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09.05.2017

09:44 Uhr

Honda Clarity Fuel Cell

Mehr Mut!

VonMichael Specht
Quelle:Spotpress

Japaner und Amerikaner haben es gut. Sie können im Honda Clarity 650 Kilometer emissionsfrei stromern und in drei Minuten volltanken. Warum bleibt Europäern bleibt die Hightech-Brennstoffzellen-Limousine verwehrt?

Honda Clarity

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Warum nicht bei uns? Diese Frage stellt man sich bereits nach wenigen Kilometern im Honda Clarity Fuel Cell. Die knapp fünf Meter lange und etwas eigenartig gestylte Limousine fährt nicht nur herrlich leise und komfortabel, sondern obendrein auch abgasfrei. Allerdings bleibt dieses Vergnügen Japanern und Amerikanern vorbehalten. Nur zu Hause und in der Neuen Welt gibt es den Clarity zu kaufen, in Europa bietet Honda das Öko-Auto nicht an.

Der Grund? Vor einigen Jahren, als die Entscheidung anstand, nach dem FCX die zweite Generation des Brennstoffzellen-Autos ins Modell-Portfolio aufzunehmen, hob nur Honda Amerika die Hand und sagte: „Ja, wir wollen.“ Jetzt geht der Kunde dort zum Händler und erhält ein Angebot, das er einfach nicht ablehnen kann.

Und auch wenn der Elektromotor „nur“ 130 kW/174 PS leistet, er reicht für alle Art von Alltagssituationen vollkommen aus. Honda

Der Elektromotor leistet „nur“ 174 PS

Er reicht für alle Alltagssituationen vollkommen aus

Zu kaufen ist der Clarity zwar nicht, man muss den Wagen für drei Jahre leasen. Das kostet lediglich 369 Dollar im Monat. Ein lächerlicher Betrag in Relation zur Größe und Leistung des Wagens. Zusätzlich erhält der Clarity-Kunde 15.000 Dollar als eine Art Tankgutschein (was etwa zehn Jahre reichen würde) sowie von Avis einmal pro Jahr einen 20-Tage-Pass, mit dem man beispielsweise ein Auto für den Urlaub mieten kann (falls mal mehr Gepäck mitmuss).

Klar ist so etwas für Honda ein dickes Zusatzgeschäft, aber anders lässt sich eine neue und alternative Technik anfangs nicht im Markt etablieren. Diese Erfahrung dürften auch Toyota mit Mirai und Hyundai mit dem ix35 Fuel Cell machen. An etwaige Gewinne ist nicht einmal in Jahren zu denken.

Im Grund seines Antriebs ist der Honda Clarity ein Elektroauto. Sein Strom kommt aber nicht aus einer Batterie, sondern wird in Brennstoffzellen generiert. Daher die englische Bezeichnung Fuel Cell, zu deutsch: Brennstoffzelle. In den nur wenigen Millimeter dicken Zellen entsteht elektrochemisch Strom, sobald Wasserstoff und Luft zusammengebracht werden. Als „Abfallprodukt“ bleibt Wasserdampf zurück. Ein sehr sauberer Prozess also, vorausgesetzt, das Wasserstoffgas stammt aus regenerativer Herstellung (Sonne, Wind, Biomasse, Wasserkraft).

Man hat das Gefühl, in einer Luxuslimousine zu sitzen. Honda

Man hat das Gefühl, in einer Luxuslimousine zu sitzen.

Wunderbar geschmeidig zieht der Clarity los. Man hat das Gefühl, in einer Luxuslimousine zu sitzen. Reisen statt rasen. Und auch wenn der Elektromotor „nur“ 130 kW/174 PS leistet, er reicht für alle Art von Alltagssituationen vollkommen aus. Hinzu kommt das üppige Drehmoment von 300 Newtonmetern, das praktisch vom Stand weg anliegt. An Reichweite verspricht Honda nach der EU-Norm rund 650 Kilometer.

Dann wären die fünf Kilo Wasserstoff verbraucht. Während unserer Testfahrt rund um Kopenhagen erreichten wir diesen Wert nicht. Im Display war trotz zurückhaltender Fahrt (strenges Tempolimit von 110 km/h) ein Verbrauch von 86,5 Kilometer pro Kilo H2 angegeben, was bedeutet, die Fahrt wäre nach etwa 430 Kilometern zu Ende.

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Gegenüber dem Vorgänger ließ Honda eine Vielzahl vom Verbesserungen in den Clarity einfließen. Die wohl wichtigste ist der „Stack“, das Brennstoffzellen-Paket. Zuvor saß es, groß wie ein Handgepäckkoffer, aufrecht zwischen den Vordersitzen, was natürlich den Platz im Innenraum einschränkte. Jetzt haben die Ingenieure das Teil um ein Drittel im Volumen verkleinert, die Zellen dünner gemacht, ihre Anzahl verringert, gleichzeitig deren Leistung um 50 Prozent erhöht.

Damit haben die Honda-Zellen nicht nur den besten Effizienzwert in der Branche, sondern der gesamte Zell-Kasten passt nun mit unter die Motorhaube. „Wir konnten den Clarity so zum vollwertigen Fünfsitzer machen“, sagt Thomas Bachmann, bei Honda verantwortlich für die Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologie.

Kommentare (1)

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Frau Me Law

09.05.2017, 11:37 Uhr

Um die Frage aus dem abstract zu beantworten: Weil Wasserstoff aus Ökostrom Wunschdenken ist. Um einen Gutteil der riesigen Mengen überschüssigem Ökostrom zu nutzen, müssten diese Elektrolysefabriken ziemlich groß und leistungsfähig sein (Spitzenleistung). Dieser Prozess ist leider ziemlich langsam. Übers Jahr gesehen beträgt der durchschnittliche Überschuss aber nur einen Bruchteil dieser Spitzenleistung. Das Ergebnis ist eine Großanlage, die meistens nur wenige % bis wenige 10% ausgelastet ist. In der freien Wirtschaft ist das ein krachendes Verlustgeschäft für jeden Investor.

Ein denkbarer Ausweg: Elektrolysefabriken in Norwegen. Mit den dort zuhauf verfügbaren Pumpspeichern könnte möglicherweise dieses Dilemma teilweise verschwinden.

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