriffe. Getty Images

Gefahrenpotenzial durch Apps und Konnektivität: Durch die Vernetzung machen Hersteller die bislang nach außen abgeschottete Fahrzeugelektronik bereit für externe Zugriffe.

Düsseldorf/GenfLängst konkurrieren die Autobauer nicht mehr nur um die sparsamsten Motoren, das gefälligste Design und die höchste Sicherheit – die Zukunft liegt auch in der Verschmelzung von Auto und IT. Doch die Branche tut sich bei der Umsetzung schwer. Autokäufer und Datenschützer fürchten um die Sicherheit der Daten. Und dieses Risiko kommt aus zwei Richtungen: Einmal holen sich viele Autofahrer freiwillig per Apps und vernetztem Infotainment die Gefahr ins Fahrzeug, zum anderen kommt das vom Gesetzgeber verordnete Rettungssystem E-Call verpflichtend in alle Neuwagen.

Auto und Internet wachsen immer mehr zusammen. Auf dem 84. Genfer Autosalon zeigen erste Hersteller das jüngste Ergebnis der Zusammenarbeit mit Apple – und Google ist auch nicht weit. Was sich der moderne Kunde durch die Verschmelzung von Smartphone und Auto erhofft, bei der das Fahrzeug zum Bestandteil des „Internets der Dinge“ wird, glaubt unter anderem Ford zu wissen. „Moderne Kunden erwarten, dass sie ihr digitales Konsumverhalten nahtlos mit ihrer täglichen Mobilität verknüpfen können“, sagte Paul Mascarenas, Technischer Leiter und als Vizepräsident des US-Autoherstellers verantwortlich für Forschung und Innovationen. „Sie wollen auch unterwegs so online und vernetzt sein wie zu Hause.“

Ford erweitert daher beispielsweise im neuen Kompakt-SUV EcoSport sein Angebot von Smartphone-Applikationen, die während der Fahrt mit der Sprachsteuerung Sync 2 bedient werden können – also ohne, dass der Fahrer die Hände vom Lenkrad oder die Augen von der Straße nehmen müsste.

Ein Beispiel für ein solches Mini-Programm heißt Parkopedia. Es kann aus einem Angebot von 15 Millionen Parkplätzen in ganz Europa jene ausfindig machen, die vom aktuellen Standort aus wahlweise am leichtesten zu erreichen oder am günstigsten und natürlich frei sind. Hierfür greift die App auf eine ständig aktualisierte Datenbank zurück, die 3000 Städte in 20 europäischen Ländern abdeckt.

Solche Angebote werden vom Kunden gut angenommen, allein in Nordamerika rollen bereits mehr als 1,5 Millionen Fahrzeuge mit dem sprachsteuerbaren Multimedia-Kommunikationssystem Ford Sync mit AppLink.

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Wer nicht zuhause ist, kann auch keine Paketzustellungen annehmen. Hat man einen Volvo vor dem Haus stehen, soll das künftig aber auch anders gehen. Basis dafür ist eine moderne Telematik-App.

Volvo geht noch einen Schritt weiter und bietet in seinen vernetzten Fahrzeugen künftig nicht nur die automatisierte Parkplatzsuche an, sondern auch das mobile Bezahlen des Parktickets aus dem Auto heraus. Die neuen, cloud-basierten Angebote des Systems Sensus Connect erlauben es dem Fahrer außerdem, neue Restaurants am Zielort zu entdecken oder seine Lieblingsmusik per Online-Stream zu hören.

„Technik soll das Leben leichter machen. Es geht nicht darum, Tausende von Apps anzubieten; es geht darum, den Kunden genau den Service anzubieten, den sie brauchen – und zwar noch bevor sie überhaupt wissen, dass sie ihn brauchen“, erläutert David Holecek, Connectivity Brand Manager bei der schwedischen Marke den Volvo-Ansatz.

Und Audi-Chefentwickler Ulrich Hackenberg sagt: "Unsere Autos werden zu mobilen Endgeräten." Warum eigentlich? Weil die Welt vernetzt ist, unsere Geräte sind ‚always on‘. Der Austausch von Daten rund um die Uhr ist Normalität geworden. Früher trugen wir Bilder unserer Familie im Geldbeutel, heute haben wir ganze Fotoalben in der Cloud.

Und die Datensicherheit? Es gibt Zweifel, ob die Hersteller auf die Digitalisierung und die damit verbundenen Datenströme und Rechtsfragen bereits gut vorbereitet sind, wie sie beispielsweise IT-Sicherheitsmanager Ramsés Gallego im Interview äußert.

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Stellen Sie sich ein Virus vor, das Kriminelle gezielt für den Angriff auf Fahrzeuge bestimmter Hersteller oder deren Rechenzentren programmiert haben. Dieses Szenario hält Ramsés Gallego für möglich.

Ford allerdings gibt Entwarnung: „Persönliche Daten, die den Fahrer und sein Verhalten im Straßenverkehr identifizieren, liegen nicht im Interesse von Ford und sollten daher besonders geschützt werden“, erklärt Christian Ress, Global Driver Assistance and Active Safety Europe, vom Ford-Forschungszentrum Aachen (FFA).

Kommentare (6)

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04.03.2014, 10:23 Uhr

spannendes Rechtsgebiet. Nach meinem Verständnis können die Daten insbesondere zur Fahrweise und Positionen nur dem Nutzer gehören, steht aber nirgendwo also können die Juristen vortrefflich darüber streiten.
Mich stört nicht das die Technik Überwachung möglich macht, sie bringt durchaus auch komfort und sinnvollen Nutzen, mich stört die Bevormundung, man kann es nicht mehr frei entscheiden, da die Hersteller die Autos entsprechend mit allem Schnickschnack ausstatten werden, Beispiel: Einparkhilfen, dem einen hilfreich dem anderen nerviges Gepiepe das an LKW´s erinnert, ich habe in der Fahrschule das Einparken gelernt auch ohne Kamera und Pieptöne. Ferner stört mich, dass die Datenverwendung in der Hand der Konzerne liegt, denn selbst wenn es Regeln zur Nutzung der Daten gäbe, sind es ja gerade Konzerne die sich gern über diese hinwegsetzen und wie wolle man das prüfen und hier vor Missbrauch schützen?
Insgesamt kann natürlich die Möglickeit der Überwachung von Fahrstil usw. vielleicht auch dafür genutzt werden endlich die Verkehrsregeln durch zu setzen.

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04.03.2014, 11:20 Uhr

ich finde computertechnik und co klasse. denken wir doch an tollen email gewinnbenachrichtigungen über 1,5 mio aus dem senegal, die oma und opa verzweifelt die kripo anrufen lassen. Oder die blinklampen im auto, die tante frieda sofort die werkstatt anfahren lassen und eine rechnung nicht unter 500 eruo generieren, obwohl wohlgemerkt garnix kaputt war, ausser das der fehlerspeicher mal kurz ne macke hatte. Oder die kiddis die sich heutzutage nach dem einstieg in die starssenbahn sofort an ihr smartphone machen umso erfolgreich einer unterhaltung zu entgehen.
Auch klasse, die stundenlangen updates gegen viren, die es gar nicht gibt. Sozusagen ein sicherheitsudate von einem sicherheitsupdate. Man könnte auch sagen, ein schnupfenmittel gegen ein schnupfenmittel.

Alles sozusagen perfekt!

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04.03.2014, 11:46 Uhr

Der Hacker, der auf einer Brücke hockt und alle Mercedes gegen den Brückenpfeiler steuert, ist somit also keine Utopie mehr, sondern nur noch eine Frage der Zeit.

mondahu weiß heute schon, daß er jede black box in seinem Auto, die interaktiv ist, entweder ausbauen oder mit einer Abschirmung aus Blech versehen wird.

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