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11.03.2012

10:22 Uhr

Honda Accord

Besser als viele, aber auch unpopulärer

Quelle:dpa

Gute Autos müssen Kunden nicht immer überzeugen. Eindrucksvoll belegt das der Honda Accord: Das japanische Mittelklassemodell mit langer Historie bringt Technikexperten zum Staunen, gilt optisch aber als Langweiler.

Seit dem Baujahr 1998 schwächelt der Honda Accord bis zu einem gewissen Alter nur selten, hat der ADAC festgestellt. Das Bild zeigt ein Exemplar von 2008. PR

Seit dem Baujahr 1998 schwächelt der Honda Accord bis zu einem gewissen Alter nur selten, hat der ADAC festgestellt. Das Bild zeigt ein Exemplar von 2008.

BerlinIn der Gunst vieler Autokäufer steht der Honda Accord hinter Konkurrenten wie dem VW Passat oder dem Mazda6 an. Dabei konstatiert der ADAC: «Modelle ab 1998 haben fast keine Schwächen.» Bis zu diesem Baujahr rissen Zahnriemen, und es brannten Zylinderkopfdichtungen durch. Auch fiel der Wagen mit feuchten Verteilerkappen und streikenden Anlassern auf. Bei der Hauptuntersuchung blieb der Japaner ebenfalls meist unauffällig: Der TÜV nennt als Hauptursache für Pannen bei von 1998 bis 2003 gebauten Modellen leere Batterien. Ärger machten auch undichte Kühler.

Bei Baujahren bis 2008 sorgten nur noch seltene Elektrik- und Kupplungsprobleme für Unmut. Erst bei mindestens acht Jahre alten Fahrzeugen machen oft die Bremsen Probleme. Allerdings gab es drei Rückrufe für den Accord: Exemplare von 1998 mussten wegen brüchiger Kabel des Klimaanlagenkompressors zurück in die Werkstätten. Außerdem mussten Defekte an Zündschlössern (1999/2000) und Kabelsträngen der Rückleuchten (2004) behoben werden.

Unter dem Modellnamen Accord baut Honda seit 1976 Autos, seit 2008 mittlerweile in achter Generation. Zuletzt wurde der als Limousine und Kombi erhältliche Japaner zum Frühjahr 2011 überarbeitet. Die beiden Generationswechsel davor ließ Honda 1998 und 2003 erfolgen.

Das Coupé stellte Honda hierzulande 2003 ein. Zum jüngsten Facelift sind die Motoren dem Hersteller zufolge sparsamer geworden. Genügsamstes Aggregat ist ein 2,2 Liter großer Selbstzünder mit 110 kW/150 PS, dessen Normverbrauch im besten Fall bei 5,3 Litern liegt (CO2-Ausstoß: 138 g/km). Je nach Baujahr und Auflage leisten die Diesel ab der 2003 eingeführten siebten Generation zwischen 103 kW/140 PS und 140 kW/190 PS. Die entsprechenden Benziner decken eine Spanne von 114 kW/155 PS bis 148 kW/201 PS ab.

Da das Hauptmanko des Accord, Mängel an der Bremsanlage, erst spät auftritt, ist der Wagen als Gebrauchter eine bessere Wahl als manch ein anderer. Für ein Stufenheck von 2008, etwa den Accord 2.0 mit 115 kW/156 PS in der Basisausstattung Comfort sollten laut der Schwacke-Liste noch rund 12 700 Euro einkalkuliert werden. Der Accord 2.2i-DECT Elegance mit 110 kW/150 PS aus dem gleichen Jahrgang steht mit rund 14 850 Euro in der Preissammlung. Solch ein Diesel ist im Durchschnitt 69 400 Kilometern gelaufen gegenüber 53 200 Kilometern beim Benziner.

Wer einen Kombi bevorzugt, muss zum Beispiel für den mit 148 kW/201 PS stärksten Benziner des Baujahrs 2010, den Accord Tourer 2.4 Executive, gut 23 250 Euro einplanen - bei einer angenommenen Laufleistung von 35 950 Kilometern.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

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