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16.02.2014

16:05 Uhr

Honda Civic im Gebraucht-Check

Gut und geschlagen

Quelle:dpa

Der Honda Civic gilt als zuverlässiger Gebrauchter. Der Kompaktwagen ist wenig anfällig für Rost, Ölverlust oder Probleme mit dem Auspuff. Mängel treten mitunter an der Frontbeleuchtung und den Bremsscheiben auf.

Gilt beim TÜV fast als Musterknabe: Der Honda Civic zeigt bei der Kfz-Hauptuntersuchgung kaum Schwächen. PR

Gilt beim TÜV fast als Musterknabe: Der Honda Civic zeigt bei der Kfz-Hauptuntersuchgung kaum Schwächen.

BerlinEs gibt ewige Rivalen, die nie so richtig zum Zuge kommen. Auf dem Automarkt in Deutschland trifft das auf den Honda Civic zu, der mit Blick auf die Verkaufszahlen dem zulassungsstärksten Auto hierzulande - dem VW Golf - noch nie das Wasser reichen konnte. Mit Blick durch die Technikbrille fällt das Urteil über den japanischen Kompaktwagen allerdings gut aus. Bei der Kfz-Hauptuntersuchung ist er ein gern gesehener Gast.

Im «TÜV Report 2014» heißt es über die beiden von 2001 bis 2012 angebotenen Modellgenerationen Nummer sieben und acht: Vor allem bei den Problemfeldern Rost, Ölverlust und Auspuff ist der Civic ein solides Auto. Wenngleich natürlich auch der Japaner auf dem Prüfstand mit der ein oder anderen Marotte auffiel.

Was es beim Gebrauchtwagenkauf zu beachten gibt

Fahrzeugbesichtigung

Die Mängelsuche beginnt mit einem Rundgang ums Auto. In aller Ruhe sollten Spalte an Stoßfängern, Türen und anderen Anbauteilen in Augenschein genommen werden. Gibt es Unterschiede bei den Spaltmaßen, lässt das meist auf einen Unfallschaden schließen. Gleiches gilt, wenn Reifen unterschiedlich stark abgefahren sind oder das auf den Fahrzeugleuchten angegebene Produktionsdatum nicht mit dem Baujahr des Autos übereinstimmt. Dann wurden die Leuchten schon einmal ausgewechselt - möglicherweise nach einem Crash.

Papiere prüfen

Vor allem bei jüngeren Gebrauchtwagen sollte es unbedingt ein Serviceheft geben, in dem die Fahrzeugwartung lückenlos dokumentiert ist. Zusätzliches Vertrauen schaffen Kundendienstrechnungen, Reparaturnachweise und Prüfberichte. Viele Vorbesitzer im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil II) könnten trotz allem auf ein Montagsauto hindeuten - mehr als zwei Halter in fünf Jahren oder drei in sieben Jahren sind verdächtig.

Blick unter die Haube

Abgeplatzter Lack und Beschädigungen an Schraubverbindungen der Karosserieteile im Motorraum können ein Hinweis auf größere Reparaturen sein. Ölspritzer und Wasserflecken begründen den Zweifel an einem einwandfreien Antrieb. Aber auch ein sehr sauberer Motorraum sollte stutzig machen: Mit einer Motorwäsche könnten Spuren beseitigt und Undichtigkeiten kaschiert worden sein.

Rostsuche

Um Korrosionsschäden an der Karosserie auf die Spur zu kommen, lohnt ein Blick in verborgene Ecken, etwa unter den Kofferraumteppich, hinter die Tankklappe und in die Radkästen. Mit etwas Fingerspitzengefühl lässt sich Rost hinter den Schwellern ertasten. Korrosion unter dem Lack ist an einer welligen oder pickeligen Oberfläche zu erkennen. Muffiger Geruch im Innenraum deutet auf Feuchtigkeit im Wagen hin. In diesem Fall nach Möglichkeit den Teppich anheben und nach Wasserpfützen und Rost suchen.

Lack-Check

Ausgebesserte Unfallschäden lassen sich mit bloßem Auge oft nicht erkennen. Indizien dafür sind Farbspuren an eigentlich unlackierten Teilen wie Gummidichtungen und Federbeinen sowie unterschiedlich helle oder matte Lackstellen, die am besten im Tageslicht zu sehen sind. Wenn der Verdacht besteht, dass einzelne Stellen nachlackiert wurden, kann eine Lackdichtenmessung in einer Werkstatt Gewissheit schaffen.

Systemtest

Vor der Probefahrt sind sämtliche Fahrzeugfunktionen zu testen - von der Klimaanlage über elektrische Außenspiegel oder Sitzheizungen bis zum Radio. Unterwegs bleibt die Musik aus, da sie verdächtige Fahrgeräusche übertönen könnte. Beim Einschalten der Zündung müssen die Kontrollleuchten im Cockpit wie für ABS, ESP und Airbags kurz aufleuchten und beim Motorstart erlöschen. Leuchten einzelne Lämpchen weiter oder blinken sie erst gar nicht auf, stimmt etwas nicht. In der Bedienungsanleitung eines Autos sind alle Kontrollleuchten aufgeführt.

Probefahrt

Mal eben eine Runde ums Autohaus zu drehen, reicht nicht. Zur Probefahrt gehören eine Überlandetappe mit mehr als 80 km/h und eine Autobahnfahrt mit 120 km/h. Denn Mängel wie eine verzogene Spur, eine ausgeschlagene Lenkung oder defekte Stoßdämpfer machen sich meist erst bei höheren Geschwindigkeiten bemerkbar. Ein Fahrzeug zieht dann zur Seite, fühlt sich schwammig an oder liegt schlecht in der Kurve. Eine hakelige Schaltung, starke Vibrationen und Ruckbewegungen deuten auf Antriebsprobleme hin.

Tachostand

Bei älteren Autos mit vielen Gebrauchsspuren, aber nur geringer Laufleistung könnte der Tachostand manipuliert sein. Kilometerangaben im Inspektionsheft, auf Prüfberichten, Werkstattrechnungen oder dem Ölwechsel-Aufkleber im Motorraum lassen womöglich einen Betrug auffliegen. Aufschluss darüber könnten auch Nachfragen bei den Vorbesitzern geben, mit welchem Kilometerstand der Wagen jeweils weiterverkauft wurde.

Sachverständiger

Sobald auch nur geringste Zweifel daran aufkommen, dass ein Gebrauchter unfallfrei und technisch in Ordnung ist, sollten Kunden das Auto vor dem Kauf von einem unabhängigen Sachverständigen von TÜV, GTÜ, KÜS oder Dekra begutachten lassen. Das lässt sich in der Regel gut mit einer Probefahrt vereinbaren. Ist der Verkäufer damit nicht einverstanden, könnte er etwas verbergen wollen. Dann gilt grundsätzlich: Finger weg und nach einem anderen Auto suchen.

Seriösen Anbieter erkennen

Ein vertrauenswürdiger Gebrauchtwagenanbieter spricht offen über Vorschäden und Mängel an einem Auto. Er liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und im besten Fall ein technisches Gutachten von unabhängiger Stelle mit. Kunden dürfen den Gebrauchten in Ruhe besichtigen, ausführlich Probe fahren, und sie bekommen genügend Bedenkzeit vor dem Kauf. Bei Privatverkäufern gibt es meist günstigere Preise, bei Händlern dafür eine Gebrauchtwagengarantie. Oft können kleine Händler bessere Preise machen als große, da bei ihnen weniger Gemeinkosten auflaufen.

Bei über elfjährigen Exemplaren sei die Achsaufhängung anfälliger als der Durchschnitt, auch die Glühlampen von Frontbeleuchtung und Blinkern gehören demnach nicht zu den haltbarsten. Öfters Anlass zu Rügen geben laut TÜV die Bremsscheiben bei ansonsten «guter bis sehr guter» Bremsanlage.

Die Pannenhelfer des ADAC bekamen es des Öfteren mit defekten Dieselpartikelfiltern und Wegfahrsperren zu tun (jeweils Baujahre 2006 und 2007). Und dass beim Civic gerne mal die Lampen in den Hauptscheinwerfern ausfallen, ist ihnen auch nicht entgangen.

Global betrachtet ist der Civic für Honda ein Erfolg. Schon seit 1972 verwenden die Japaner den Modellnamen, damit ist der Civic sogar zwei Jahre älter als der VW Golf. Zuletzt kam 2012 die neunte Generation in den Handel, von der es 2015 auch wieder das Sportmodell R geben soll. In Deutschland wird der Civic aktuell als Coupé und Kombi angeboten. 2005 war das Premierenjahr für Auflage Nummer acht.

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