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12.08.2014

10:03 Uhr

Honda CTX 700 N

Zwischen Chopper und Roller

VonRalf Schütze
Quelle:Spotpress

Die Honda CTX 700 N scheint ein Crossover aus Chopper und Roller zu sein. Ist das „nicht Fisch, nicht Fleisch“, oder „das Beste aus zwei Welten“? Sie hat jedenfalls mehr drauf hat, als man ihr zunächst zutraut.

Als Crossover zwischen Chopper und Roller könnte die neue Honda CTX 700 N viele Einsteiger ansprechen. Honda

Als Crossover zwischen Chopper und Roller könnte die neue Honda CTX 700 N viele Einsteiger ansprechen.

Menschen tun sich manchmal schwer, mit etwas Eigenartigem warm zu werden. Bikern sind da keine Ausnahme, wie Honda ab 2008 schmerzlich mit der DN-01 erfahren musste, einem schwer einzuordnenden Mittelding aus Motorrad und Roller.

Doch mit der CTX 700 N könnte das jetzt anders laufen, denn im Gegensatz zur wenig erfolgreichen und hochpreisigen Vorgängerin verlässt der neue Chopper-Roller von 2014 den Showroom bereits für 7.990 Euro. Das ist in der Einsteiger- und Wiedereinsteigerklasse A2 kein ausgesprochenes Schnäppchen, aber angesichts serienmäßigem ABS und Doppelkupplungsgetriebe bekommt man sehr viel fürs Geld.

Sollte die Honda CTX 700 N ein Erfolg werden, dann verdankt sie dies vor allem ihrer Vielseitigkeit und der Tatsache, dass sie ein Rundum-Sorglospaket für ihren Fahrer darstellt. Der CTX-Pilot cruist durch die Landschaft mit einer entspannten Sitzhaltung, wie sie Peter Fonda im Kultfilm „Easy Rider“ kaum besser hatte: Arme und Beine relativ weit nach vorne gestreckt, aufrechter Oberkörper, alles gut erreichbar am flachen und nicht zu breiten Lenker.

Dabei glänzt der japanische Tausendsassa mit einer überraschend großen Schräglagenfreiheit, die einen unerwartet flotten Kurvenritt erlaubt.

CTX steht laut Honda für „Comfort, Technology, eXperience“. Den Komfort spürt man beim Fahren sofort, Technologie übernimmt zum Beispiel auf Wunsch das Schalten, und „eXperience“ mit großem X steht für das große Aha-Erlebnis mit dem Crossover-Flacheisen.

Apropos flach: Mit den 0,72 m Sitzhöhe kann sich nahezu jede Körperproportion anfreunden. Ein niedriger Schwerpunkt unterstützt die Agilität der vielseitigen Honda, und 1,53 m Radstand liegen in der goldenen Mitte, um ausreichend Cruiser-Feeling zu vermitteln und dennoch die Wendigkeit zu bewahren. Allerdings: Die Sitzbank könnte am Popometer mehr Halt für den Fahrer bieten.

Das ausgesprochene Flacheisen ist auch für kleinere Fahrer zu handeln Ralf Schütze/SP-X

Das ausgesprochene Flacheisen ist auch für kleinere Fahrer zu handeln

Entspannen bzw. Abschalten heißt bei der CTX konkret: Nicht unbedingt selber schalten und dadurch mehr Konzentration aufs Wesentliche. Dazu gehört, dass sich der Biker nur um die Wahl des richtigen von sechs Gängen selbst kümmert, wenn er dies unbedingt will.

Dann wechselt er von den beiden Automatik-Modi „D“ (normal) oder „S“ (sportlich) in den manuellen Modus und schaltet mit dem linken Zeigefinger rauf, mit dem linken Daumen runter. Allerdings gehört dazu bei dem tadellos arbeitenden Doppelkupplungsgetriebe ein regelrechter Schaltfanatismus, denn objektiv betrachtet kann man die Gangwahl getrost dem sanft agierenden DCT überlassen.

Schade eigentlich, dass die Schaltbox nicht mit der größeren Kraft des brandneuen 745 ccm-Twins aus der Honda NC 750 fertig werden muss. Statt 40 kW/55 PS und 63,7 Nm dieses neuen Honda-Antriebs beschränken sich Leistung und Drehmoment der CTX 700 N noch auf 35 kW/48 PS und 60 Nm.

Die nur 72 cm hohe Sitzbank über dem mächtigen Auspufftopf könnte mehr Halt für den Fahrer bieten. Ralf Schütze/SP-X

Die nur 72 cm hohe Sitzbank über dem mächtigen Auspufftopf könnte mehr Halt für den Fahrer bieten.

Aber: Die Leistungsobergrenze von 48 PS ermöglicht die Fahrt auf dem Chopper-Roller bereits mit Führerscheinklasse A2, und die heutzutage so populäre Unten/Mitte-Abstimmung sorgt auch beim 670 ccm-Twin für Schubkraft schon bei niedrigen Drehzahlen.

Bereits ab 2.000 Umdrehungen gelangt spürbar Druck auf die Kette. Bei 160 km/h ist dann allerdings Schluss, und in den davor liegenden, hohen Drehzahlregionen gibt sich der Twin relativ bemüht.

Absolut lobenswert hingegen: Der Zweizylinder-Vierventiler kommt auf 100 km Cruisen mit 3,6 Liter Sprit zurecht, was die rechnerische Reichweite trotz nur 12,4 Liter Tankvolumen auf tourentaugliche 344 km hochschraubt. Unser Testverbrauch im Stadt-/Landstraßenmix lag mit 3,8 Liter kaum über der Herstellerangabe.

Der 670 ccm-Twin aus der bisherigen Honda NC 700 braucht offiziell nur 3,6 l-100 km. Ralf Schütze/SP-X

Der 670 ccm-Twin aus der bisherigen Honda NC 700 braucht offiziell nur 3,6 l-100 km.

Was ist die Honda CTX 700 N also? Das praktische und sehr beliebte Helmfach der Honda NC-Modelle hat sie zwar nicht, aber dennoch ist ihr kleiner Stauraum unter der Tanktattrappe samt Einfüllstutzen praktisch im Alltag.

Mit derartiger Benutzerfreundlichkeit und mit dem regelrechten Wellness-Komfort des ausgesprochen handlich zu fahrenden Flacheisens hat Honda in der Mittelklasse exklusiv eine Nische besetzt, und zwar auf insgesamt imposante Weise. Der Chopper-Roller-Mix hat durchaus das Zeug dazu, beim Kunden gut anzukommen.

Technische Daten:

Motor: Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, Hubraum 670 ccm, Leistung 35 kW/48 PS bei 6.250 U/min, max. Drehmoment 60 Nm bei 4.750 U/min, Doppelkupplungsgetriebe (DCT).

Fahrwerk: Stahlrohrrahmen, vorn 41 mm Teleskopgabel vorn, Monostoßdämpfer und ProLink-Aufhängung hinten mit einstellbarer Federvorspannung; Einzelbremsscheibe mit 320 mm vorn, Einzelbremsscheibe mit 240 mm hinten, ABS Serie.

Maße und Gewichte: Radstand 1,53 Meter, Sitzhöhe 0,72 Meter, Leergewicht (fahrfertig, vollgetankt) 227 kg, Tankinhalt 12,4 Liter.

Preis: 7.990 Euro

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